Fußball

Ein Abend in Athen

Heft #41 02 / 2005
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Felix Magath ist nervös. Noch weiß er nicht, dass nur noch ein paar Stunden Zeit bleiben, an diesem 25. Mai 1983 bis zum größten Moment seiner Spielerkarriere. Wie soll er es auch ahnen? Schließlich reist der Hamburger SV nur als krasser Außenseiter nach Athen zum Endspiel im Europapokal der Landesmeister. Denn der Gegner heißt Juventus, und die Alte Dame aus Italien promeniert mit berühmten Namen durch Europa. Dino Zoff steht im Tor, ein Jahr zuvor Weltmeister, ebenso wie Gentile, Scirea, Cabrini, Tardelli und Rossi. Im Endspiel bezwangen sie Deutschland, und einige der Gegner von damals stehen auch heute im HSV-Team. Dazu hat der italienische Meister noch zwei weitere Superstars in seinen Reihen, den Polen Zbigniew Boniek und im Mittelfeld den Franzosen Michel Platini. Das Ensemble von Trainer Giovanni Trapattoni gilt als unschlagbar und flößt jedem Gegner Respekt ein. Auch den Hamburgern, auch ihrem Spielmacher. Magath schwitzt schon beim Mittagsschlaf im Athener Hotel „Inter- Continental“ so stark, dass das Zimmermädchen hinterher das Bett neu beziehen muss. Morgens um elf Uhr hält HSV-Trainer die Mannschaftsbesprechung auf einem Golfplatz außerhalb Athens ab. Er schart die erfahrenen Spieler wie Magath und Dietmar Jacobs, wie Uli Stein, Manfred Kaltz und Horst Hrubesch um sich, sie sprechen über das Spiel, Happel bleibt aber gewohnt wortkarg. Wenn er etwas sagt, dann ohne Hektik, ganz so, als stehe ein bedeutungsloser Freundschaftskick auf dem Programm und nicht das große Finale, der Höhepunkt vieler Karrieren. Er vermeidet jedes überflüssige Wort, redet erst gar nicht über die Stärken der Turiner. „Konzentriert euch“, gibt er seinen Spielern mit auf dem Weg. Auch später in der Kabine fügt er nur wenig hinzu. „Die Italiener haben das Spiel schon abgehakt. Die sind sich zu sicher.“ Die letzten Worte des großen Schweigers vor der Überraschung. Felix Magath wird schon vorher klar, dass an diesem Abend zwei Welten aufeinander treffen. Während er in Trainingsanzug und Turnschuhen den Platz besichtigt, wandelt sein Turiner Pendant Platini in Lederslippern und Designeranzug daher. Im Spiel kommt Platini dagegen überhaupt nicht zur Geltung. Happel stellt ihm Wolfgang Rolff als Bewacher zur Seite, und der Franzose bekommt keinen Stich gegen den Hamburger. „Ich wäre am liebsten nach 60 Minuten vom Platz gegangen“, erzählt er später, und Trainer Trapattoni stellt klar: „Unser Spiel steht und fällt mir der Leistung von Platini.“ Die Selbstsicherheit ist Juventus zu diesem Zeitpunkt schon lange abhanden gekommen. Schuld daran ist vor allem Felix Magath. „Ich kriege keinen rein, ihr müsst nur ein Tor schießen“ Acht Minuten sind im Athener Olympiastadion gespielt, als Jürgen Groh den Ball auf die linke Seite zu Magath spielt. Eigentlich keine gefährliche Situation für Juve, aber Magath nimmt mit dem Ball schnell Fahrt auf und zieht Richtung Tor. Bettega stellt sich ihm in den Weg, Magath wackelt einmal nach rechts, zieht links vorbei, dem Weltmeister bleibt nur das Nachsehen. Ein paar Schritte noch, dann erinnert sich Magath an eine alte Fußball-Weisheit: „Wenn du nicht mehr weiter weißt, dann schieß!“ Er hält sich dran, aus 18 Metern fliegt sein Schuss am verdutzten Dino „Nazionale“ Zoff vorbei in den rechten Torwinkel. „Tor, Tor, ein herrlicher Treffer, ein wunderbarer Treffer, der HSV führt 1:0“, jubelt der sonst so zurückhaltende Kurt Emmerich am Radio-Mikrofon.

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