Freiburgs Matthias Ginter vor dem Pokal-Halbfinale

Die Leuchtfackel

Matthias Ginter (19) ist einer der jungen Unbekannten, die den SC Freiburg in dieser Saison in Richtung Europa führen könnten. Im Jahr 2009 sah er zu, wie Christian Streich mit der Freiburger A-Jugend den Juniorenpokal gewann. Damals stand Ginters Bruder auf dem Platz. Wir erinnern uns.

Da ist das Ding! Christian Streich, brauner Anzug, schweißnasse Haare, irre Augen, reckt beide Fäuste in den Himmel. Soeben hat sein SC Freiburg im Potsdamer Karl-Liebknecht-Stadion den DFB-Junioren-Pokal 2009 gewonnen. Gegen Borussia Dortmund, bei denen ein Junge namens Fabian Götze gerade den entscheidenden Strafstoß versemmelt hat. Sein Bruder Mario hingegen hat sich endgültig auf den Zettel des Profitrainers Jürgen Klopp gespielt. Zwei Karrieren auf dem Scheideweg.

Viehmarkt oder Wolke Sieben?

Auch auf Freiburger Seite jubeln zwei Jungs, deren sportliche Zukunft sich bald diametral entgegengesetzt zueinander entwickeln wird. Da stehen Oliver Baumann, Oliver Sorg, Jonathan Schmid – Jungs, die Jahre später die Bundesliga von hinten aufrollen werden. Da steht ebenfalls: Niklas Ginter, für viele im Breisgau längst ein sicherer Kandidat für eine solide Bundesliga-Karriere. Oben auf der Tribüne sitzt der 15-jährige Matthias, selbst in der C-Jugend des SC Freiburg aktiv, und jubelt seinem großen Bruder zu. Der hatte den wichtigen 1:1-Ausgleich in der 78. Minute erzielt, und so die Verlängerung erst möglich gemacht. Er darf sich ab sofort Pokalheld nennen.

Heute, knapp vier Jahre später, spielt der 22-jährige Niklas Ginter beim SV Endingen, Verbandsliga Südbaden. Und während er mit Kreuzbandrissen und falscher Karriereplanung in die Untiefen des deutschen Vereinsfußballs abgetaucht ist, wurde sein kleiner Bruder Matthias einer der Shootingstars jener Freiburger Elf, die sich dieser Tage wahlweise auf dem Viehmarkt oder auf Bundesligawolke Sieben wähnt.

Ist Freiburg jetzt normal?

Frühjahr 2012. Im traditionell beschaulichen Freiburg brennt der Baum. Der Wohlfühl-Ballon SC Freiburg ist zum Bersten gespannt. Hoffnungslos abgeschlagen taumelt der Klub in Richtung Zweite Liga. Die Ruhe, um welche die ganze Liga diesen Klub jahrelang beneidet hatte, scheint dahin. Stattdessen gibt es jetzt Kurzschlussreaktionen. Trainer raus. Rumms. Sechs Spieler freigestellt. Rumms. Einer von ihnen soll Shampoo geklaut haben. Bitte was? So einen bizarren Kündigungsgrund kannte man sonst nur aus Heißblutregionen wie Köln, Kaiserslautern oder dem Ruhrgebiet. Jetzt sind sie also auch in Freiburg normal geworden, unken einige.

Doch der Klub beordert in diesen wilden Tagen kurzerhand den bis dato unbekannten Jugendtrainer Christian Streich auf die Trainerbank der Profis. Einen Mann, der mit dem Fahrrad zum Training kommt, in einem Satz über Goethe und die abkippende Sechs fabulieren kann und vom ersten Tag an zugibt, dass er eigentlich keinen Bock auf das Haifischbecken Bundesliga hat. Ein Mann aus dem alten Freiburg also. Mehr Yogi-Tee als Energy-Drink. Mehr Uni als Profifußball. Irgendwie beruhigend, dass es so einen noch gibt. Und damit er es überhaupt erträgt, bringt er paar seiner A-Jugendlichen mit nach oben: Nicolai Lorenzoni, Oliver Sorg und Matthias Ginter.

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