Frankreich und England enttäuschen zum Auftakt

Niveau? No!

Die beiden Favoriten in der Gruppe D starten nur sehr mäßig in die EM. Frankreich und England trennen sich nach einem schwachen und ereignisarmen Spiel mit 1:1.

Bei englischen Torhütern kann man gar nicht genug auf Nummer sicher gehen. Zu oft haben die Schlussleute bei Turnieren mit ihren Patzern die Rückfahrt auf die Insel eingeleitet. Aber Torwarttrainer Ray Clemence legte sich beim Warmschießen seiner Schützlinge vor dem Spiel derart ins Zeug, dass er sich eine Achillessehnenverletzung im linken Bein zuzog. So böse es klingt: Er hätte es sich auch sparen können. Beim biederen 1:1 gegen Frankreich gab es herzlich wenig zu tun für die Torleute auf beiden Seiten. Frankreichs Hugo Lloris musste sich nur bei Joleon Lescotts Führungstor strecken. Der von Clemence betreute Joe Hart bekam zwar Samir Nasris Ausgleichstreffer in die Torwartecke serviert, aber war dennoch schuldlos.

Der Rest war so ernüchternd, dass weder Frankreich noch England damit Ambitionen auf den EM-Titel erklären könnnten.

Kaum Struktur auf beiden Seiten

Bei den Engländern fehlte mehr Prominenz als auf dem Platz stand: der nicht berücksichtigte Rio Ferdinand, der verletzte Frank Lampard, der gesperrte Wayne Rooney. Auf dem Feld stand aber kein »Müll«, wie die Zeitung »Telegraph« geätzt hatte, es liefen Talente wie der erst 18-jährige Alex Oxlade-Chamberlain auf. Die Jugendwelle führte aber nicht zu mehr Dynamik bei Männern von Trainer Roy Hodgson. Sie kämpften und liefen wie eh und je, waren offensiv aber lange so einfallslos wie die Franzosen. Viel lief bei beiden Teams durch die Mitte, weil die Flugelkämpfe gingen auf beiden Seiten zugunsten der Abwehrreihen ausgingen.

Erst nach einer Viertelstunde gab es in der ausverkaufen Donbass-Arena die erste Chance: Nach einem Steilpass hatte James Milner Frankreichs Torhüter Lloris schon umkurzt, da rutsche ihm im Fallen der Ball vom Fuß. Die Franzosen, die vielen als Geheimfavorit der EM gelten, konnten diese Einschätzung selten bestätigen. Trotz vieler Positionswechsel blieb ihr Angriffsspiel statisch und durchschaubar. Bei den Engländer sah es nicht kaum strukturierter aus.

Es war fast konsequent, das erste Tor nach einer halben Stunde durch eine Standardsituation zu erzielen: Eine Freistoßflanke von Kapitän Steven Gerrard lenkte Verteidiger Lescott von Manchester City mit seiner langen Kopfballstirn ins Tor. Die etwa 8000 Engländer, die den geschätzt 5000 Franzosen unter den 50 000 Zuschauern überlegen waren, jubelten in Kreuzritterkostümen und Queen-Elizabeth-Masken. Auch die Franzosen brauchten einen ruhenden Ball für die erste präsentable Gelegenheit: Mittelfeldabräumer Alou Diarra bekam nach einem Freistoß gleich zweimal nacheinander die Gelegenheit zum wuchtigen Kopfball, jedoch ohne durchschlagenden Erfolg.

Das Schrillste waren die Pfiffe

In der zweiten Halbzeit fanden beide Teams jedoch wieder zum niveauarmen Kick der ersten halben Stunde zurück. Die Franzosen schienen die stürmerlose Taktik Spaniens kopieren zu wollen. Mit dem Resultat, dass Real-Madrid-Stürmer Benzema irgendwo herumirrte, nur nicht dort, wo er Tore hätte erzielen können. Es kamen ohnehin kaum gute Anspiele in die Spitze. Den Engländern fehlte Rooney daher ebenfalls wenig: Bei derart vielen Fehlpässen in die Spitze hätte er ohnehin nichts zeigen können. Waren es die Temperaturen im Donezkbecken? Bis zu 30 Grad warm war es im Osten der Ukraine. Aber obwohl die Franzosen eines von nur drei Teams sind, das ihr Quartier in der Ukraine bezogen hat, fremdelten sie ebenso wie die aus Krakau angereisten Engländer. Das Schrillste waren noch die Pfiffe, die allmählich von den Zuschauern aufkamen. Erst eine Viertelstunde vor Schluss wachten die Franzosen allmählich auf. Aber Franck Ribéry scheiterte aus spitzem Winkel ebenso wie Yohan Cabaye mit einem Distanzschuss.

In der Schlussphase versuchten sich noch einmal beide Teams daran, einen Auftaktsieg zu bewerkstelligen. Aber irgendwie reichte es bei den aufmerksamen Abwehrreihen weiter als bei den fahrig agierenden Stürmern. Die Schlussminuten wurden von enttäuschten Pfiffen begleitet.

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