Fußball

Real Frankenstein

Der spanische Schriftsteller Javier Marias hat mit „Alle unsere frühen Schlachten“ einer besten Bücher über Fußball geschrieben, ein Werk voller Poesie und Wahrheit über den Sport. Thorsten Schaar sprach mit ihm über die aktuelle Krise seines Lieblingsklubs Real Madrid.
Heft #41 02 / 2005
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11 Freunde: Ihr Buch, das in Deutschland als „Alle unsere frühen Schlachten“ erschienen ist, heißt in Spanien „Salvajes y Sentimentales“, exakt übersetzt: „Wilde Tiere und Gefühlsmenschen“.
Javier Marias: Fußball-Fans sind auf eine Art und Weise sehr wild und unvernünftig, aber gleichzeitig gibt es das zweite Element, die Verklärung vergangener Zeiten. Bei deinem Klub bekommst du immer wieder ein unfertiges Puzzle von Spielern vorgesetzt, die zu einem Team zusammengefügt werden müssen. Meinen Spaß am Fußball hat es immer ausgemacht, diesem Prozess voller Leidenschaft beizuwohnen. Jetzt verliert meine Mannschaft zwar zuletzt öfter, aber ich bin nicht verzweifelt, weil ich das Gefühl habe, nur noch einer Show beizuwohnen.
11 Freunde: Die „Galaktischen“ haben in jüngster Vergangenheit gerade mal vier Tore in 540 Minuten geschossen, so wenige wie nie. Die Gründe?
Marias: Ich habe mir sofort gedacht, dass José Antonio Camacho nicht der Richtige für das Team ist, weil er fußballerisch nicht sehr intelligent ist. Eines der großen Probleme von Real Madrid ist – und dieses Problem existiert schon seit Jahren – dass die Spieler ihren Coach nicht akzeptieren. Die meisten dieser Spieler sind ja auch nicht mehr ganz so jung. Sie brauchen also niemanden, der ihnen die ganze Zeit sagt, was sie tun sollen. Und sie akzeptieren keinen harten Hund, weil sie dafür zu reich und zu berühmt sind.
11 Freunde: Wie müsste der ideale Trainer für das Real Madrid von heute aussehen?
Marias: Die Stars brauchen jemanden, den sie fußballerisch respektieren können. Ich kann mich daran erinnern, dass ich Fabio Capellos Spielweise nicht besonders mochte, aber sie war sehr effektiv. Und was ich vor allem nicht vergessen habe, ist, dass man den Spielern eine besondere Einstellung anmerken konnte. Sie haben versucht, ihrem Trainer zu gefallen. Das Größte war für sie, wenn er ihnen hinterher auf die Schulter geklopft hat.
11 Freunde: Was hatte Fabio Capello seinen Nachfolgern voraus?
Marias: Er wurde aufgrund seiner Persönlichkeit respektiert – und weil er in einer der besten Mannschaften des AC Mailand gespielt hatte. Es schien wirklich so, als ob sich die Spieler als seine Schüler fühlten und ihm gefallen wollten. Das ist bei den anderen Trainern nie der Fall gewesen, weder bei Jupp Heynckes, noch bei Guus Hiddink. Vicente Del Bosque hatte zwar nicht das Prestige eines Fabio Capello, aber er war ein sehr intelligenter Trainer, und offensichtlich sehr geschickt im Umgang mit den Spielern. Es hat sich zwischen ihm und den Spielern etwas entwickelt.
11 Freunde: Ihre Sicht der Entlassung von Del Bosque im Sommer 2003?
Marias: Die war wirklich ein großer Fehler. Denn Carlos Queiroz, der ihn im letzten Jahr ersetzte, kannte vorher überhaupt niemand. Er hatte als Trainer noch nichts vorzuweisen und die Spieler haben ihn nicht respektiert. Er hat das Team in keinster Weise weiter gebracht. Und nach diesen Misserfolgen haben sie dann Camacho zurückgeholt, obwohl dessen Persönlichkeit komplett ungeeignet ist. Es wurde erzählt, dass er die Spieler die ganze Zeit angeschrieen hat – ob er ärgerlich war oder nicht.

Weiter in Heft # 40!

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