Fatty Foulke, der größte Torwart aller Zeiten

»Who ate all the pies?«

Englische Woche? Zeit, euch noch einmal an unser 11FREUNDE-Spezial: »Die Geschichte des britischen Fußballs« zu erinnern. Darin u.a.: Kurz-Portraits über legendäre Spieler von der Insel. Zum Beispiel William »Fatty« Foulke, der vielleicht größte, weil schwerste Torwart in der Geschichte des Sports.

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Spezial-Nr. 2

Es war eine andere Zeit, damals, im ausgehenden 19. Jahrhundert. Der Besuch von Fußballspielen hatte noch viele Gemeinsamkeiten mit dem von Freakshows, die über die Jahrmärkte tingelten. Sogenannte Zwerge wurden dort zur Schau gestellt, Zyklopen, Frauen mit Bart, ohne Unterleib, Elefantenmenschen, Riesen. Ganz sicher: William Henry Foulke, der Junge aus Sheffield, wäre auch dort eine der Hauptattraktionen gewesen.

Er entschied sich lieber für den Fußball und heuerte mit 19 Jahren bei Sheffield United an. Und so kamen die Leute ab 1894 ins Stadion an der Bramall Lane, um ihn zu bestaunen, den »Man Mountain«, den menschlichen Berg: 1,95 Meter groß, 140 Kilogramm schwer, Kampfname »Fatty«. Der gewaltigste Torwart in der Geschichte dieses Sports.

Wer hat all die Küchlein gegessen?

Sie lachten ihn aus, sie schmähten ihn, sie riefen: »Who ate all the pies?« Wer hat all die Küchlein gegessen? Immer wieder, Jahr für Jahr. Doch an Foulke, was noch viel erstaunlicher ist als seine schieren Körpermaße, perlte all das ab. Er sagte nur: »Mir egal, was die rufen. Hauptsache, sie rufen mich rechtzeitig zum Essen.«
Auch auf dem Platz ließ Foulke sich nicht fertigmachen. Wer versuchte, diesen Koloss samt Ball, wie damals noch üblich und erlaubt, über die Linie zu bugsieren, hob sich einen Bruch. Stattdessen trug er die Stürmer, wenn sie ihn nervten, einfach aus dem Strafraum, er setzte sich auf sie, bis sie keine Widerworte mehr gaben (was nicht lang dauerte), tunkte sie in Pfützen, hob sie auf die Latte, ein Bud Spencer des Fußballs. Im Zorn zertrümmerte er einmal einen Torpfosten, ein Schlag mit seiner enormen Faust genügte.

Hinter den Berichten von jenen Momenten, in denen Foulkes urwüchsige Kraft sichtbar wurde, verschwindet sein Können als Torwart nur allzu leicht. Tatsächlich war er der wohl beste seiner Zeit. Zum einen war es schlichtweg schwieriger, ihn zu überwinden als einen schlankeren Kollegen. So greinte einmal ein Stürmer des FC Burton Albion, der gerade einen Elfmeter verschossen hatte: »Ich habe einfach das Tor nicht mehr gesehen. Überall war Fatty!« Zum anderen – was es umso bedauerlicher macht, dass es von ihm nur noch einen 16-sekündigen Schwarzweißfilm gibt, der ihn bei einem Abschlag und anschließendem Buchsehochziehen zeigt – war er erstaunlich gelenkig und sprungstark. »Wie eine Katze«, schwärmten die Zeitungen seinerzeit.

Fatty folgte dem Ruf des Geldes – und wechselte für 50 Pfund zum FC Chelsea

299 Spiele bestritt Foulke für Sheffield United, wurde mit dem Klub 1898 Meister, 1899 und 1902 zudem noch Pokalsieger. Dann folgte er dem Ruf des Geldes: Für die astronomische Ablösesumme von 50 Pfund wechselte er zum gerade gegründeten FC Chelsea, wurde sofort zum Kapitän ernannt und auch an der Stamford Bridge ein Publikumsmagnet. Alle wollten den menschlichen Berg sehen, der sich den Gegnern in den Weg stellte wie der Mount Everest der britischen Armee-Expedition von Francis Younghusband.

Um Foulke noch imposanter wirken zu lassen, hatten sich die Vereinsbosse einen optischen Trick ausgedacht: Auf beiden Seiten seines Tores postierten sie je einen kleinen Jungen. Aus purer Langeweile fingen die beiden an, ihrem Torwart das Leder zum Abstoß hinzulegen – und wurden so, rein zufällig, zu den ersten Balljungen überhaupt.

Doch das Spiel veränderte sich, Foulkes Selbstjustiz, die eine seiner Stärken gewesen war, wurde allmählich durch handfeste Regeln ersetzt. Sein Stern begann zu sinken, in der Saison 1906/07 bestritt er noch 22 Spiele für Bradford City, dann wollte ihn, der inzwischen 160 Kilogramm wog und sich längst nicht mehr »wie eine Katze« bewegte, kein professioneller Klub mehr verpflichten.

Er endete als trauriger Star im Kuriositätenkabinett

Schließlich landete er doch noch im Kuriositätenkabinett: Als trauriger Star des Spiels »Beat the Goalie« (»Schlag den Torwart«) verdiente er sich in einem Blackpooler Vergnügungspark ein paar läppische Pennies.
Mit nur 42 Jahren starb William Henry Foulke, genannt »Fatty«, der in jeder Hinsicht größte Torwart seiner Zeit, im Mai 1916 in einem Sheffielder Pflegeheim an den Folgen einer Lungenentzündung.

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