Fußball

Toronto – Montreal 0:1

Wenige nordamerikanische Städte haben ein solch großes Herz für Fußball wie das multikulturelle Toronto. Nicht selten bringen die Ergebnisse von WM- oder EM-Spielen ganze Stadtteile zum Erliegen, wenn ihre Bewohner Erfolge feiern.
Heft #49 11 / 2005
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Wenige nordamerikanische Städte haben ein solch großes Herz für Fußball wie das multikulturelle Toronto. Nicht selten bringen die Ergebnisse von WM- oder EM-Spielen ganze Stadtteile zum Erliegen, wenn ihre Bewohner die Siege ihrer Herkunftländer mit spontanen Straßenfesten oder Hupkonzerten feiern. An jedem Abend mit halbwegs akzeptablem Wetter rollt der Ball in den vielen Parks dieser beschaulichen Stadt. Nur für ihre einheimischen Profi-Kicker – The Toronto Lynx – scheint sich der Enthusiasmus der Fußballfreunde Torontos in relativ engen Grenzen zu halten. Seit neun Jahren Mitstreiter Nordamerikas zweiter Spielklasse – United Soccer League – sind die Lynx im Torontoer Vorort Etobicoke zu Hause. An beide Zustände werden sie sich wohl gewöhnen müssen. Trotz Hoffnungen auf ein neues Stadion, sind die Chancen auf eine neue Spielstätte gleich Null. Auch an einen Aufstieg ist nicht zu denken, denn der Modus der USL schließt dies aus und selbst wenn es möglich wäre, derzeit belegen die Lynx sowieso den letzten Tabellenplatz. Deshalb machen wir uns an diesem Juliabend auf den Weg ins Stadion. Drin laufen die bepelzten Vertreter einiger lokaler Sportklubs und Firmen herum, posieren für Fotos und lassen sich streicheln. Kein Zweifel: Wir haben „Mascot Night“ erwischt, den vielleicht beliebtesten Abend der Saison, denn zur Halbzeit werden die Maskottchen kurz ihr Können auf dem Rasen unter Beweis stellen, ein Ereignis, das das eigentliche Spiel der Lynx gegen USL Meister Montreal Impact in den Schatten stellt. Dort fällt kurz vor der Pause das einzige Tor des Tages für die Gäste. Endlich beginnt das versprochene Maskottchen-Spiel. Nach ein paar Minuten kommt es fast zu „Pfoten-Greiflichkeiten“, als „Raptor“, Botschafter der örtlichen NBA-Basketballer, „Bruiser Bulldog“ tunnelt, dieser das aber nicht hinnehmen will. Akzeptieren muss er aber eine Niederlage, denn zusammen mit Publikumsliebling „Mr. Potatohead“ und „Dough Dude“ („Teigkumpel“), Maskottchen einer kanadischen Pizza-Kette, müssen sie sich mit 0:2 geschlagen geben. So grausam kann Fußball sein. Im „echten“ Spiel verflacht die zweite Hälfte. Die besseren Montrealer stürmen jetzt gegen den Wind, haben ihre Probleme, wieder ins Spiel zu kommen. Die Lynx finden weiter das Impact-Tor nicht und entladen ihren Frust durch zahlreiche Fouls. Richtig schön ist das alles nicht. Kein Wunder, dass das Blatt Papier vor dem älteren Herrn im Sakko der kanadischen Nationalelf fast unbeschrieben bleibt, Höhepunkte bleiben Mangelware. Die jungen Fans aber scheint dies nicht zu betrüben, denn kurz vor dem Abpfiff werfen einige Maskottchen unter großem Applaus Sportflaschen und T-Shirts in die Menge. Das Torontoer Publikum schlendert mitsamt Sportflaschen und Promoshirts lachend zum Parkplatz und die Lynx-Spieler verdauen wohl schnell ihren Frust. Die Regeln sorgen auch dafür, dass keiner aus der USL absteigen kann. Also, everyone´s a winner.John Paul Kleiner

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