»Faule Araber« und Zehn-Meter-Grätschen

12 Dinge über Katar – reloaded!

»Faule Araber« und Zehn-Meter-Grätschen
Heft#111 02/2011
Heft: #
111
1.
Bundesliga-Haudegen Uli Maslo ist ein richtiger Katar-Experte. Von 1988 bis 1992 trainierte er den Quatar Sports Club, viele Jahre später versuchte er den kugeligen Ex-Blitz Ailton als Nationalspieler für den Wüstenstaat zu gewinnen. Ein Diplomat vor dem Herrn wird der gute Mann aber wohl nicht mehr. Gefragt, wie er die deutschen Tugenden im fernen Katar unterzubringen gedenke, antwortete Maslo einst beflissen: »Gerade Disziplin und profihafte Menschenführung sind bei den faulen Arabern unumgänglich!«

2.
Die Weltspitze im Fußball ist den Kataris nicht so fremd, wie man meinen möchte: Bei der WM der U-19-Junioren 1981 in Australien schaltete der Vertreter aus Katar nacheinander Polen, Brasilien und England aus, überstand anschließend sogar unbeschadet Prügelattacken britischer Hooligans und zog ins Finale ein. Erst gegen Deutschland war das Märchen aus 1001 Nacht vorbei, auf überflutetem Geläuf grätschte sich die deutsche Auswahl um Ralf Sievers zum 4:1-Sieg.  Der erinnerte sich später an »Fritz-Walter-Wetter, wunderbare Zehn-Meter-Grätschen und Gegenspieler mit einem Durchschnittsalter von 25 Jahren.«

3.
Bitterer Nachgeschmack für den deutschen Nachwuchs: Weil Sievers, Michael Zorc, Roland Wohlfahrth und Co. vor dem Endspiel Trikots mit den katarischen Gegnern tauschten, verpasste die FIFA der DFB-Delegation fünf Minuspunkte in der Fairness-Tabelle. Den schon sicher geglaubten Fair-Play-Preis gewann Gastgeber Australien.

4.
1986 war Berti Vogts noch weit davon entfernt, ein Weltenbummler der Trainerszene zu sein. Der bodenständige Defensivexperte trainierte die deutsche U-18-Auswahl bei einem internationalen Turnier in Katar. Die Chance für Sultan Khalid Al-Suwaidi, den »Terrier« mit einem Millionenangebot im Land zu behalten. Doch Vogts sagte dem Präsidenten des katarischen Fußball-Verbandes (»Bei dieser Summe dürfte er eigentlich lange überlegen.«) höflich ab: »Ich kann meine Jungs doch nicht im Stich lassen.«

5.
In schöner Regelmäßigkeit schlagen auch deutsche Bundesliga-Klubs ihr Winterquartier in Katar auf, um fernab der heimischen Kälte in Ruhe trainieren zu dürfen. Im Januar 1997 zur Besuch: Der FC St. Pauli. Während die Fußballer am Persischen Golf winterlichen Speck runterschwitzen, musste ein Mann Höllenqualen erleiden. Zeugwart Claus »Bubu« Bubke beschwerte sich bei der »Mopo« über das strikte Alkoholverbot: »Immer nur dieses Schlabberwasser – nächstes Mal werde ich eine Alu-Kiste mitnehmen, die wird randvoll mit Bier sein!«

6.
Ebenfalls für den Kiezklub in Katar am Start: Holger Stanislawski und Zimmernachbar Torsten Fröhling. Als eine riesige Kakerlake in Raum 145 selbst den zu Hilfe gerufenen Boy in die Flucht schlug, regelte Fröhling die Angelegenheit selbst – und erschlug das taschenbuchgroße Tier mit einem Turnschuh. Lässiger Kommentar von Mitspieler Christian Springer: Die Dinger suchen sich halt die Bude aus, die am meisten stinkt.«



7.
Wüstenfuchs Wolfgang Sidka griff bei seinem Engagement für den Hauptstadt-Verein Al Gharafa gleich mal energisch durch und beförderte den für viel Geld eingekauften Altmeister Gabriel Batistuta zu seinem neuen Kapitän. Sidka aufgelöst: »So einen effizienten Stürmer habe ich noch nie gesehen!« Batistuta dankte artig, schoss 26 Tore und bekam von den Klubbossen einen BMW geschenkt.

8.
Dass ausgerechnet Mario Basler, Liebhaber alkoholhaltiger Kaltgetränke, 2003 nach Katar wechselte, empfanden viele Beobachter als Treppenwitz der Fußball-Geschichte. Gilt doch im ganzen Land striktes Alkoholverbot. Basler gab sich dennoch selbstbewusst: »Ich werde auch in Katar weiter mein Weizen trinken.« Kurz vor seiner Abreise verabschiedete ihn der damalige Bundestrainer Rudi Völler auf einer legendären DFB-Pressekonferenz mit den warmen Worten: »Anstatt in zehn Minuten fünf Weizenbier auf ex zu trinken und eine Schachtel Marlboro zu rauchen, hätte Mario ab und zu mal lieber auf seine Trainer hören sollen. Brehme, Matthäus und ich haben auch schon mal einen Kasten leer gemacht, aber zum richtigen Zeitpunkt.« Trockener Kommentar von Super-Mario: »Rudi trinkt keinen Alkohol, der weiß gar nicht, wie gut Weizenbier schmeckt.«

9.

Neben Basler machten auch andere Ex-Bundesligastars ein paar Öl-Millionen auf ihre alten Tage. So auch Stefan Effenberg, der sich seinen Aufenthalt in Katar fürstlich ausstatten ließ. Genüsslich listete die »Bild«-Zeitung auf: »Kuschelsofas mit Versink-Garantie, Basketball-Court, Tennisplätze, ein prachtvoller Araber – ein sogenanntes Marathon-Pferd – , Wohnzimmer mit vier Säulen, Marmor-Badezimmer, vier Restaurants im Hotel.« Feinschmecker Effenberg: »Das Thunfisch-Tartare ist unschlagbar.«

10.
Von politisch höchster Brisanz war das WM-Qualifikationsspiel im Oktober 1993 zwischen Irak und Iran, das vorsichtshalber auf einem neutralen Platz in Katar ausgetragen wurde. Statt der erwarteten Massenkeilerei, kam es am Ende zu einem friedlichen Bild. Irakische Fans ließe nach dem Spiel ein halbes Dutzend weißer Tauben in den Himmel aufsteigen. Vor Spielbeginn reichten sich irakische Spieler das Bild von Saddam Hussein durch die Reihen, die Iraner lasen derweil gemeinsam im Koran. Das Spiel gewann der Irak mit 2:1.

11.
Dreiste Buchmacher aus Malaysia versuchten, während der U-20-Weltmeisterschaft 1995 in Katar Spiele zu manipulieren. Auf die Schliche der Zocker kamen die Veranstalter, als die Mannschaft von Honduras bei der 1:7-Niederlage gegen Holland zwölf Minuten vor dem Abpfiff einen Spielabbruch provozierte. Weil kurz vor Schluss nur noch sechs Nachwuchsspieler von Honduras auf dem Platz standen, musste der Schiedsrichter die Partie abbrechen. Zwar konnte Honduras keine bewusste Manipulation vorgeworfen werden, dafür aber der Mannschaft aus Kamerun, deren Spieler von Prostituierten aufs Zimmer gelockt und anschließend mit den Bildern der leicht bekleideten Damen im Arm erpresst wurden. Zwei Frauen aus Malaysia und zwei Männer aus Indonesien wurden schließlich des Landes verwiesen.

12.
Schon 1977 boomte deutscher Fußball in Katar. Über eine Tochterfirma von ARD, ZDF und Bund bezogen die fußballverrückten Kataris wöchentlich ein Bundesliga-Spiel als TV-Film. Sendezeit: Immer am Montag. Tell me why i like mondays.


Weil es so schön war: 10 (weitere) Dinge über Katar!>>

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