05.04.2013

Frankfurt-Bayern 1995: Trapattoni und der Wechselfehler

Vier gewinnt nicht

Im April 1995 gewann der FC Bayern in Frankfurt mit 5:2. Dumm nur, dass Trainer Giovanni Trapattoni eine wichtige DFB-Regel nicht kannte. Ein Rückblick auf einen der blödesten Wechselfehler der Bundesligageschichte.

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Und dann, als er merkte, dass ihn niemand hörte, rannte Markus Hörwick los. Die Treppe hinunter, ein paar Stufen auf einmal, durch in die Katakomben und schließlich in den Spielertunnel. Da stand er schließlich und sah, dass er zu spät kam.
 
Geschäftsführer Karl Hopfner und Pressesprecher Markus Hörwick hatten es auf der Tribüne als erste gemerkt, dass Giovanni Trapattoni drauf und dran war, einen vierten Amateur einzusetzen. Hörwick hatte ununterbrochen geschrien. Erst nach Trapattoni, der an der Außenlinie stand, dann nach Uli Hoeneß, der auf der Trainerbank saß. Und immer wieder nach Klaus Augenthaler, dem Co-Trainer, der auf dem kleinen Plastikstuhl zwischen Bank und Feld hockte. »Auge!« Nichts. Aaaaauge!« Doch Aaaaauge hörte nicht.
 
Der höchste Sieg der Saison

Als Hörwick an der Tartanbahn stand, sah er, wie Giovanni Trapattoni Dietmar Hamann aufs Feld schickte, den vierten Amateur. Von Beginn an hatten Sven Scheuer (Ersatz für Oliver Kahn) und Samy Kuffour gespielt, in der 25. Minute war Marco Grimm für den verletzten Thomas Helmer in Spiel gekommen.
 
Nachdem Hamann das Feld betreten hatte, schlich Hörwick zurück, setzte sich wieder, blickte aufs Feld. Hatte jemand was bemerkt? Die Bayern zumindest nicht. Beckenbauer saß weiter mit Beckenbauer-Miene auf seinem Platz, Hoeneß freute sich über die Tore von Dieter Frey und Christian Ziege, die danach zum 4:2 und zum 5:2 trafen. Was für ein Sieg! Seit dem neunten Spieltag hatten die Bayern nie mehr als zwei Tore in einem Spiel erzielt und in den letzten sieben Spielen fünf Mal Unentschieden gespielt.
 
Doch was war mit den Frankfurtern? Direkt nach Abpfiff schien zunächst alles ruhig. In der Kabine der Bayern mahnten allerdings die Verantwortlichen, die inzwischen Wind von dem Wechselfehler bekommen hatten, keine unüberlegten Interviews zu geben.

Ein symphatischer Fehler
 
Auf dem Platz machten da die erste Gerüchte die Runde. Eintracht-Manager Bernd Hölzenbein hatte den Wechsel-Fauxpas schon während des Spiels bemerkt, und eine halbe Stunde nach Abpfiff konnte niemand mehr vertuschen, was offensichtlich war. Um 17:46 Uhr gab Giovanni Trapattoni seinen Fehler zu. »Ich bin allein schuld«, sagte er. »Ich hätte die deutschen Regeln kennen müssen.« Uli Hoeneß stand ihm bei und bemerkte, dass auch Augenthaler und er selbst den Fehler hätten bemerken müssen. Später sagte er in einem Interview mit der »Süddeutschen Zeitung« gar, dass ein solcher Fehler »irgendwie sympathisch sei«. Er mache den FC Bayern menschlich.

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