Fünf unglückliche FIFA-Entscheidungen

For the god of the game

Der Ausschluss Togos für die nächsten beiden Turniere des Afrika-Cups durch den CAF hat weltweit Bestürzung ausgelöst. Unglückliche Entscheidungen der mächtigen Funktionäre sind allerdings kein Einzelfall. Eine Auswahl. Fünf unglückliche FIFA-Entscheidungen 1.

Keine Spiele ab 2.500 Meter!


Im Jahr 2007 verkündete FIFA-Präsident Joseph S. Blatter, er werde offizielle Fußballspiele in Höhen ab 2.500 Meter über dem Meeresspiegel aus »medizinischen« Gründen verbieten lassen. Bald zeigte sich jedoch, dass auch dort die Willkür der FIFA nicht grenzenlos ist. Gleich mehrere Fußballverbände in Süd- und Mittelamerika sahen sich wegen ihrer luftig gelegenen Spielstätten ungerechten Repressalien ausgesetzt, ein Aufschrei der Empörung zog durch die Anden.

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Das Höhenlimit wurde bereits nach der WM 1994 zur Diskussion gestellt, nachdem Bolivien in La Paz (auf einer Höhe von knapp 3.600 Metern) in der Qualifikation Favorit Brasilien im Hinspiel mit 2:0 besiegt hatte. Konnte das mit rechten Dingen zugehen? Vollkommen unberührt der Tatsache, dass sich Bolivien im Rückspiel ohnehin mit 6:0 geschlagen geben musste, rückte die erhöhte Anstrengung für Spieler aus anderen Höhengraden – in diesem Fall die Brasilianer – in den Fokus.

Wer fragt aber nach den erschwerten Bedingungen für die Bolivianer im Flachland? Sollte nicht jedes Land seinen Heimvorteil genießen können? Evo Morales, bolivianischer Staatspräsident, sprach von einer »Diskriminierung« seitens der FIFA, denn mit fünf abgestraften Stadien würde vor allem der Fußball in Bolivien unter dieser Regelung leiden.

Blatter bezog sich auf eine Empfehlung der Medizinischen Kommission der FIFA, die vor einer Gesundheitsgefährdung der Akteure bei den Spielen in dünner Höhenluft gewarnt hatte. Zudem stelle laut Blatter die extreme Höhe einen Wettbewerbsnachteil für die Gastmannschaften dar. Nachdem das Thema nicht nur in Bolivien zum Politikum ernannt wurde und medizinische Gegendarstellungen folgten, hob das Exekutivkomitee der FIFA die Entscheidung gegen Spiele in Höhenlagen provisorisch wieder auf. Na also.

2.

U-20-WM im Herbst!


Mit nur 15 Spielern reiste die deutsche U-20-Auswahl im Herbst des vergangenen Jahres zur WM-Endrunde nach Ägypten. Statt wie sonst in den Zeitraum der Sommerpause, legte die Fifa den Termin für das vielversprechende Nachwuchsturnier diesmal unverständlicherweise mitten in die Bundesligasaison hinein. Aufgrund einer fehlenden Abstellungspflicht wurde insgesamt 25 deutschen Spielern die Freigabe für das Turnier verweigert.

Matthias Sammer machte in seiner Funktion als DFB Sportdirektor keinen Hehl daraus, mit der Entscheidung der FIFA völlig unzufrieden zu sein und zeigte ausnahmsweise gerechtfertigt sein grimmigstes Gesicht: »Für uns ist der Super-Gau eingetreten. Das, was jetzt passiert, ist nur noch peinlich. Ich habe keine Lust mehr, mich veralbern zu lassen«. Umso erfreulicher also, dass die Mannschaft unter Trainer Horst Hrubesch das Halbfinale nur knapp verpasste.  

3.

Keine Nationalmannschaft Kosovo!


Schon oft wurde die Aufnahme des Kosovo in den Weltfußball-Verband diskutiert. Doch alle Gesuche des Landes bei der FIFA wurden bislang abgelehnt. Was bitter ist: Die Aufnahme scheitert regelmäßig, obwohl bereits 22 von 27 Mitgliedstaaten der EU den Kosovo mittlerweile als unabhängigen Staat anerkannt haben. Doch die FIFA bleibt hart: Artikel 10 der Statuten sieht vor, dass nur ein Verband eines von der internationalen Staatengemeinschaft anerkannten Staaten Mitglied werden kann und sich damit für die Teilnahme an FIFA-Wettbewerben qualifiziert.

Gut möglich, dass so auch in naher Zukunft für das Nationalteam des Kosovo nicht mal eine Ausnahmeregelung von Seiten der FIFA in struktureller Analogie zur Handhabung mit den Faröer-Inseln denkbar ist, nicht zuletzt durch Vetos von Russland und Serbien. Auch für die Spitzenteams der heimischen »Raiffeisenliga«, wie z.B. die mehrfachen kosovarischen Meister KF Priština und KF Besa, gibt es auf europäischer Ebene des Spitzenfußballs wenig Grund zur Hoffnung. Die UEFA fordert für die Teilnahme an den europäischen Wettbewerben zwingend die Anerkennung durch die UNO.

4.

Irland-Frankreich bleibt!


»Das Resultat kann nicht mehr verändert oder annulliert werden«, tönte die FIFA im letzten November, nachdem Thierry Henry eine Handspielvorlage für das Ausgleichstor durch William Gallas geliefert hatte und den »Bleus« damit den Einzug in die Endrunde gesichert hatte. Ganz Irland fühlte sich hingegen um die WM betrogen.

Auch Henrys Schuldeingeständnis und gleichzeitige Feststellung, dass eine »Wiederholung das Fairste« wäre, konnten nichts mehr daran ändern, dass die FIFA sich gegen eine Neuaustragung des Qualifikationsspiels entschied. »In den Fußball-Regeln ist eindeutig festgelegt, dass Entscheidungen während des Spiels vom Schiedsrichter getroffen werden und dass die Entscheidungen endgültig sind«, lautete die Begründung.

5.

Absage des WM-Qualifikationsspiels Neuseeland gegen Fidschi


Als die FIFA das Auftaktspiel in der Ozeanien-Qualifikation für die WM 2010 zwischen Neuseeland und den Fidschis erst wenige Tage vor dem geplanten Spielbeginn aus Angst vor politischer Einflussnahme und einem schlechten Präzedenzfall absagte, legte sie sich damit eigenhändig und ohne jegliches Fingerspitzengefühl ein faules Ei ins Nest.

Hintergrund der Entscheidung über die Absage war die Weigerung der neuseeländischen Regierung, dem Torwart der Gastmannschaft Simione Tamanisau ein Einreisevisum auszustellen, da sein Schwiegervater auf den Fidschis dem Militärregime angehört und Neuseeland Fidschis Millitärs und deren Familienangehörigen die Einreise grundsätzlich verweigert. Was die FIFA nicht daran hinderte, sich über die Gesetze Neuseelands hinwegzusetzen und ihr eigenes Süppchen zu kochen.

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