Fünf Gründe für den deutschen Erfolg

Neufünfschland

Mit dem deutschen Finaleinzug war nicht unbedingt zu rechnen. Nach Startschwierigkeiten brachten Änderungen die Wende. Wir haben uns die fünf Gründe für den Erfolg genauer angeschaut.

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Zum achten Mal steht die deutsche Nationalmannschaft am Sonntag im Finale einer Weltmeisterschaft. Gemessen an den personellen Möglichkeiten des deutschen Fußballs ist das keine große Überraschung; gemessen an all den Problemen, die zu Beginn der Vorbereitung aufgetreten sind, musste der Weg der Nationalmannschaft nicht zwingend ins Maracana führen. Was also waren die Gründe für den Erfolg der Deutschen?

FITNESS
Die Laufleistung ist phänomenal. Zumindest hat Philipp Lahm diesen Eindruck gewonnen. Der Kapitän kann nur staunen, welche Strecke der Bundestrainer in den fünf Wochen in Santo André abgerissen hat. Fast jeden Tag, wenn der Morgen noch graut, hat sich Joachim Löw zu seinem persönlichen Workout an den Strand begeben. Die Bilder, die er von seinem joggenden Vorgesetzten gesehen hat, fand Lahm durchaus beeindruckend. Der Bundestrainer ist definitiv fit genug, um auch die letzte Strapaze bei dieser WM der Strapazen zu bewältigen. Die Mannschaft scheint das auch zu sein. Kein Team ist in Brasilien mehr gelaufen als das deutsche. In jedem ihrer sechs Spiele spulte die Nationalmannschaft mehr Kilometer ab als ihr Gegner.

Unter den zehn Spielern mit der höchsten Laufleistung in Brasilien sind vier Deutsche: Thomas Müller (68,8 Kilometer), Toni Kroos (68,3), Philipp Lahm (67,3) und Benedikt Höwedes (66,3). »Grundsätzlich wird es wichtig sein, dass man läuferisch an seine Grenzen geht«, sagt Müller auch mit Blick auf das Finale. Insgesamt kommen die Deutschen bisher auf 695,8 Kilometer; die Argentinier haben rund zwölf Kilometer weniger in den Knochen (683,5) - obwohl sie 30 Minuten mehr gespielt haben. Während die Nationalmannschaft nur einmal in die Verlängerung musste, hat es die Südamerikaner zweimal erwischt, zuletzt im Halbfinale. Dazu hatten die Deutschen nach ihrem Sieg gegen Brasilien einen Tag mehr Pause. »Das tut uns auch mal gut«, sagt Assistent Hans-Dieter Flick.

STANDARDS
Irgendwann in den nächsten Wochen wird Joachim Löw bluten müssen. Dann wird groß aufgetischt, und der Bundestrainer muss die Rechnung übernehmen. Zum ersten Mal hat der Bundestrainer eine Wette gegen seinen Assistenten Hansi Flick verloren, die er sonst immer gewonnen hat. Löw verfolgt eher den pessimistischen Ansatz, Flick hatsich - wider besseres Wissen eigentlich - als der ewige Optimist hervorgetan. Löw hat wie immer gewettet, dass die Deutschen im ganzen Turnier kein Tor nach Standards erzielen, Flick tapfer das Gegenteil behauptet. Bisher hat Löw seine Gewinnchancen immer dadurch deutlich erhöht, dass er Standards in der kompletten Vorbereitung so gut wie gar nicht hat trainieren lassen. Diesmal setzte sich Flick durch. Auf die Frage nach der Wette hat Löws Co-Trainer bereits nach dem ersten Spiel gegen Portugal geantwortet: »Die hat sich schon erledigt.« Da hatte Mats Hummels nach einer Ecke von Toni Kroos für die Nationalmannschaft getroffen.

Standards sind eine alte Qualität der Deutschen, die bei der WM in Brasilien wieder neu entdeckt wurde und auf die Thomas Müller auch für das Finale setzt. Natürlich habe man einen Matchplan für das Spiel gegen die Argentinier. "Aber wenn der nicht hilft, machen wir halt ein Standardtor", sagt Müller. »Da sind wir ja neuerdings die Könige.« Mehr als ein Drittel ihrer Tore (sechs von siebzehn) sind mittelbar oder unmittelbar nach Ecken, Freistößen oder Elfmetern gefallen. Das ist im internationalen Fußball eine Art Standardwert, von dem die Nationalmannschaft unter Löw bisher allerdings nur träumen konnte.

Zum ersten Mal in seiner Amtszeit als Bundestrainer hat Löw Standards als wichtigen Bestandteil in seinen Lehrplan aufgenommen. »Da steckt wirklich viel Arbeit hinter«, sagt Miroslav Klose, der sein erstes Tor gegen Ghana selbst in der Folge einer Ecke erzielt hat. Das 1:0 im Viertelfinale gegen Frankreich (Hummels) fiel ebenso nach einem Standard wie das 1:0 im Halbfinale gegen Brasilien (Müller). »Das ist definitiv eine Waffe«, sagt Höwedes. Wie effektiv diese Waffe sein kann, haben die Deutschen selbst vor vier Jahren leidvoll erfahren müssen, als sie das WM-Halbfinale gegen Spanien durch ein Eckballtor von Carles Puyol verloren.

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