Fieldreporter: Die härtesten Jungs des Fußballgeschäfts

Being Rollo Fuhrmann

Woran hat‘s gelegen? Und wie fühlen Sie sich? Feldreporter sind die  härtesten Jungs des Fußballgeschäfts. Wer auch so tough werden möchte wie Rollo Fuhrmann und Ecki Heuser, folgt einfach unserem Leitfaden.

1. Die Zuführung
Der natürliche Feind des Feldreporters sind nicht die Kollegen, sondern die Dusche. Denn bis auf ein paar notorische Quasselstrippen wollen die Spieler nach neunzig Minuten Gerenne und Gegrätsche einfach nur in die Kabine. Also versuchen sie sich nach dem Schlusspfiff im Getümmel in Richtung Katakomben feige davon zu stehlen. Um so entschiedener müssen die gewünschten Gesprächspartner auf dem Platz abgegriffen und mit sanfter Gewalt dem Interviewtisch zugeführt werden. Zeigen sich die ausgewählten Spieler notorisch unwillig, hilft notfalls auch der dezent ins Ohr gezischte Hinweis, andernfalls noch einmal in Superzeitlupe den kapitalen Bock einzuspielen, der in der ersten Halbzeit zum Führungstreffer des Gegners geführt hat und die Szene bei »Sky90« oder im »Doppelpass« zum Schwerpunktthema zu machen. Anschließend sind die Spieler erfahrungsgemäß auch zu mehrstündigen Dreharbeiten im Außenbereich bereit. Aber man kann natürlich auch mal Pech haben. Nicht auszuschließend, dass das 18-jährige Talent Mitarbeiter und Publikum des Senders in den Sekundenschlaf nuschelt, anstatt wie vorgesehen sein Tor in der letzten Minute noch einmal lebendig nachzuerzählen.

2. Die Pferdedecke
Der Spieler, der schnaufend und dampfend vom Spielfeld zum Interview kommt, ist nur auf den ersten Blick schon bereit für ein Gespräch. Nein, er muss erst Demut lernen, muss domestiziert, gebeugt und gebrochen werden. Deshalb wird er zunächst verschwitzt im nassen Trikot in der Kälte stehen gelassen. Gerne darf ihn dabei auch ein Kabelträger aus Versehen anrempeln oder ein Regieassistent despektierliche Kommentare abgeben (»Muss man den kennen?«). Zittert der Spieler schließlich schon vor Kälte, wird ihm gnädig von einer Assistentin eine ranzige Pferdedecke mit dem Logo des Senders über die Schultern geworfen. Das nachvollziehbare Kalkül: Wer aussieht wie eine Oma, die sich gerade noch vor der russischen Infanterie übers Kurische Haff gerettet hat, wird dem Reporter im Gespräch keinerlei Schwierigkeiten machen.

3. Das Mikrofon
Mikrofone, die am Spielfeldrand eingesetzt werden, sind technische Meisterwerke, vollgepackt mit Weltraumtechnologie. Sie wiegen um die 100 Kilo, viele Feldreporter trainieren deshalb gezielt Muskeln von Oberarm und Ellenbogen, um das Mikrofon während der 90 Sekunden Liveschalte überhaupt in die Höhe wuchten zu können.  Die Mikrofone werden alle zehn Jahre   gegen neue Modelle ausgetauscht. Das ist auch dringend nötig, angesichts des Dauereinsatzes im Nahkampf. Das Mikrofon von Sky-Mann Ecki Heuser etwa besteht inzwischen nur noch zu fünf Prozent aus Schaumstoff und Funktechnik, der Rest ist Speichel und Spielerschweiß. Was daher kommt, dass das Mikrofon im Gespräch viel zu nah an den Mund des Spielers gehalten wird, weil das Senderlogo sonst nicht im Bild ist. Auf den Kicker hat das Mikrofon den gleichen Effekt wie eine entsicherte Faustfeuerwaffe auf einen Schalterbeamten in der Volksbank. Tu mir nichts, sagt der flehende Blick des Spielers, ich mach alles mit. Und so redet sich der Spieler um Kopf und Kragen, macht Mitspieler für die Niederlage verantwortlich, bemüht schiefe Metaphern und darf schließlich angstschweissnass in Richtung Kabine davonstolpern.
 
4. Der Einstieg
Wie das Gespräch mit dem Spieler beginnen? So wie professionelle Schachspieler mit der Sizilianischen Eröffnung problemlos durch die Karriere kommen, braucht ein guter Feldreporter streng genommen auch nur zwei Eröffnungsvarianten. Werden Spieler des Siegers zum Gespräch zugeführt, lautet die in unzähligen Talks erprobte Begrüßungsformel: »Erstmal herzlichen Glückwunsch ...«, wahlweise zum Dreier, zum Tor oder zur Tatsache, dass der betreffende Spieler zum ersten Mal in dieser Saison nicht schon zur Halbzeit raus musste. Ein kumpelhafter Einstieg, einst von ARD-Reporter Jürgen Bergener erfunden, der alle Sorgen des Spielers zerstreut, es könnten möglicherweise die Abspielfehler in der letzten halben Stunde zum Thema werden. Der Glückwunsch signalisiert ihm, dass er mit zwei, drei gut abgehangenen Floskeln (»Kompliment an die Mannschaft«, aber immer auch gerne »Der Sieg war immens wichtig für die Moral«) locker über die Runden kommen wird. Wenn anschließend jedoch ein Spieler des Verliererteams vors Mikrofon gezerrt wird, muss der Feldreporter blitzschnell und skrupellos umschalten. Eben noch wurde hemmungslos mit den Siegern herumgekumpelt und abgeklatscht, jetzt wird ein veritables Staatsbegräbnis inszeniert.

Der Euro wackelt, Loriot ist tot und nun auch noch diese 0:2-Niederlage beim Tabellenführer. Das alles lässt sich perfekt in einem perfiden Satz bündeln, der den Spieler zunächst zum Hauptschuldigen macht und ihm trotzdem die Möglichkeit gibt, alles auf die Mannschaftskollegen zu schieben. Der Satz lautet: »Woran hat‘s gelegen?«, und führt verlässlich dazu, dass der Spieler sich zunächst in wolkige Blaupausen flüchtet (»Wir haben nicht das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben«), um dann aber mitleidslos einzelne Mannschaftsteile hinzurichten. Faustregel: Stürmer beschuldigen immer die Abwehr (»Nicht konsequent genug gestört«) und die Verteidiger den Angriff (»Wir machen die Dinger einfach nicht rein«). Der Reporter  muss nur das Mikrofon hinhalten, fleißig nicken und abschöpfen.         

5. Das Kopfnicken
Rookies im Gewerbe halten die Fähigkeit, knallharte Fragen zu stellen, für das wichtigste Rüstzeug des Feldreporters. Kapitaler Irrtum: Denn nur der schafft es nach ganz oben, der etwas anderes im Laufe der Jahre perfektioniert: sein Kopfnicken. Was banal klingt, ist bei den Meistern des Fachs Präzisionsarbeit. Der Feldreporter begibt sich dazu in eine leicht vorgebeugte Haltung, die Interesse und Aufmerksamkeit signalisieren soll und die er das ganze Gespräch über beibehält. Er wartet den ersten Halbsatz des Spielers ab und beginnt dann, sich routiniert einzunicken, völlig unabhängig vom Inhalt. Wichtig ist dabei ein gleichmäßiger Rhythmus, der dem Spieler, der bereits verzweifelt um die richtigen Worte ringt, bedeutet: Alles läuft opti. Das Nicken kann natürlich im Tempo variiert werden. Hat sich der Spieler schon nach zehn Sekunden unrettbar in einem schiefen Aphorismus verheddert, bringt ihn beschleunigtes Nicken zwar nicht wieder zurück in den Hauptsatz, hindert den Kicker aber womöglich daran, mitten im Vortrag hilflos abzubrechen und panisch zum Beleuchter zu starren.   

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