Friedhelm Funkel in Berlin

Turnaround statt Titel

Nach dem vierten Platz in der vergangenen Saison wuchsen die Bäume in den Himmel – die Ernüchterung folgte auf dem Fuße. Mit Friedhelm Funkel als neuem Trainer macht sich Berlin nun ehrlich: Hertha kämpft gegen den Abstieg. Friedhelm Funkel in Berlin Die Auslöser der Fotokameras klackerten ihre erregteste Melodie. Sie ist im Fußballgeschäft immer dann zu hören, wenn Trainer gehen oder kommen. Dieses Mal kommt einer, und so setzen die Herren auf dem Podium freundliche Gesichter auf. Es sind Gesichter, die bei solchen Anlässen üblicherweise getragen werden, sie verraten Freude und Hoffnung. Wirklich belastbar sind solche Bilder kaum. Also ergreifen dieselben Herren rasch noch das Wort. Es fallen Sätze, die zu den Geschichtsausdrücken passen. Michael Preetz etwa sagt, wie sehr er sich freut, Friedhelm Funkel als neuen Trainer von Hertha BSC begrüßen zu dürfen. Funkel sei »ein Kind der Bundesliga«, erzählt Herthas Manager, erst als jahrelanger Spieler, dann in 18 Jahren als Cheftrainer. Der so rührig Verehrte retourniert, wenig überraschend, ebenfalls herzlich: »Ich freue mich, hier Trainer zu sein, ich freue mich auf Berlin.« Die Auslöser der Kameras sind nur noch vereinzelt zu hören.

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Hertha BSC hat einen neuen Trainer, der schon heute im Bundesliga-Heimspiel gegen den Hamburger SV auf der Bank der Berliner sitzen wird. Die Nachricht der Trainerverpflichtung ist bereits einen Tag auf den Markt und hat in der Anhängerschaft alles andere als Euphorie entfacht. Es heißt: Nun ist Hertha endgültig im Abstiegskampf angekommen, Funkel halt. 

Womöglich kann Funkel am allerwenigsten dafür. Sicher, der 55-Jährige hat bei Klubs in Uerdingen, Duisburg, Rostock, Köln und Frankfurt gewirkt; allesamt Vereine, bei denen es für den Trainer in erster Linie darum gegangen war, einen gewissen wirtschaftlichen wie personellen Mangel zu verwalten und dabei sportlich die Klasse zu halten. Doch streng genommen gehört Hertha zu diesem Kreis. Nicht jeder im Anhang Herthas mag das hören, klingt die Verpflichtung Funkels doch so, als habe es die vergangene Saison mit einem vierten Platz nie gegeben. Insofern hilft diese personelle Entscheidung dem angeschlagenen Verein gar, unrealistische Erwartungen zu begraben. Mit einem wie Funkel nähert Hertha sich auf radikale Weise der Wirklichkeit. Was mehr Chance als Risiko ist. Die Berliner verabschieden sich endgültig vom Masterplan des früheren Managers Hoeneß, der in dieser Saison die Champions League für Hertha vorsah und mithin von Lucien Favres Ziel, in dem dritten Jahr seines Wirkens um die Meisterschaft mit offensivem One- Touch-Fußball mitspielen zu können. Favres Nachfolger hat einen Kader zur Verfügung, der zusammengewürfelt wirkt, und der etliche Unrundungen aufweist. Die Zukäufe des Sommers haben bislang nicht eine Baugrube zuschütten können. Und so findet Funkel einen Verein vor, der geradezu idealtypisch seiner Kragenweite entspricht.

»Stück für Stück vom Tabellenende entfernen«

»Wir müssen jetzt eine Einheit bilden, um aus der schwierigen Situation rauszukommen«, sagt Funkel. »Wir wollen uns Stück für Stück vom Tabellenende entfernen.« Noch in der Hinrunde möchte der Trainer des Tabellenletzten ein paar Mannschaften überholt haben. Niemand aber solle Wunderdinge erwarten. Funkel sei lange genug im Geschäft, er wisse, worauf er sich eingelassen habe bei einem Klub wie Hertha, der entlang der Nahtstelle zwischen Bundesliga und Zweiter Liga wankt. »Wir müssen schauen,was wir hier ändern müssen.«

Die Gänsehaut, die der neue Trainer bekommen haben will, als er den Anruf von Preetz erhielt, ist inzwischen verflogen. Funkels Vertrag läuft bis Saisonende. Sollte der Klassenerhalt gelingen, griffe eine Option auf eine Verlängerung. »Wir beide sind uns im Klaren, dass wir kurzfristig die Mannschaft aus dieser schwierigen Situation befreien müssen«, sagt Preetz. Abgesprochen sei ferner, dass die gemeinsame Arbeit prinzipiell weitergehen kann. »Grundsätzlich geht es jetzt darum, die Mannschaft zu stabilisieren“, sagt Funkel. Dabei blickt er ernst. Das Lächeln ist verschwunden.

Die Zeit bis zum sonntäglichen Anpfiff wolle er für Gruppen- und Einzelgespräche mit den Spielern genutzt haben. Schließlich wisse er, worum es jetzt vorrangig geht. Michael Preetz nickt zustimmend: »Friedhelm Funkel ist der Trainer, den ich für Hertha BSC gewinnen wollte, und das ist mir gelungen. Er ist der richtige Mann am richtigen Ort. Wir sind überzeugt, dass wir mit ihm den Turnaround schaffen.« Sagt Preetz.

Zurück bleibt die Hoffnung, dass Herthas Manager in seiner Einschätzung glücklicher liegt, als mit ein paar anderen seiner jungen Managerkarriere. Schließlich richtet Michael Preetz am Ende auch ungefragt ein paar Worte an die Öffentlichkeit. Es sei »eine Sauerei«, dass rund um die Entlassung des alten Trainers die Loyalität der Mannschaft um Kapitän Arne Friedrich in Zweifel gezogen worden war. Nur: Warum hat Preetz mit dieser Aussage so lange gewartet, bis der neue Trainer da ist?

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