12.06.2012

Frankreich und England enttäuschen zum Auftakt

Niveau? No!

Die beiden Favoriten in der Gruppe D starten nur sehr mäßig in die EM. Frankreich und England trennen sich nach einem schwachen und ereignisarmen Spiel mit 1:1.

Text:
Tagesspiegel
Bild:
Imago

Bei englischen Torhütern kann man gar nicht genug auf Nummer sicher gehen. Zu oft haben die Schlussleute bei Turnieren mit ihren Patzern die Rückfahrt auf die Insel eingeleitet. Aber Torwarttrainer Ray Clemence legte sich beim Warmschießen seiner Schützlinge vor dem Spiel derart ins Zeug, dass er sich eine Achillessehnenverletzung im linken Bein zuzog. So böse es klingt: Er hätte es sich auch sparen können. Beim biederen 1:1 gegen Frankreich gab es herzlich wenig zu tun für die Torleute auf beiden Seiten. Frankreichs Hugo Lloris musste sich nur bei Joleon Lescotts Führungstor strecken. Der von Clemence betreute Joe Hart bekam zwar Samir Nasris Ausgleichstreffer in die Torwartecke serviert, aber war dennoch schuldlos.

Der Rest war so ernüchternd, dass weder Frankreich noch England damit Ambitionen auf den EM-Titel erklären könnnten.

Kaum Struktur auf beiden Seiten

Bei den Engländern fehlte mehr Prominenz als auf dem Platz stand: der nicht berücksichtigte Rio Ferdinand, der verletzte Frank Lampard, der gesperrte Wayne Rooney. Auf dem Feld stand aber kein »Müll«, wie die Zeitung »Telegraph« geätzt hatte, es liefen Talente wie der erst 18-jährige Alex Oxlade-Chamberlain auf. Die Jugendwelle führte aber nicht zu mehr Dynamik bei Männern von Trainer Roy Hodgson. Sie kämpften und liefen wie eh und je, waren offensiv aber lange so einfallslos wie die Franzosen. Viel lief bei beiden Teams durch die Mitte, weil die Flugelkämpfe gingen auf beiden Seiten zugunsten der Abwehrreihen ausgingen.

Erst nach einer Viertelstunde gab es in der ausverkaufen Donbass-Arena die erste Chance: Nach einem Steilpass hatte James Milner Frankreichs Torhüter Lloris schon umkurzt, da rutsche ihm im Fallen der Ball vom Fuß. Die Franzosen, die vielen als Geheimfavorit der EM gelten, konnten diese Einschätzung selten bestätigen. Trotz vieler Positionswechsel blieb ihr Angriffsspiel statisch und durchschaubar. Bei den Engländer sah es nicht kaum strukturierter aus.

Es war fast konsequent, das erste Tor nach einer halben Stunde durch eine Standardsituation zu erzielen: Eine Freistoßflanke von Kapitän Steven Gerrard lenkte Verteidiger Lescott von Manchester City mit seiner langen Kopfballstirn ins Tor. Die etwa 8000 Engländer, die den geschätzt 5000 Franzosen unter den 50 000 Zuschauern überlegen waren, jubelten in Kreuzritterkostümen und Queen-Elizabeth-Masken. Auch die Franzosen brauchten einen ruhenden Ball für die erste präsentable Gelegenheit: Mittelfeldabräumer Alou Diarra bekam nach einem Freistoß gleich zweimal nacheinander die Gelegenheit zum wuchtigen Kopfball, jedoch ohne durchschlagenden Erfolg.

Das Schrillste waren die Pfiffe

 
 
 
 
 
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