FC Schalke 04 - FC Bayern: Die Analyse

Das asymmetrische Angriffssystem

Nach dem 0:1 durch Bayerns Nils Petersen lief Schalke dem Rückstand fast 70 Minuten hinterher. Rangnick stellte auf ein offensiveres System und bot so den Bayern Räume – am Ende fiel das Spiel mit 2:0 fast noch zu niedrig aus. FC Schalke 04 - FC Bayern: Die Analyse

Jupp Heynckes größte Errungenschaft in seiner kurzen Trainerzeit bei den Bayern ist das asymmetrische Angriffssystem. Unter seiner taktischen Führung versuchen die Münchner jederzeit eine Überzahlsituation zu kreieren. Anders als unter van Gaal interpretieren die Außenspieler ihre Positionen nicht starr, sondern driften oft ins Zentrum ab, um dort auszuhelfen. Auf den Flanken werden Ribery und Müller oft von Schweinsteiger unterstützt. So haben die Bayern in Ballnähe immer mindestens eine, meistens aber zwei Anspielstationen.

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Schalke in der Theorie gut…

Der Vorteil dieser Taktik liegt auf der Hand: Durch den Versuch, Überzahlsituationen in Ballnähe zu schaffen, kann man den Ball und den Gegner laufen lassen. Der Nachteil dieser Strategie: In ballfernen Positionen hat man selten Spieler, die angespielt werden können. Schalke versuchte diese Eigenheit durch eine sehr konsequente Abwehrtaktik auszunutzen: Hinter dem Ball blieben nur sieben Spieler, die aber in einer 4-3-3-Aufstellung konsequent zum Ball hin verschoben.

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Die Mittelfeldspieler Holtby, Papadopoulos und Kluge waren nicht umsonst die drei Schalker Spieler mit der höchsten Laufdistanz. In der Verteidigung ließen die Schalker so die jeweils nicht bespielte Flanke verwaisen, genau wie die Angreifer es taten.

… In der Praxis mit Problemen

Die Königsblauen hatten so stets drei Akteure in Lauerstellung. Raul, Farfan und Huntelaar sollten die Passwege zurück zu den Abwehrspielern schließen und gleichzeitig allzeit bereit für den schnellen Konter sein. Von der Grundidee reichten sieben Verteidiger gegen die asymmetrische Bayern-Offensive. Im Spielverlauf zeigte sich jedoch, dass Schalkes Offensive gar nicht in das Geschehen eingebunden war. Den ersten Torschuss konnten sie erst in Minute 27 verbuchen. Phillip Lahm (94 Ballkontakte) alleine war fast so oft am Ball wie die gesamte Schalker Offensive zusammen (108). So hatten die Schalker damit zu kämpfen, dass die Bayern in den ersten dreißig Minuten über 60 Prozent Ballbesitz hatten. Sie selber konnten kaum für Entlastung sorgen, da sie zwar immer die Überzahlsituationen der Bayern neutralisierten, aber zu selten selber den Ballführenden mit mehreren Spielern unter Druck setzen konnten.

Defensiv standen die Hausherren dennoch recht gut. Allerdings rückten sie in einigen Situationen zu aggressiv auf. Dies war ein Fehler, den man gegen einen Ribery in Topform nicht machen darf: Nachdem er sich mit nur einer Finte 50 Meter Raum schaffen konnte, legte er den Ball zu Petersen weiter. Dieser erzielte mit etwas Glück den Führungstreffer (21.). Im eigenen Stadion ausgekontert – das darf nicht passieren. Die zweite Hälfte folgte dem altbekannten Muster: Schalke lief dem Rückstand hinterher und Rangnick musste in der Folge auf ein offensiveres System umstellen. Hierdurch entstanden Räume, die die Bayern dankbar annahmen. Am Ende fiel das Spiel mit 2:0 fast noch zu niedrig aus.

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Ballbesitzstatistiken, Spielfeldmatrixen und taktische Formationswechsel – für manche Fans ein rotes Tuch, für Tobias Escher eine Leidenschaft. Zusammen mit seinen Kollegen analysiert er die Taktik der Bundesligisten auf dem Blog Spielverlagerung.de.

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