17.09.2013

Fragen an den ersten Champions-League-Spieltag

Geschlossene Gesellschaften und Wucherpreise

In Kopenhagen dürfen nur Fans mit dänisch klingenden Namen ins Stadion, in Pilsen kosten Auswärtstickets über 100 Euro und in Bukarest trainiert ein ehemaliger Bundesligaprofi – und Politiker einer nationalistischen Partei. Fragen an den ersten Champions-League-Spieltag.

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Wie bitte?
Der FC Kopenhagen schließt für die Champions-League-Partie gegen Fans mit ausländischen bzw. »nicht dänischen Namen» aus. Warum? Der Verein fürchtet um die Sicherheit der eigenen Fans. »Wir werden alles dafür tun, um sicherzustellen, dass Gäste-Fans nur Zugang zu unserem Auswärtsblock bekommen. Das ist jedoch keine Diskriminierung«, sagte Geschäftsführer Daniel Rommedahl. Leidtragende sind Kopenhagen-Fans wie Musa Kekec, ein türkischstämmiger Lokalpolitiker, der für die Sozialdemokraten in Ballerup sitzt. Er will wegen des Vorgehens eine Unterschriftenaktion organisieren. Dem »Ekstrabladet« sagte er: »Ich wurde wegen meines Namens beim Ticketkauf abgelehnt. Es kann nicht sein, dass eine Gruppe von Menschen allein aufgrund ihrer Namen als Sicherheitsrisiko gilt und ausgeschlossen wird.« Immerhin muss sich Ståle Solbakken, Trainer beim FC Kopenhagen, keine Sorgen machen. Sein »å« verrät nicht, dass er aus Norwegen stammt – es gibt den Buchstaben auch in Dänemark.

Wer bist denn du?
Gestatten, Austria Wien. Österreichischer Meister und das erste Mal seit 1993 wieder in der Champions League vertreten. Damals besiegten die Österreicher Rosenborg Trondheim zwei dramatischen Erstundenspielen (1:3 im Hin- und 4:1 im Rückspiel). In der zweiten Runde war allerdings gegen Barcelona (0:3 und 1:2) Schluss. Die Generalprobe vor dem Comeback am Mittwoch ging voll in die Hose: Austria verlor 2:3 gegen den SV Grödig. Gegner Porto erzielte indes den vierten Sieg im vierten Spiel (2:0 gegen Gil Vicente). Die Zeichen stehen, nun ja, auf »Dabeisein ist alles«.
 
Die schon wieder?
Am ersten Spieltag finden eine ganze Reihe von Partien statt, die es in der Champions-League schon einmal gegeben hat. Interessant ist zum Beispiel die Begegnung zwischen Celtic Glasgow und dem dem AC Mailand. Celtic ist jedenfalls eine Art Angstgegner der Italienier. Legendär ist das Achtelfinale 2007, als Milans Kaka im Rückspiel erst in der Verlängerung des Rückspiels den entscheidenden Treffer zum Weiterkommen schoss. Am Ende gewann Milan die Champions League und revanchierte sich im Finale gegen den FC Liverpool für das verlorene Endspiel von 2005. Ebenfalls alte Bekannte sind der RSC Anderlecht und Benfica Lissabon. Im Landesmeister-Cup bzw. Champions-League trafen die Teams bereits sechsmal auf einander (drei Benfica-Siege, zwei Anderlecht-Siege, ein Unentschieden). Das wichtigste Spiel gewannen allerdings die Belgier: 1983 im Uefa-Cup-Finale. Benfica-Trainer damals: Sven-Göran Eriksson.

Ach, du hier?
Javier Saviola galt mal als einer der besten Stürmer der Welt. Er brillierte bei River Plate und beim FC Barcelona – und begann danach eine Odyssee durch Europa. Über Monaco, Sevilla, Madrid, Lissabon und Malaga landete er zu Beginn dieser Saison in Piräus. Hier hat er immerhin zu alter Torgefahr wiedergefunden (drei Tore in vier Spielen). Gegen Paris St. Germain stürmt er vermutlich an der Seite von Konstantinos Mitroglou, der fußballerisch in Deutschland ausgebildet wurde. Mitroglou spielte für den MSV Duisburg, TuS Preussen Vluyn und den SV Neukirchen. Und wo wir schon bei Verbindungen nach Deutschland sind: In Olympiakos’ Abwehr steht der in Aschaffenburg geborene José Holebas, der eine recht interessante Vita hat: Das Fußballspielen lernte er beim FC Kleinwallstadt und dem FSV Teutonia Obernau lernte. Weil er als 17-Jähriger 2001 Vater wurde, beendete er allerdings seine Laufbahn wieder. Erst zwölf Monate später kehrte er in den aktiven Fußball zurück. Über Kreis- und Landesligisten kam er als 22-Jähriger in die Nachwuchsakademie von 1860 München, obwohl er eigentlich zu alt war. Seit 2010 steht er bei Olympiakos unter Vertrag und hat bislang 15 Länderspiele für Griechenland bestritten (er ist Sohn eines Griechen und einer Deutsch-Uruguayerin).

 
 
 
 
 
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