Europa League versinkt in der Bedeutungslosigkeit

Totendonnerstag

Während der Uefa-Pokal in den siebziger Jahren noch als attraktives Pendant zum Europokal der Landesmeister durchging, ist die 2009 neu modifizierte Europa League nur noch ein schmaler Schatten ihres Vorgänger-Modells. Die Ursachen für diese Entwicklung sind hausgemacht.

Wer einen Blick auf die Gravuren des Uefa-Pokals wirft, entdeckt die Crème de la Crème des internationalen Fußballs. Hinter den Rekordtitelträgern Juventus Turin, Inter Mailand und dem FC Liverpool reihen sich weitere große Namen wie Real Madrid oder Bayern München nahtlos ein. Doch mittlerweile wäre wohl keiner dieser Mannschaften der Gewinn dieses Wettbewerbs auch nur einen Eintrag auf dem Briefpapier wert. Nicht umsonst spricht man vom »Cup der Verlierer«. Selbst bei einem Klub wie dem FC Schalke 04, dessen »Eurofighter« 1997 mit dem Final-Sieg über Inter Mailand den größten Erfolg der Vereinsgeschichte erzielten, würde eine Europa-League-Teilnahme heutzutage keine Luftsprünge mehr verursachen.

Die Ursachen für diese Entwicklung sind hausgemacht. Um den Europapokal der Landesmeister für Werbepartner und eine breite Öffentlichkeit attraktiver zu machen, rief die Uefa in der Saison 1992/1993 die Champions League ins Leben. Da es ab diesem Zeitpunkt nicht mehr ausschließlich den Landesmeistern vorbehalten war, an diesem Wettbewerb teilzunehmen, sondern auch den weiteren Spitzenmannschaften einer Liga, verlor der Uefa-Cup im Laufe der Jahre immer mehr an Bedeutung. Während die Eliteklasse plötzlich mit festen Sponsoren, eigenem Logo, eigenem Ball und sogar einer Hymne aufwartete, wurde die »kleine Schwester« immer weiter in die Ecke gedrängt. Selbst die Zusammenführung mit dem Pokal-der-Pokalsieger-Wettbewerb konnte dem Patienten kein neues Leben mehr einhauchen.

Als letzte Wiederbelebungsmaßnahme startete die Uefa im Jahr 2009 deshalb eine Art Relaunch der grauen Maus und versuchte sich an einer Mini-Ausgabe der Könisgsklasse. Demzufolge wurde der Modus angeglichen, der Name kurzerhand in Europa League umgetauft und sämtliche Wiedererkennungsmerkmale wie Logo, Ball und Hymne wurden schließlich auch für diesen Wettbewerb entworfen. Zudem sollten die Drittplatzierten der Champions-League-Gruppenphase ab dem Sechzehntelfinale für etwas mehr europäischen Glamour sorgen.

Die Hartz-Vier-Champions-League

Nichtsdestotrotz verrät allein der Blick auf die Preisgelder in beiden Wettbewerben so manches über den heutigen Stellenwert der beiden Wettbewerbe. Verspricht die bloße Teilnahme an der Champions-League-Gruppenphase bereits ein Antrittsgeld von 8,6 Millionen Euro, honoriert die Uefa die Europa- League-Teilnahme mit lediglich 1,3 Millionen Euro. Noch deutlicher wird der Graben im Hinblick auf die Einnahmen der jeweiligen Gewinner. So darf der Sieger der europäischen Elite-Liga bestenfalls umgerechnet 60 Millionen Euro sein Eigen nennen, wohingegen sich der Europapokal-Sieger mit knapp 10 Millionen Euro begnügen muss - immerhin 1,4 Millionen mehr als Champions-League-Teilnehmer.

Doch diese Zahlen offenbaren nicht nur das Dilemma der Europa League, sondern auch das vieler europäischer Teams. Denn wer sich dauerhaft auf der ganz großen europäischen Bühne präsentieren möchte und dort bestehen will, ist auf entsprechendes Personal und somit auch auf die horrenden Einnahmen aus der Champions League angewiesen. Eine Problematik, die in jüngerer Vergangenheit bereits so manchen Spitzenklub ins finanzielle Wanken gebracht hat. Bestes Beispiel ist aktuell der FC Liverpool. Trotz eines internationalen Starensembles verpassten die Reds in den letzten drei Spielzeiten die Qualifikation. Ein Szenario, was dort wohl niemand so richtig für möglich hielt. Aufgrund der fehlenden Einnahmen aus der Königsklasse sollen sich die Schulden des englischen Traditionsvereins inzwischen auf über 100 Millionen Euro beziffern.

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