Ex-Freunde hinter Stacheldraht

Als Hertha und Union sich noch lieb hatten

Ex-Freunde hinter StacheldrahtGunnar Leue

Gerade war Fashion Week, bald ist Berlinale und dazwischen gibt’s das Hauptstadtderby Hertha gegen Union. Berlins Regierender, Klaus Wowereit, außeramtlich Hertha-Fan und Mitglied des Vereins, dürfte am Sonnabend im ausverkauften Olympiastadion nicht fehlen.

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So viele potenzielle Wähler auf einen Schlag trifft man selten. Beim Hinspiel in der Alten Försterei war er ebenfalls anwesend. Zuvor hatte er sogar ein wenig die Duellpartystimmung angeheizt, als er den Union-Präsidenten zum Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung animierte, weil der Senat Hertha die Stadionmiete gestundet hatte. Zwar ist die Berliner Ost-Ost-Rivalität viel stärker als die Ost-West-Rivalität – Unions Erzfeind heißt immer noch BFC Dynamo –, aber aus der fast freundschaftlichen Bande zwischen Hertha- und Union-Fans zu DDR-Zeiten ist eine mehr oder weniger friedliche Koexistenz geworden.

Auf einer Platte: Die Hertha-Hymne und Mentzels Union-Hommage

Dabei ging die Annäherung von Herthaner und Unionern schon mal so weit, dass es zu einer musikalischen Verbrüderung auf einer Schallplatte kam. Verantwortlich dafür war der Westberliner »Pepe« Mager. Er sorgte für das Novum der Veröffentlichung einer DDR-Vereinshymne im Westen. »Pepes Freunde hinter Stacheldraht« hieß die Platte, auf der Peter Klaus-Dieter Mager (kurz Pepe) 1988 gleichermaßen Hertha BSC und den 1. FC Union huldigte. Auf der A-Seite der Single mit einer selbst verfassten Hertha-Hymne, auf der B-Seite mit Achim Mentzels Tributsong an die »Stimmung in der Alten Försterei«.

Pepe betätigte sich schon vor Mauerfallzeiten als gewiefter Fanartikeldealer (was er bis heute ist). So bezahlte er unter anderem auf dem Ostberliner Weihnachtsmarkt einen NVA-Soldaten dafür, massenhaft Vereinswimpel an der Schießbude zu erballern. Die vertickerte er anschließend in Westberlin, wo DDR-Oberliga-Merch unter Fußballfreunden durchaus begehrt war.

Bei der Plattenfirma fragten die bloß: »Was wollen Sie?«

Das war freilich nichts gegen Pepes Idee, die Union-Hymne auf Vinyl zu pressen und die Platte an seinem Fanartikelstand vor den Hertha-Spielen zu verkaufen. Vorher musste der Song jedoch beschafft werden. »Zuerst habe ich in einem großen Plattenladen am Alexanderplatz nach der Telefonnummer von ›Amiga‹ gefragt, aber die guckten mich nur komisch an. Dann rief ich die Auskunft an und als ich zur Firma durchkam, fragten die bloß: Was wollen Sie?«

Pepe antwortete den Leuten vom Staatslabel »Amiga«, dass er Hertha-Fan sei, deshalb ein Hertha-Lied komponiert habe und das nun zusammen mit dem Union-Lied auf einer Single zu veröffentlichen gedenke. Bei »Amiga« wollte man das erstmal schriftlich und dann Westgeld. »Ich habe denen die Rechte für 800 D-Mark abgekauft und das Union-Lied zusammen mit meinem in einem kleinen Studio einspielen lassen.« Die limitierte Auflage von 2000 Stück verkaufte er für 10 D-Mark, was immerhin rund drei Jahre dauerte. Heute verkauft er die nur auf CD, dafür aber auch manchmal sogar in seinem Fanartikelwagen vorm Union-Stadion in Köpenick.    

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