Es heißt nicht Galatasaray Istanbul und Arsenal London

Herr Lehrer, ich weiß was!

Es soll tatsächlich Menschen geben, die von »Galatasaray Istanbul« sprechen. Sie sagen sogar »Arsenal London«. Und, oh weh, »FC Valencia«. Das müssen Fußballbanausen sein. Oder nicht?

Die größte Gefahr für den Fußballexperten sind: Fußballexperten. Man trifft sie überall, in der U-Bahn, in Kneipen, in Parks, in Supermärkten. Sie wissen, wie Herbert Chapman das WM-System erfunden hat, wann der 1. FC Kaiserslautern gegen den FC Barcelona gewonnen hat, welcher Spielertyp sich am besten in der Defensivraute eignet – doch vor allem wissen sie, wie die ausländischen Fußballvereine richtig heißen.

Es heißt Arsenal FC und nicht Arsenal London
 
Deswegen kennt ihre Empörung keine Grenzen, wenn ein TV-Reporter oder ein Kneipengast von »Arsenal London«, »Galatasaray Istanbul« oder »Chelsea London« spricht. Dann merken sie auf und korrigieren, schließlich heißen die Klubs Galatasaray, FC Chelsea und FC Arsenal. Wobei letztere Hinweise die Gefahr birgen, dass ein besonders fortgeschrittener Fußball-Onomatologe anbei sitzt und ebenfalls aufmerkt: »Pardon, mein Herr, auch das ist falsch. Ganz korrekt heißen die Vereine: Arsenal Football Club und Chelsea Football Club. Kurz: Arsenal FC und Chelsea FC.«
 
Der gewöhnliche Fußballanhänger, der neulich seinem Kumpel noch voller stolz die Vorteile der Doppelsechs erklären konnte, erstarrt sodann in Ehrfurcht. Bei keinem anderen Thema zieht sich die unsichtbare Trennlinie zwischen ihm, dem Fußballfan mit solidem Halbwissen, und dem anderen, dem Fußballfachmann mit Weltwissen, so deutlich wie bei der Benennung eines Fußballklubs.

Ich. Habe. Ahnung.  
 
Es fing irgendwann um die Jahrtausendwende an, als sich Kenner mit zunehmendem Eifer daran machten, den vermeintlichen Fußballbanausen die Klubnamenwelt zu erklären. Es war ein geeignetes Mittel, um sich mit einem Halbsatz in ungeahnte Sphären zu erheben. Während man also früher auf Partys lässig in der Küche stand und über die eigene Ausstellung in New York oder die Professur an der chemischen Falkultät in Paris berichtete, genügt heute jener kleine Einwurf zur richtigen Klubbenenennung, um zu zeigen: Ich. Habe. Ahnung.  
 
Denn die Kenntnis des richtigen Vereinsnamens impliziert ein mysteriöses Geheimwissen, sie lässt den Kenner als jemand erscheinen, der sich schon lange vom Mainstream des Fußballs entfernt hat. Der sich in ausländischen Ligen auskennt, der gerne mal über den FC Huddersfield Town, pardon, Huddersfield Town FC spricht, und seine dicken Brillengläser nicht trägt, weil es hip ist, sondern weil er Nobby Stiles Tribut zollen will.

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