Essay zur französischen Nationalelf

Wie sich Alltäglichkeiten skandalisieren lassen

Das ist als Witz gemeint, als Flapsigkeit. Aber nichts könnte die Perspektive französischer Journalisten besser erklären als dieser Satz.

Warum aber gibt es Probleme, wenn viele Araber beieinander sind? Es braucht ja eine Erklärung dafür, dass man mit Arabern nicht gut kann, und am besten eine, die einen selbst von aller Schuld reinwäscht. Die wilden Rituale und Umgangsformen in der Banlieue zum Beispiel, die sind ja geeignet dazu, der Gesellschaft eine Mitverantwortung aufzuoktroyieren, schließlich hat sich jahrelang niemand um die Cités und ihre Bewohner gekümmert.

Man muss nur zwischendrin einmal »Islam« sagen.

Daniel Riollo, Fußballjournalist, hat die naheliegende Antwort: Der Islam ist schuld. Der führe nämlich zu Clanbildungen. In vielen Umkleidekabinen werde inzwischen in Badehosen geduscht. Und es sei beispielsweise schockierend, dass die gesamte französische Nationalmannschaft halal habe essen müssen, wegen der Muslime.

Die Anekdote ist wahr, wenn man den Begriff der Wahrheit sehr weit dehnt. Sie ist auch ein Beispiel dafür, wie sich Alltäglichkeiten skandalisieren lassen. Man muss nur zwischendrin einmal »Islam« sagen.

Rassismus erlaubt Zuspitzungen, die sich gut verkaufen

Tatsächlich werden in der französischen Nationalmannschaft Gerichte, die halal sind, auf Wunsch seit den 50ern serviert. Je mehr Spieler muslimischen Glaubens in die Nationalmannschaft berufen wurden, desto öfter wurde dieses Angebot auch angenommen; bis es ein festes halal-Menü gab. Da die französische Nationalmannschaft ihr Essen auf Auslandsreisen immer selbst mitnimmt, um der Möglichkeit von Lebensmittelvergiftungen vorzubeugen, wird auf Auswärtsfahrten zur Ressourcenersparnis nur ein Menü angeboten. Der damalige Nationaltrainer Domenech fragte die Mannschaft, ob sie einverstanden sei, dass dieses Menü halal sei. Antwort: scheißegal, Hauptsache es schmeckt. Das ist alles.

Riollo hat oft betont, dass ihn diese ganzen kleinen Geschichten – wer warum die Nationalhymne nicht singt, wer Shorts trägt, während er duscht – im Grunde nicht interessieren. Das würde erklären, warum sein Buch keine These hat, nur Pointen; und auch, warum es immer Pointen sind, die das Fremde, Andersartige ablehnen. Rassismus erlaubt Zuspitzungen, die sich gut verkaufen auf dem Markt der Ideen.


Frédéric Valin, geboren 1982 in Wangen im Allgäu, lebt seit einigen Jahren als freier Autor und Kulturveranstalter in Berlin. Dieser Text ist ein eingekürzter Auszug aus »Zidane schweigt«. Er ist beim Verbrecher Verlag als E-Book erschienen und für 2,99 € in den einschlägigen Stores erhältlich.  

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!