Fußball

Die Namen Heinz Werner und Andreas Thom sind untrennbar mit der DDR-Oberliga verbunden. Heinz Werner war Spieler, später Trainer bei Union Berlin und Hansa Rostock. Andreas Thom spielte für den Serienmeister BFC Dynamo und ging als erster DDR-Spieler legal in den Westen.
Heft #41 02 / 2005
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11 Freunde: Heinz Werner, Ihr Name ist im Westen der Republik durchaus ein Begriff. Allerdings eher aus der Zeit nach der Wende, als Sie mit Ewald Lienen beim MSV Duisburg zusammengearbeitet haben.
Heinz Werner: Ich habe dort zwei Jahre als Sportdirektor gearbeitet. Ewald Lienen hatte mich zunächst gefragt, ob ich sein Assistent werden wollte. Dafür war ich aber ein wenig zu stolz. Ich war schließlich über 20 Jahre Trainer in der DDR- Oberliga gewesen.
11 Freunde: Sie haben dann aber doch noch beim MSV angeheuert.
Werner: Nun, Ewald hat daraufhin gemeint, dass ich Sportdirektor werde. Das hat sich gut angehört, auch wenn ich zuerst nicht genau wusste, was ich überhaupt zu tun habe. Es war eine ordentliche Zeit in Duisburg. Insgesamt war ich zwei Jahre dort. Am Ende klaffte die Philosophie der Vereinsführung und meine eigene zu weit auseinander.
11 Freunde: Bei Licht besehen, hatten sie noch Glück, als Ost- Trainer sofort eine Stelle zu bekommen. Ansonsten wurde ja viel abgewickelt. Die Vereine stürzten ins Bodenlose, Trainer waren benso wenig gefragt wie die Trainingsprogramme der DDR.
Werner: Das ist wahr. Nach der Wende stand man im Westen allem was aus der DDR kam mit Skepsis gegenüber. Aber wir hatten damals in der DDR erkannt, dass Talentförderung und gute Nachwuchsarbeit die Basis für den nationalen Fußballbetrieb war. Beim Deutschen Fußballbund war man nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1990 zu nachlässig. Es kamen ja auch noch die guten Spieler aus dem Osten dazu, was sollte also passieren.
11 Freunde: Die DDR war im Juniorenbereich deutlich erfolgreicher als die Auswahlmannschaften des DFB. Der Transfer der Talente in den Herrenbereich funktionierte aber nicht so richtig.
Werner: Grundsätzlich muss man sehen, dass die DFB-Auswahl in den Qualifikationsrunden immer gegen Malta, Kreta oder Albanien gespielt hat. Die DDR hingegen spielte ständig gegen Italien, Holland oder Schweden. Das waren die größten Mannschaften in Europa und oft hing es nur am schlechteren Torverhältnis, dass sich die DDR nicht qualifizieren konnte.
11 Freunde: Mit Verlaub, machen Sie es sich da nicht ein bisschen einfach?
Werner: Das war natürlich überspitzt dargestellt, aber die Qualifikationshürde lag für die DDR einfach höher. Dazu kam die internationale Unerfahrenheit. Wir haben zwar auch Spiele gegen polnische Mannschaften bestritten, aber es fanden keine Freundschaftsspiele gegen italienische oder spanische Mannschaften statt. Dann waren eben die ersten Hürden im Europapokal einfach zu hoch.
11 Freunde: Erfolge wurden aber auch gefeiert.
Werner: Natürlich. Die Prinzipien, nach denen damals in der DDR gearbeitet wurde, haben uns die Arbeit nicht gerade erleichtert. Der Erfolg von Magdeburg im Europapokal der Pokalsieger ist also gar nicht hoch genug einzuschätzen. Eine Bezirksauswahl gewann den Europapokal. Ich nenne mal ein Beispiel. Ich behaupte, dass Dynamo Dresden Ende der sechziger Jahre und Anfang der siebziger Jahre eine europäische Spitzenmannschaft war. Auf einigen Positionen war die Mannschaft allerdings ausbaufähig.
11 Freunde: Warum geschah das nicht?
Werner: Ich erkläre Ihnen den Unterschied: Bei Bayern München muss Sepp Maier nach einem Autounfall seine Kariere beenden. Was macht Bayern München? Sie holen kurze Zeit später mit Jean-Marie Pfaff einen Weltklasse-Ersatzmann. In der DDR war es aufgrund der Bezirksgrenzen nicht möglich, den Spitzentorwart Croy von Zwickau ins 130 Kilometer entfernte Dresden zu holen. Das muss man sich mal vorstellen. Genauso wenig möglich war es, dass sich Dynamo durch Spieler aus der UdSSR, Polen oder der CSSR verstärken konnte. Vielleicht hätte es dann anders ausgesehen. Wir sind an unserem eigenen System gescheitert.

Mehr zur DDR-Oberliga in der 11 Freunde-Ausgabe # 40!

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