Ex-Stars verabschieden Alex Alves

Nur zu Alex geh'n wir nicht

Am Samstag veranstalteten Freunde und Wegbegleiter des verstorbenen Alex Alves ein Abschiedsspiel. Allein sein ehemaliger Klub Hertha BSC blieb daheim. Wir waren vor Ort.

Um 19.45 Uhr flogen hunderte schwarze und weiße Heliumballons in den Berliner Himmel am Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Am Mittelkreis hatten sich etwa dreißig Weggefährten, Freunde und Alessandra Alves versammelt. Sie gedachten Alex Alves mit einem Abschiedsspiel posthum. Der Brasilianer hatte in 81 Spielen für Hertha BSC 25 Tore geschossen und verstarb vor sieben Monaten mit nur 37 Jahren.

Rückblende: Im Alter von 25 Jahren kam Alexandro Alves do Nascimento vom brasilianischen Verein Cruzeiro Belo Horizonte zu Hertha BSC. 15,5 Millionen Mark war den Berlinern dieser Transfer wert, der Stürmer fiel vor allem aufgrund des Fahrens ohne Fahrerlaubnis, weißen Fellmänteln und dem Tor des Jahres 2000 auf. Aus 52 Metern hatte er damals Markus Pröll, den Torwart von Gegner Köln, überlistet. Und zwei Minuten später Sturmpartner Michael Preetz den nächsten Treffer aufgelegt. FC-Trainer Ewald Lienen dürfte sich heute noch ärgern.



Doch der Stern von Alex Alves leuchtete nicht beständig. Mal ging er lieber shoppen, als mit seiner Mannschaft zum Auswärtsspiel nach Wolfsburg zu reisen. Dann bereitete ihm die Ehe mit seiner Frau Nadja, der Mutter Alessandras, dauerhafte Probleme. Aufgrund seiner Eskapaden lösten die Verantwortlichen der Hertha und Alves den bis 2004 gültigen Vertrag bereits 2003 vorzeitig auf. Für den Ballartisten ging es zurück nach Brasilien. Er selbst sah diesen Wechsel im Nachhinein, als schlimmste Entscheidung seines Lebens an. Daraufhin wechselte er jedes Jahr seinen Verein, spielte kurzzeitig sogar in Griechenland bei AO Kavala. Dort machten sich die ersten gesundheitlichen Probleme bemerkbar. 2008 wurde eine Leukämie-Erkrankung attestiert.

Nur 3.500 Zuschauer

Im September 2012 folgte die Diagnose »Hemoglobinúria Paroxística Noturna«, eine seltene Erkrankung blutbildender Stammzellen. Nachdem die Ärzte zuvor die Nachwehen seiner Leukämie vermutet hatten, konnte auch das gesunde Knochenmark seines Bruders nicht mehr helfen. Zwei Monate später, am 14. November 2012, verstarb Alves in einem brasilianischen Krankenhaus. Der fröhliche Brasilianer, der noch vor zehn Jahren dem Berliner Publikum nur allzu oft seine beachtlichen Bauchmuskeln zeigen wollte, hatte den Kampf gegen den eigenen Körper verloren.

Vor dem Abschiedsspiel wurden die sportlichen Highlights des Brasilianers Alex Alves mit einem kleinen Video auf der Leinwand gewürdigt. »Alex war nie ein Rekordspieler, aber hat uns so viele unvergessliche Momente geschenkt«, fasste es Stadionsprecher und »Dschungelkönig« Peer Kusmagk zusammen. Keine Rekorde brach jedenfalls das Zuschauerinteresse. Schätzungsweise 3.500 Personen hatten sich im Sportpark eingefunden, selbst die bunte Sitzplatzbemalung konnten über die Leere im Rund nicht hinwegtäuschen. 3500 Menschen. Das sind 0,1 Prozent der Berliner Bevölkerung und somit noch einmal deutlich weniger als bei jedem Zweitligaheimspiel der Hertha. Und so ging einem leise die Frage durch den Kopf: Ist das die angemessene Verabschiedung für einen Spieler, der Berlin zumindest für wenige Jahre in Atem gehalten hat?

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