Freiburg zeigte im 4-4-2 gegen den Ball einmal mehr seine enormen Stärken im Pressing. Sie spiegelten das System der Düsseldorfer, sodass sehr klare Zuteilungen entstanden. Die Freiburger Stürmer liefen Düsseldorfs Innenverteidiger im Spielaufbau stets so an, dass der Weg in die Mitte zugestellt war, Pässe auf die Außenverteidiger waren die logische Folge.
Dieser Pass vom Innen- auf den nebenstehenden Außenverteidiger war dann das Signal für die Freiburger, ihr aggressives Pressing zu starten. Die offensiven Flügelspieler rückten sofort mit Tempo auf den Ballführenden, der zusätzlich noch seitlich vom ballnahen Stürmer angelaufen wurde. Düsseldorfs Außenverteidiger blieben nur lange Bälle aus der Bedrängnis. Alternativ konnten die Fortuna gelegentlich zum Torwart zurück spielen, der aber durch Freiburgs klare Mannorientierung keine Anspielstationen hatte. Der lange Ball wurde in diesen Fällen einfach nur an den Keeper abgegeben. Düsseldorf spielte gerade einmal 189 erfolgreiche Pässe gespielt – ein Nachweis guter Pressingarbeit der Freiburger.
Offensiv zeigte sich die Mannschaft von Trainer Christian Streich sehr flexibel, waren in ihren Aktionen allerdings nicht immer zielgerichtet genug, klare Torchancen blieben Mangelware. Die Flexibilität im Offensivspiel liegt vor allem an den Rollen der nominellen Spitzen: Jan Rosenthal und Johannes Flum sind keine gelernten Stürmer im klassischen Sinne, sondern zentrale Mittelfeldspieler.
Sie neigen dazu, sich weit ins Mittelfeld fallenzulassen. Die Idee hinter dieser Spielweise ist, dass die gegnerischen Innenverteidiger vor die Entscheidung gestellt werden, ob sie den Ausflügen der schwimmenden Neuneinhalber – so bezeichnet man in Freiburg dieser Tage die Stürmer – folgen sollen. Das Risiko in einer Verfolgung dieser Läufe in tiefere Zonen liegt darin, zu große Lücken in der Abwehrkette zu hinterlassen, in die die Freiburger Flügelspieler gerne einlaufen. Viele Innenverteidiger, so auch aktuell die Düsseldorfer, lassen die spielmachenden Stürmer also lieber frei ins Mittelfeld zurückweichen. Dort stellten Flum und Rosenthal dann gemeinsam mit den Sechsern Schuster und Makiadi ständig Überzahlsituationen her – Freiburg hatte somit immer irgendwo eine einfache Anspielstation, was sich in einer Passgenauigkeit von guten 83% und einem Ballbesitzanteil von 60% niederschlug.
124 Kilometer Laufleistung!
Aus dem Spiel heraus konnte der Sportclub allerdings nur selten gefährlich werden. Düsseldorf interpretierte die 4-4-2-Ordnung gegen den Ball sehr eng, zudem ließ sich Ken Ilsö häufig etwas fallen oder half auf dem linken Flügel aus, Lambertz konnte dadurch noch weiter einrücken. Die Fortunen verteidigten recht passiv, das heißt sie leiteten die Freiburger durch geschicktes Verschieben immer wieder auf die Flügel, wohlwissend dass die Gastgeber im klassischen Flügel- und Flankenspiel nicht unbedingt ihre Stärken haben. Außenverteidiger Sorg hatte folgerichtig die meisten Ballkontakte, konnte aber selten für Gefahr sorgen. Grund dafür war, dass Freiburg nicht viele Spieler in den gegnerischen Strafraum brachte, zudem waren viele Flanken einfach schwach. Die besten Chancen ergaben sich, wenn Rosenthal und Flum im Zehnerraum Kombinationen einleiteten, denen scharfe flache Pässe auf die einlaufenden Flügelspieler folgten. Da Düsseldorfs Viererkette samt Sechsern sich allerdings nur extrem selten aus den Positionen locken ließen, kombinierte Freiburg recht gefällig, aber eben auch ungefährlich um den Abwehrblock herum.
Um diese Kombinationen flüssig zu halten, stellten sich Freiburgs Innenverteidiger im Spielaufbau sehr breit auf. Die beiden Sechser Schuster und Makiadi ließen sich dann wechselweise zwischen Diagne und Krmas fallen, was dazu führte, dass Ilsö und Reisinger einfach überspielt werden konnten. Das Bilden einer situativen Dreierkette sah man bei Düsseldorf ebenfalls, allerdings neutralisierte Freiburg diese Maßnahme mit einem einfachen, aber aufwändigen Gegenmittel: Ließ sich Tesche oder auch Bodzek zu den Innenverteidigern fallen, folgte ihnen entweder Schuster oder Makiadi. Da diese beide von der Sechserposition starteten, waren es lange Wege, die sie in der Defensivarbeit gehen mussten - Schuster lief insgesamt mehr als 13 Kilometer. Insgesamt war es ein sehr laufintensives Spiel, in dem beide Teams mehr als 124 Kilometer abspulten.
Der hohe läuferische Aufwand führte auf beiden Seiten zu Konzentrations- und Präzisionsmängeln im letzten Spielfelddrittel, weswegen Chancenqualität und -quantität eher niedrig waren. Dass Freiburg dann letztendlich durch ein Tor nach einer Ecke gewann, passte zum Spiel und ist angesichts der beiden Pfostenschüsse auch verdient. Düsseldorf zeigte sich bis auf eine kurze Phase in der zweiten Halbzeit, in der die Freiburger Fehlerquote sehr hoch war, zu ungefährlich, da ihnen der Weg durch das Spielfeldzentrum immer wieder versperrt wurde und sie keine spielerischen Lösungen gegen Freiburgs Pressing fanden.