Freiburg-Schalke in der Spielanalyse

Tief stehen, knapp gewinnen

Trainer Jens Keller verordnete seinen Schalkern am letzten Spieltag eine sehr defensive Ausrichtung und nahm Freiburg so den Spaß und den Raum zum Spielen. Vor allem die Kopfballstärke und etwas Glück brachten Schalke am Ende in die Champions-League-Qualifikation.

Der FC Schalke spielt gegen den Ball in der Regel ein 4-4-2, bei dem der Zehner in vorderster Reihe den Stürmer unterstützt. Gegen den im Spielaufbau so starken Tabellennachbarn aus Freiburg hatte sich Jens Keller jedoch eine andere Maßnahme ausgedacht: Die Gäste orientierten sich im Pressing an den Sechsern der Freiburger, anstatt deren Innenverteidiger anzulaufen. Häufig war Huntelaar als höchster Schalker Spieler in der eigenen Hälfte zu finden. Da die Schalker Abwehrkette nicht besonders tief stand, war Schalkes Defensivordnung extrem kompakt – die Räume wurden für die spielfreudigen Freiburger sehr verknappt.

Schalke verzichtet auf Ballbesitz

Die Schalker waren sich der Ausgangslage selbstverständlich bewusst und verzichteten freiwillig auf viel Ballbesitz. Offensichtlich war es der Plan, Nadelstiche über Konter zu setzen – mit den schnellen Flügelspielern Julian Draxler und Jefferson Farfan und Strafraumspezialist Klaas-Jan Huntelaar im Zentrum allzu verständlich.

Es war also wenig überraschend, dass Freiburg insgesamt fast zwei Drittel der Spielzeit in Ballbesitz war. Im Gegenzug zwang ihr hohes Pressing Schalke zu vielen langen Bällen in Richtung Huntelaar, der allerdings kein Experte im Verarbeiten von hohen Pässen ist wie zum Beispiel Robert Lewandowski. Schalke konzentrierte sich also mehr darauf, die zweiten Bälle über Raffael und den aufrückenden Jones zu erkämpfen und aus den Zehnerräumen schnelle Pässe in die Spitze zu spielen.

Huntelaar isoliert

Symptomatisch waren folgende Statistiken: Sämtliche Spieler Freiburgs, die in der Startelf standen, hatten mehr Ballkontakte als Klaas-Jan Huntelaar, der wegen Schalkes Verzicht auf Ballbesitz eben nur selten eingebunden werden konnte.

Dass Innenverteidiger Matthias Ginter und der häufig zurückfallende Sechser Julian Schuster mit 104 bzw. 119 Ballkontakten die Führenden in dieser Kategorie waren, ist ebenfalls keine Überraschung: Schalkes tiefes Mittelfeldpressing sollte nicht den Aufbau, sondern erst die zweite Phase der Freiburger Angriffe stören.

Da Schalke durch Freiburgs hohes mannorientiertes Pressing kaum zu geregelten Aufbausituationen kam, ließ sich Jermaine Jones häufig zu den eigenen Innenverteidigern fallen, um das Spiel von dort aus anzukurbeln. Dies gelang allerdings nicht, weil die Streich-Elf ihr Pressing wie schon so oft in dieser Saison einfach anpasste: Der Sechser Cedric Makiadi verfolgte Jones so weit, dass das Freiburger Pressing in vielen Szenen wie ein 4-1-3-2 oder sogar 4-3-3 aussah. Die Folge dieses permanenten Drucks waren viele Rückpässe auf Torwart Hildebrand, der mit 54 die meisten Ballkontakte der Schalker hatte.

Schalkes Offensivbemühungen beschränkten sich indes auf vier Optionen: achnelle Konter, krasse Fehler des Gegners, Standardsituationen oder Einzelaktionen. Und der Plan ging auf. Mujdza, der Draxler ansonsten gut im Griff hatte, stand einmal zu weit weg und ließ den Jungstar zum Abschluss kommen. Draxler zeigte einmal mehr seine gute Schusstechnik und versenkte aus halblinker Position am Sechzehner.

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