Frank Rost kritisiert Jungprofis

Der Meckerrentner

In einem Interview mit der »Sport-Bild« zieht HSV-Keeper Frank Rost vom Leder: Play-Station, Rap, Kopfhörer – alles Mist! Warum ist der Mann so wütend? Rost ist einsam, denn er ist der letzte Repräsentant der Generation Karohemd.  Frank Rost kritisiert Jungprofis Die Dinosaurier werden immer trauriger. Frank Rost ist so ein Dinosaurier, und auch um sein Seelenheil steht es derzeit nicht allzu gut. Rost ist einsam, sehr einsam.  

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Der HSV-Methusalem zockt seit 1993 in der Bundesliga, genug Zeit für die im selben Jahr Geborenen, einen Moped-Führerschein zu machen, ihr erstes Geld zu verdienen und mit Mädchen auf dem Rücksitz um die Eisdiele zu kurven. Rost sitzt drin, trinkt seinen Kaffee (schwarz) und betrachtet seine Laune (schwarz). Wo ist seine eigene Jugend geblieben? Und die Welt ohne Internet, Euro, Sky-Konferenz, dafür aber mit Helmut Kohl, wo ist sie hin? Ist sie ihm oder ist er ihr abhanden gekommen?

Verzweiflung macht sich breit im Herzen des Jahrhundertzeugen, und er greint: »Ich kann mit riesigen Kopfhörern, total lauter Rap-Musik und dem ganzen Play-Station-Gezocke ganz wenig anfangen.« Für seine Tirade wählte er nicht von Ungefähr die »Sport-Bild«, das Lieblingsblatt all jener, die ihre Felle davonschwimmen sehen, die »Super-Illu« des Fußballs, mit Verlaub.   

Die Redaktion des Revolverblattes stürzt sich gleichfalls auf ihn, einen der wenigen, die noch Tacheles reden können, denn sonst weiß ja kaum noch einer, was dieses angestaubte Wort überhaupt bedeutet. Männer wie Oliver Kahn, die Rost einst seinen beinharten Berufsethos vorlebten und in eben jener »Sport-Bild« Kriegsmetaphern vom Stapel ließen, sind längst in Rente, und er ist der letzte verbleibende Repräsentant der Generation Karohemd in der Bundesliga – Jens Lehmann, obwohl älter als Rost, holt ja gerade erst seine Pubertät nach.   

Aogo war noch ein Joghurt im Regal

Und so blickt Rost die demographische Kurve hinab auf einen Kindergarten: Seine Kollegen Dennis Aogo (*1987), Jerome Boateng (*1988), Tunay Torun (*1990) waren allesamt noch ein Joghurt im Regal, als er schon den Strafraum beherrschte. Nun wimmeln sie um ihn herum, in ihren Ed-Hardy-Shirts, und modellieren ihre Haarfrisuren, das macht den Mann nervös, der gern Grau in Grau trägt und am Föhn den schnellen Abschluss sucht. »Das ist doch nicht mehr das normale Leben, wenn man sich den ganzen Hype ansieht. Das ist mir alles zu abgehoben«, klagt er. »Das ganz Profi-Geschäft entwickelt sich immer mehr zu einer bunten Scheinwelt.« 

Meckerrentner Rost bedient  in seinem Brandinterview pflichtschuldigst alle Ressentiments zwischen »Früher war alles besser« und »Die Jugend von heute« – nicht ohne diese vor ihrem Untergang zu warnen: »Durch die ganze Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit ist der Druck auf Spieler viel größer geworden. Es ist unheimlich schwer geworden, in dieser Situation den richtigen Weg zu finden. Berater und Vereine wollen mit den Spielern Geld verdienen.« Der News-Wert dieser Ausage hält sich zwar in engen Grenzen, hat man doch den leisen Verdacht, dass es im Fußball schon seit geraumer Zeit um Kohle geht, aber immerhin kann Rost hinterher behaupten: »Ich hab’s euch ja gesagt!«  

Auch das gehört zum Repertoire des Greises, dem alles zu schnell, zu grell, zu laut geworden ist. 2011 soll Schluss sein für Rost beim HSV, das kündigte der ewig junge Coach Bruno Labbadia unlängst an und fügte generös hinzu: »Er kann seine Karriere gern woanders fortsetzen.«

Vielleicht am Fenster, mit einem Kissen unter den aufgestützten Ellbogen. Verbietet Rost den Jugendlichen dann wohl das Fußballspielen während der Mittagsruhe?            

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