Fußball

Marokko – Botswana 1:0

Kurz vor Anpfiff knien sich drei Fans der Gastgeber auf die rote Fahne mit dem goldenen Stern gen Mekka zum Gebet. Zuvor konnte Spitzenreiter Tunesien seinen Vorsprung in der Qualifikationsgruppe auf vier Punkte ausbauen.
Heft #49 11 / 2005
Heft: #
49
Kurz vor Anpfiff knien sich drei Fans der Gastgeber auf die rote Fahne mit dem goldenen Stern gen Mekka zum Gebet. Zuvor konnte Spitzenreiter Tunesien seinen Vorsprung in der Qualifikationsgruppe auf vier Punkte ausbauen. Das Team Marokkos braucht ab heute einen Allah als zwölften Mann. Nun muss ein Sieg her gegen Botswana, sonst wäre die WM-Teilnahme der Atlas-Löwen verspielt. Afrika ist arm an WM-Teams: Über 50 Länder kämpfen in fünf Gruppen um ebenso wenige Tickets. Gut 25?000 zumeist junge Männer zieht es an diesem heißen Abend ins Prince Moulay Abdellah Stadion. Die wenigsten zahlen die zwei Euro, sondern erlabern sich den Eintritt, huschen an den zahlreichen Polizisten vorbei. Für Frauen ist der Zugang zum Spiel heute eh umsonst. Auf den vollen Hauptgeraden der steinernen Arena regeln die Polizisten rigoros die Sitzplatzverteilung, notfalls mit ihrem Holzknüppel. Derweil bieten fliegende Händler Lutscher und überzuckerte Backwaren an, während die fransig-rote Hüte tragenden Wasserverkäufer mit dem Durst der Fans ein gutes Geschäft machen. Statt Alkohol heizt der Kiff die Stimmung an, und trommelnd und grölend konkurrieren die Anhänger der zwei besten Klubs des Landes in den Kurven um den lautesten Block. Fans aus Botswana sucht man hier vergebens - mehrere tausend Kilometer trennen das Land im südlichen Afrika von Marokko. Als die Zebras aus Botswana dann einlaufen, ertönt ein schrilles Pfeifkonzert. Dabei wäre ein Applaus in dieser Situation angebrachter. Denn vier Tage zuvor blieb der 115. der Weltrangliste einem Trainingsspiel in Madrid fern und galt seitdem als vermisst. Nun sind die Spieler rechtzeitig zum Qualifikationsspiel wieder ausgetaucht. Beim Aufwärmen grasen sie nun behäbig herum, dreschen Sonntagsfußballern gleich ein paar Bälle aufs Tor. Nur wenige der Akteure spielen bei US-Klubs oder in Asien, ihr Landesbester trägt kein Trikot, sondern Nadelstreifenanzug als FIFA-Bürokrat. Die Marokkaner hingegen sind Profis in Europa. Auch Ahanfouf vom MSV und der Kölner Mokhtari sind aufgestellt, können allerdings in der Partie kaum Akzente setzen. Überhaupt sind die neunzig Minuten enttäuschend langweilig. Die unmotivierten Marokkaner tun sich schwer gegen das Fußball-Entwicklungsland vom anderen Ende des Kontinents. Zuschauer wie auch Polizisten, deren Aufmerksamkeit ab Anpfiff dem Spiel gilt, sehen eine torlose erste Halbzeit. „Am Strand wird besser gekickt“, analysiert mein Tribünen-Nachbar trocken. In der 55. Minute köpft endlich der Kapitän El Karkouri zum erlösenden 1:0 ein. Mehr wollen die Atlas-Löwen an diesem Abend nicht leisten, immerhin stehen am Ende trotzdem drei Punkte zu Buche. Am 8. Oktober in Tunesien müssen die Marokkaner deutlich mehr bieten. Dort winkt lediglich dem Sieger das Ticket zur Weltmeisterschaft in Deutschland. Es ist ein Spiel der schlechten Erinnerungen: Im selben Stadion verlor Marokko 2004 das Finale des Afrika Cups – ausgerechnet gegen Tunesien.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!