Frustfeiern mit Fußballfrauen

Die letzte große Fußballparty

Unser Kolumnist erinnert sich verschwommen an eine wilde Champions-League-Nacht in London und weiß nun, warum man mit Messi keinen Schnaps trinken kann.

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2011 erfüllte sich ein Traum: Meine Redaktion schickte tatsächlich mich zum Champions-League-Finale. Barcelona gegen Manchester, Messi gegen Rooney, die größte Fußballparty des Jahres – und ich hautnah dabei!

Doch zwei Tage vorher musste ausgerechnet ich zum Finale der Frauen, Potsdam gegen Lyon oder so ähnlich. Fulhams holzvertäfeltes Stadioninterieur ähnelte einer Kneipe, dementsprechend pichelte die kleine Reporterrunde nach getaner Arbeit und schoss wackelige Fotos mit Pokal.

Potsdam lud uns zur Frustfeier in einen Club ein. Mit einer Nationalspielerin zogen wir Streichhölzer um Schnaps, hinter uns tanzte Matthias Platzeck.

Noch nie hatte ich Sportler so offen über eine Niederlage und geplatzte Träume reden hören. So muss Männerfußball gewesen sein, vor dem Geld, dem Fernsehen, dem Internet, bevor sich alle nur belauerten. Ein wankender Trainer Bernd Schröder sagte mir, fast alle Spielerinnen hätten einen Zweitjob und ein Bein im Leben.

Doch die Frauen-WM nahte, die viel verändern sollte. Fatmire Bajramaj, der erste Profi und Star der Mannschaft, posierte für ein Kamerateam auf der Tanzfläche. Ihre Mitspielerinnen verdrehten die Augen. Ein angetrunkener Funktionär – seine Funktion war mir unklar – erzählte offen, was sie alles so dazuverdiente. Der Rest ist verschwommen.

Das Männerfinale in Wembley war dann ein Hochsicherheitstrakt aus Ausweiskontrollen und endlosen Tunneln. Nach dem Spiel drängelten sich Hunderte Reporter an Gittern, um Nichtssagendes von Messi zu erfahren. Ein Kollege wollte zu Barcelonas abgeriegelter Siegesfeier in einem Museum, um vielleicht von außen etwas mitzubekommen. Nein, sagte ich, ich war schon auf der größten Fußballparty, der vielleicht letzten.

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