15.06.2012

Franck Ribéry ist Frankreichs Hoffnungsträger

Nach dem Revolutiönchen

Seit der blamablen WM 2010 straften die französischen Fans Franck Ribéry mit Liebesentzug. Nun gilt der Linksaußen wieder als ihr Hoffnungsträger.

Text:
Roland Zorn
Bild:
Imago

Es ist gerade einmal drei Monate her, da schien Franck Ribéry gefühlsmäßig so weit von Frankreich entfernt zu sein wie Paris von Donezk. Doch in der ukrainischen Ferne ist einer der weltbesten Linksaußen inzwischen wieder zu dem großen Hoffnungsträger der französischen Nationalmannschaft auf eine erfolgreiche Europameisterschaft in Polen und der Ukraine geworden.

Davon hätte noch vor kurzer Zeit keine Rede sein können. Denn als Ribéry mit seinem Klub Bayern München im Viertelfinale der Champions League in Frankreich bei seinem früheren Verein Olympique Marseille spielen sollte, wurde der stolze Franzose bei jedem seiner Ballkontakte im Stade Vélodrome von denen ausgepfiffen und ausgebuht, die ihn in seinen zwei Jahren in Südfrankreich zwischen 2005 und 2007 in ihr Herz geschlossen hatten.

Im Herzen ein Deutscher?

Die Grande Nation schien sich von dem einst so geliebten Straßenfußballer abgewendet zu haben. Und auch Franck Ribéry schien seiner Heimat den Rücken zuwenden zu wollen, als er daraufhin offenherzig sinnierte: »Ich frage mich oft, ob ich ein Deutscher bin oder ein Franzose. Ich fühle mich in München so, als wäre ich hier geboren. In Frankreich herrschen einfach nicht die Bedingungen für mich und meinen Fußball.«

Seit seinem Auftritt in Marseille haben sich die Bedingungen für Ribéry jedoch stetig verbessert. In seiner Achterbahnkarriere zwischen Herzensbrecher und bösem Buben scheint der vormalige Straßenarbeiter und zum Fußball-Millionär aufgestiegene wieder die Kurve nach oben bekommen zu haben. Vergessen haben die Franzosen jedoch nicht, was der Münchner Volksheld 2010 als einer der Rädelsführer des sogenannten »Fiaskos von Knysna« angezettelt hatte.

Ganz oben auf den Barrikaden

Dort, wo die Nationalmannschaft während der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika ihr Trainingscamp aufgeschlagen hatte, war der 1,70 Meter große Tempodribbler einer der Anführer bei dem peinlichen Spieleraufstand gegen den damaligen Nationaltrainer Raymond Domenech. Das Revolutiönchen forderte seine Opfer: Domenech musste gehen, Nicholas Anelka, der Hauptschuldige unter den kurzfristig durchgeknallten Spielern, wurde für 18 Spiele gesperrt und musste noch während der Weltmeisterschaft das Lager in Knysna verlassen, der Verbandspräsident trat zurück – und Franck Ribéry wurde neben einigen anderen Rebellen für drei Länderspiele gesperrt.

Domenechs Nachfolger Laurent Blanc ließ sich neun Monate Zeit, ehe er den Mann mit der markanten Gesichtsnarbe zurückholte in Frankreichs erstes Fußballaufgebot. Blanc, als Spieler Weltmeister 1998 und Europameister 2000, hatte seit seinem Amtsantritt stets den Kontakt zu dem in Frankreich lange verfemten Münchner gehalten und ihn auch des Öfteren besucht in Deutschland. »Er hat immer an mich geglaubt«, sagt Ribéry heute, »ich werde das nie vergessen und will ihm gerne zurückgeben, was er mir gegeben hat.«

»Ich trage eine große Verantwortung«

 
 
 
 
 
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