Fernando Santos im Portrait

Der portugiesische Grieche

Fernando Santos ist als griechischer Nationaltrainer beliebt. Sein Stil ist geprägt von Taktik und Disziplin. Mit Otto Rehhagel will der Portugiese indes nicht verglichen werden. 

Fernando Santos ist Portugiese und immer vorsichtig. Er habe Angst davor, Fehler zu machen, wenn er Griechisch spricht, erzählen die Griechen und wundern sich. Santos spricht gutes Griechisch, erzählen seine Spieler und die griechischen Journalisten. Besseres als sein Vorgänger Otto Rehhagel. Und er spricht überhaupt mit ihnen. Rehhagel ließ seine Worte übersetzen.

Mit seinem Vorgänger, der neun Jahre lang Griechenland betreute und 2004 Europameister wurde, möchte Santos nicht verglichen werden. Vor der EM sagte er diplomatisch: »Es ist eine große Ehre für mich, Nachfolger von Rehhagel zu sein. Ich habe aber meine eigenen Ideen. Ich habe meine eigene Philosophie.«

Der ehemalige Trainer von Benfica Lissabon und dem FC Porto lebt in Griechenland, viele sehen in ihm mittlerweile sogar einen Griechen. Er trainierte die griechischen Klubs Panathinaikos Athen, Paok Thessaloniki und zweimal AEK Athen und weiß um die besonderen Punkte der griechischen Fußballseele. Viermal war der 57 Jahre alte Santos »Trainer des Jahres« in Griechenland. Santos kennt das Land gut, was zu einer engen Bindung führt. Keiner käme auf die Idee zu kritisieren, dass da kein Grieche auf der Trainerbank sitzt. Und das wird sich auch nicht ändern, sollte er mit dem Team am Freitag im Viertelfinale gegen Deutschland scheitern. Sein Vertrag wurde schon vorzeitig bis zur Weltmeisterschaft 2014 verlängert, als er mit Griechenland ungeschlagen durch die EM-Qualifikation marschiert war.

Zu den Pressekonferenzen kommt Santos meist in der Trainingsjacke der griechischen Mannschaft, er kennt die Augenblicke, in denen man in Griechenland ein kämpferisches Wort erwartet. Wie jetzt vor dem Viertelfinale, als er recht martialisch ankündigte: »Wir sind nicht die Besten der Welt, aber um uns zu bezwingen, muss man Blut spucken.« Normalerweise ist Santos aber keineswegs ein Mann der kernigen Worte und er ist auch keiner für skandalöse Affären.

Ein wirkliches Laster bei Santos ist nur der Nikotinkonsum. Santos eilt immer als Erster zur Halbzeit in die Kabine, um schnell eine Zigarette zu rauchen, ein Vorgang, der sich nach dem Schlusspfiff regelmäßig wiederholt. Länger als eine Dreiviertelstunde scheint es der griechische Coach nicht ohne Zigarette auszuhalten.

Taktisch hat Santos bei seinem Amtsantritt 2009 ein bisschen experimentiert und in einem klassischen 4–4–2 spielen lassen, was in Griechenland nach Jahren der »Ein-Stürmer-Taktik« ziemlich außergewöhnlich war. Nach drei Versuchen brach er das Experiment ab und kehrte zum »griechischen« System zurück. »Die Taktik kommt immer zuerst«, sagt Santos. »Die Fähigkeiten der Spieler als Zweites.« Das ist sein Credo, und er hat es einmal anhand eines Beispiels verdeutlicht: Lionel Messi würde er natürlich sofort in seinen Kader aufnehmen, das System aber niemals nach einem solchen Spieler ausrichten. Nicht einmal, wenn er Messi hieße. So wird er auch vor dem Deutschlandspiel seine Dossiers über Schweinsteiger, Gomez und Co. verteilen. »Jeder Spieler ist immer über alles informiert, was den Gegner betrifft. Das wird immer so sein bei mir.« Das unterscheidet ihn noch nicht einmal von Joachim Löw.

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