Fünf legendäre Präsidenten-Ausraster

»Du Wichser!«

Ramsan Kadyrow, höchst umstrittener Machthaber Tschetscheniens und Präsident von Terek Grosny, hat via Stadionlautsprecher den Schiedsrichter beschimpft. Jetzt droht dem Klub eine Platzsperre. Fünf weitere Ausraster von Vereinsbossen.

Weil sein Kapitän vom Platz geschmissen wurde, ist Terek Grosnys Präsident Ramsan Kadyrow am Wochenende der Kragen geplatzt. Der mächtige Präsident der Teilrepublik Tschetschenien beschimpfte den Unparteiischen der Partie Grosny gegen Rubin Kasan als »Ziege« – via Stadionlautsprecher. Der russische Fußballverband hat bereits angekündigt, den Verein hart zu bestrafen. Angeblich steht eine Platzsperre von bis zu fünf Spielen im Raum. Kadyrow selbst zeigte sich wenig einsichtig. Zwar entschuldigte er sich für seine Wortwahl, bestand aber darauf, dass der Schiedsrichter auch offiziell als korrupt abgestempelt werde. Mit solchen Machenschaften kennt sich Kadyrow schließlich ganz gut aus. Doch Grosnys Präsident ist nicht der einzige Vereinsboss, der mit seinem Verhalten für einen Eklat sorgte...




Aurelio de Laurentiis
Signore de Laurentiis, gelernter Filmproduzent (u.a.: »Leviathan«, »Die römische Kanone«) und seit 2004 Präsident des SSC Neapel, sorgte im Sommer 2011 für einen hübschen Eklat, als er während einer Live-Sendung unter lautem Gefluche aus dem Fernsehstudio türmte, um seinen Unmut über den soeben ausgelosten Ligaplan kund zu tun. Schon auf der Flucht stoppte Neapels Fußballboss einen Rollerfahrer, lud sich selbst als Beifahrer ein und brauste davon. »Ohne Helm«, wie die »Gazzetta dello Sport« anschließend bemerkte.

Fritz Keller
»So ein Verhalten«, japste Hertha-Manager Michael Preetz, »habe ich bei einem Funktionsträger in der Bundesliga noch nicht erlebt!« Was war passiert? Beim Heimspiel des SC Freiburg gegen Hertha BSC im November 2011 wurde dem Gastgeber kurz vor Schluss der 2:2-Ausgleich verwehrt. SC-Präsident Keller (»Fakt ist, dass wir uns natürlich geärgert haben, weil die Berliner Kollegen großen Einfluss auf die Schiedsrichter genommen haben«) stürmte vor die Berliner Bank und packte den guten alten Stinkefinger aus. Entsetzen bei den Hertha-Verantwortlichen. So groß war die Wut, dass Preetz noch nicht mal den versöhnenden Handschlag von Freiburgs Präsidenten nach dem Spiel akzeptieren wollte. Zitat: »Es ist die Frage, ob man sich für asoziales Verhalten entschuldigen möchte oder nicht.«

Jean Löring
Eben war Coach Toni Schumacher zur Halbzeit des Spiels der Kölner Fortuna gegen Waldhof Mannheim 1999 beim Stand von 0:2 in Richtung Kabine geschlendert, da war  er auch schon arbeitslos. Präsident Jean Löring fauchte: »Hau app in de Eiffel. Du määs minge Verein kapott. Du häss he nix mie zu sare, du Wichser.« Später legte Löring nach: »Ich als Verein musste ja reagieren.« Verständlich. Übrigens: Das Spiel endete mit 5:1 für Waldhof Mannheim. Da war der »Tünn« Toni Schumacher schon längst auf dem Heimweg.

Gerhard Mayer-Vorfelder
Neun Gelbe Karten für eine Mannschaft hat auch Markus Merk noch nicht so häufig in seiner Schiedsrichter-Karriere gezeigt. Am vorletzten Spieltag der Saison 1996/97 hatte sich der VfB Stuttgart beim Auswärtsspiel gegen den FC Bayern allerdings so konsequent daneben benommen, dass Merk gar nicht anders konnte, als die Kartenflut durchs Olympiastadion wüten zu lassen. Nach Spielende kaum in der Kabine angekommen, wurde Merk auch schon von VfB-Präsi Gerhard Mayer-Vorfelder besucht. Der schiss den Schiedsrichter so herbe zusammen, dass dieser anschließend zu Protokoll gab: »»Eine solche Konfrontation möchte ich nie wieder erleben – alles hat Grenzen.« Wobei der bedauernswerte Merk zugab, nicht einmal genau gewusst zu haben, wer ihm da so einen Einlauf verpasst hatte: der VfB-Präsident MV, der DFB-Vizepräsident MV oder MV, der Chef des Ligaausschusses. Zum Teufel mit der Ämterhäufung.

Franz Beckenbauer
Sie ist längst Teil der Vereinshistorie beim FC Bayern: Die Wutrede von Präsident Franz Beckenbauer nach der 0:3-Niederlage der Münchener während der Champions-League-Zwischenrunde 2000/2001 gegen Olympique Lyon. Wir zitieren: »Das war heute eine Blamage. So, wie wir gespielt haben, aber das hat sich schon in den letzten Wochen und Monaten angedeutet, das hat nichts mit Fußball zu tun. Das ist eine andere Sportart, die wir spielen. Lyon hat Fußball gespielt. Wir haben nicht Fußball gespielt. Wir haben zugeschaut, wir haben körperlos gespielt. Das ist nicht Fußball, das ist Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft, Altherrenfußball. Tut mir leid, wenn ich das so sagen muss. Es ist so.«

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