Fehlt dem deutschen Nachwuchs das Wuttke-Gen?

Nett ist die kleine Schwester von...

Fehlt dem deutschen Nachwuchs das Wuttke-Gen?

Was sind das für großartige Fußballer: Mario Götze, André Schürrle, Toni Kroos und wie sie alle heißen. Spielen den fünffachen Weltmeister Brasilien an die Wand, als sei es ein Promotion-Kick gegen die Thekentruppe der Trinkhalle Marianne Blech. Lassen das Bällchen laufen, dass unsereins vor lauter Augenreiben vom Sofa fällt. Keine Frage: Über die fußballerischen Qualitäten der jungen deutschen Nationalspieler brauchen wir uns nicht zu beschweren.

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Problematisch wird es da schon eher, wenn nach dem Spiel die Kameras und Aufnahmegeräte eingeschaltet werden – dann verfallen die deutschen Vorzeige-Fußballer in deutsche Vorzeige-Streber. Mario Götze lobt artig die Mannschaft und bedankt sich bei der »tollen Kulisse«, statt mit fiebrigen Augen davon zu schwärmen »wie geil das eigentlich ist, Brasilien an die Wand zu klatschen«. André Schürrle, der einen irgendwie immer an Beavis von Beavis and Butt-Head erinnert, lacht nicht hässlich auf und reißt schmutzige Witze über fußlahme Brasilianer (»Der Alves ist ne faule Bratwurst!«), sondern riskiert höchstens eine dicke Lippe, wenn er sich »auch für die nächsten Einsätze immer anbieten« möchte.

Das, die leise geflüsterte Forderung nach mehr Spielminuten, ist schon das höchste der Gefühle für die deutschen Fußball-Talente. Das ist alles sehr professionell. Extrem höflich. Zurückhaltend. Überhaupt nicht egoistisch. Mannschaftsdienlich. Nett. Aber wie heißt noch einmal die kleine Schwester von nett? Genau.

Ärsche, Sturm- und Dranggedanken, Alkohol

Und so wünscht man sich doch ab und an ein wenig mehr Wolfram Wuttke unter all den überbordend talentierten Vorzeige-Schwiegersöhnen. Auch Wuttke wurde einst von höchster Stelle (hier stellvertretend: Günter Netzer) als »eines der größten deutschen Fußballtalente aller Zeiten« bezeichnet, machte dann aber vor allem von sich reden, weil er mit Journalisten sprach, wie ihm der Mund gewachsen war. Nachdem er beim Hamburger SV dazu gedrängt worden war, doch bitte endlich den Verein zu verlassen, maulte Wuttke: »Für den Alten (Trainer Ernst Happel) war ich entweder Zauberer, Wurschtl oder Arsch. Am Ende war ich fast nur noch Arsch.« Trockener Kommentar vom »Alten«: »Dem Wuttke habens ins Gehirn g´schissn.« Schön auch Wuttkes fachliche Einschätzung zu den Spätfolgen persönlichen Alkoholgenusses: »Immer wenn ich breit bin, werde ich spitz.« Allein die Vorstellung, Götze oder Schürrle oder Kroos könnten vor der breiten Öffentlichkeit von Ärschen, sexuellen Sturm- und Dranggedanken oder Alkoholkonsum plaudern, ist so unvorstellbar wie ein Fleck auf dem Hemd von Joachim Löw.

Schade eigentlich. Es würde die jungen Fußballer ein Stück weit menschlicher und auch sympathischer machen, wenn sie oder ihre Berater/Trainer/Vereine/Sponsoren die Zügel im medialen Umgang ein wenig schleifen lassen könnten. Unter-20-Jährige, die eben mal die Fußball-Großmacht Brasilien lang machen, hätten es durchaus verdient, wenigstens für ein paar Minuten die große Klappe zu riskieren oder den Sieg in der nahen Trinkhalle zu begießen. So wirken unsere Talente wie perfekt justierte Fußball-Roboter, programmiert auf schnelles Spiel und Sieg, Sieg, Sieg, nach dem Spiel dann Schalter Fußball aus, Schalter Interview an und die vorgefertigten Daten von der Festplatte herunter gesprochen.

Schade eigentlich Teil 2: Wenn Fußballer wirklich Roboter wären, könnte man sich wenigstens bei ihnen einhacken. So ein Wuttke-Wurm ist sicherlich schnell programmiert.

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