Fußball

Das Referat von Pinocchio

Olaf Thon, Uwe Kamps und Karsten Bäron drücken noch einmal. die Schulbank: An der Deutschen Sporthochschule in Köln erwerben im 49. Jahrgang Ex-Profis und Sportwissenschaftler die Trainerlizenz des Deutschen Fußball-Bundes. Eine Lehrprobe von Robert Mucha,
Heft #41 02 / 2005
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Im Seminarraum 108 A herrscht bereits vor zehn Uhr geselliges Treiben. Olaf Thon gibt jedem Mitschüler die Hand, Leiter Erich Rutemöller erkundigt sich bei Karsten Bäron nach den neuesten Entwicklungen beim HSV und Mike Büskens ist auch schon da. Papiere werden ausgeteilt, in der Ecke steht ein Flipchart, dessen Frontblatt mit mysteriösen Kreisen und Pfeilen bemalt ist. Kurz vor Seminarbeginn ist Olaf Janßens Locher ein gefragtes Gerät. Janßen, Thon, Büskens, Bäron und die anderen sind Teilnehmer des 49. Lehrgangs zum Erwerb der höchsten Trainerlizenz des Deutschen Fußball-Bundes an der Kölner Sporthochschule. Ein halbes Jahr lang sitzen Ex-Profis, ehemalige Amateurspieler und Sportwissenschaftler zusammen auf der Schulbank, um hinterher Profimannschaften trainieren oder ein Nachwuchsleistungszentrum als Koordinator leiten zu dürfen. Der Stundenplan ist dabei eng gesteckt, neben praktischen Übungen auf dem Platz liegt der Schwerpunkt auf dem theoretischen Unterbau. Rhetorik, Psychologie, Methodik und Pädagogik sind Elemente des Programms, dessen Grundzüge von den Altmeistern Sepp Herberger und Hennes Weisweiler entwickelt wurden und bis heute nahezu unverändert geblieben sind. Auch Erich Rutemöller, der Ausbildungsleiter des DFB und zum vierten Mal Lehrgangsleiter, vertraut auf die Methoden von einst, ohne jedoch puristisch den alten Herren zu vertrauen. „Da die Fächerkombination gleich geblieben ist, haben wir versucht, durch neue zeitliche Strukturen den Kurs praxisnäher zu gestalten.“ Das bedeutet: weniger graue Theorie, mehr Arbeit am Objekt. Die muss dann nicht unbedingt auf dem Platz stattfinden, ein neu entwickeltes Element ist etwa die „Beobachtungsphase“. In kleinen Projektgruppen besuchen die Teilnehmer Spiele, analysieren sie und präsentieren später die Ergebnisse dem ganzen Lehrgang. Die Europameisterschaft der U21-Junioren wurde so unter die Lupe genommen und im nächsten Sommer ist der Confederations Cup an der Reihe. Neben der fachlichen Schulung hat Rutemöller dabei auch den sozialen Effekt im Auge. „Während dieser Projektarbeiten haben sich die Teilnehmer des Lehrgangs besser kennengelernt. Das hat sich positiv auf die Stimmung innerhalb des Kurses niedergeschlagen.“ Ohnehin sei der Teamgeist des aktuellen Lehrgangs ein ganz besonderer, was auch daran liegen mag, dass nicht wie früher die Räume an der Sporthochschule ständig wechselten. Inzwischen hat der Lehrgang eigene Räumlichkeiten und eine eigene Küche. „Das fördert den Gedankenaustausch zwischen den Seminaren“, sagt Rutemöller. Mindestens ebenso wichtig wie das gute Auskommen unter den Kursanten ist Rutemöller jedoch die Verzahnung der einzelnen Schwerpunkte. Anders als früher wird verstärkt interdisziplinär gearbeitet, die Dozenten harmonisieren ihre Programme und stets wird auf die Relevanz der Inhalte für die tägliche Arbeit als Trainer geachtet. Denn viel stärker als zu Herbergers Zeiten sind die Coachs öffentliche Personen, ihre Arbeit wird nicht mehr allein an taktischen Finessen gemessen, sondern auch daran, wie die Trainer ihr Verhältnis zu den Medien und zum Publikum gestalten. Denn ein Übungsleiter, so lehrt es die Praxis, kann fachlich noch so versiert sein – schafft er es nicht, seine Botschaften an die Mannschaft und an die Medien zu vermitteln und bringt er Pressekonferenzen nur stammelnd hinter sich, wird er schnell Schwierigkeiten bekommen.

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