Erstes Frankfurter Stadtduell seit 50 Jahren

Friede, Freude, Frankfurt

FC St. Pauli runter, Hertha rauf: Die Bundesligen haben in der kommenden Saison zwei Stadtderbys weniger. Dafür gibt es in Frankfurt ein Duell: Eintracht gegen FSV. Ein Trost für Derbyfreunde? Wohl kaum. Erstes Frankfurter Stadtduell seit 50 Jahren

Am 16. Dezember 1962, an einem Sonntag, trennten sich die Wege zweier Vereine, die niemals Freunde wurden, aber auch keine Feinde. Es ist die zweite Runde des Süddeutschen Pokals. FSV Frankfurt gegen Eintracht Frankfurt. Die Eintracht stürmt von Anfang an. Der FSV hält dagegen. Eintracht-Keeper Egon Loy glänzt. »Die Bornheimer nahmen sich der Eintracht in offener Feldschlacht an«, schreibt die Zeitung »Der neue Sport« am Tag darauf. Die Eintracht gewinnt das Spiel trotz allem 2:1. Es sollte die vorerst letzte Begegnung der beiden Frankfurter Vereine bleiben.

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Eintracht Frankfurt gewann von nun an den DFB-Pokal (1974, 1975, 1981, 1988) und den Uefa-Cup (1980); kaufte sich teure Spieler und baute ein Stadion mit 50.000 Sitzplätzen. Der FSV Frankfurt kämpfte währenddessen gegen Insolvenzen und Fünftklassigkeit und stand in der Saison 1995/1996 sogar kurz vor der Auflösung.

692 Eintracht-Fanclubs gegen 6 vom FSV

Im Jahr 2011 sind bei Eintracht Frankfurt 692 Fanclubs registriert. Beim FSV sechs. So wenige wie bei keinem anderen Zweitligateam. Um mehr Zuschauer ins Stadion zu locken, gab es beim FSV zeitweise sogar freien Eintritt. »Erst gucken, dann zahlen«, hieß die Aktion. Nach dem Stadionbesuch sollten die FSV-Fans selbst entscheiden, wie viel ihnen das Spiel wert war. Wirklich geholfen hat das nicht.

In der kommenden Saison treffen die beiden Frankfurter Vereine wieder aufeinander, beim einzigen Stadtderby der beiden Bundesligen. Anders aber als bei Derbys in Berlin, München oder Hamburg, werden am Main wohl keine Funken fliegen. Das Verhältnis zwischen der Eintracht und dem FSV ist weder schlecht noch gut. Es ist schlicht nicht existent. »Das Derby hat sicherlich nicht so eine große Bedeutung, wie Spiele gegen Offenbach«, sagt Eintracht-Sprecher Carsten Knoop. Woran das liegt? »Es gibt eine historische Hierarchie. Wir haben immer zwei, drei Klassen über dem FSV gespielt.«

Auch die Fans der Eintracht hyperventilieren nicht, wenn sie ans Derby denken. »Das wird wohl eher ein Freundschaftsspiel«, sagt Dietmar Kottler, Vorsitzender des Fanclubs EFC Mainhattan 98. »Unsere Rivale ist und bleibt Offenbach. Vielleicht noch Mainz.« Aber der FSV? »Nein«, sagt Kottler, »in diesem Spiel sehe ich wirklich keine Brisanz.« Man freue sich zwar darauf. Aber man freue sich positiv, sagt Kottler.

Als am Ende der letzten Saison feststand, dass Eintracht Frankfurt absteigen würde, reagierte der FSV-Fanclub Schwarz-Blau 79 mit einer Erklärung im Internet: »Nein, wir freuen und nicht über den Abstieg der SGE. Aber wir haben auch die Chance im Duell Groß gegen Klein uns als sympathischen Stadtteilverein zu präsentieren und neue Freunde zu gewinnen.«

Mehr Friedensnobelpreis, weniger feuriges Derby

Eine Erklärung, die mehr nach Friedensnobelpreis klingt als nach feurigem Derby. Des Friedens nicht genug: Die Vereine denken im Moment sogar darüber nach beide Derbyspiele in der Commerzbank-Arena steigen zu lassen. Der FSV erhofft sich so Mehreinahmen von gut einer Million Euro. Man stelle sich das in Hamburg vor: Der FC St. Pauli verlegt sein Heimspiel gegen den HSV in die Imtech-Arena. Es wäre eine Zeitreise in die neunziger Jahre. Heute ist das kaum noch vorstellbar.

Die einzige Reiberei in der unbewegten Historie Frankfurter Lokalrivalität ereignete sich 2008. Der sogenannte Fahnenstreit. Eintracht und der FSV hatten eine gemeinsame Nutzung der Commerzbank-Arena vereinbart. Vor dem Stadion wehten die Flaggen beider Vereine, schwarz-weiß und schwarz-blau in friedlicher Koexistenz. Bis zu jenem Tag im August. Heimspiel der Eintracht gegen Hertha. Was genau passierte, an jenem Sonntag, ist nicht überliefert. Die Verantwortlichen der Eintracht werden später erzählen, einige Fans haben sich gestört gefühlt von den Flaggen des FSV. Darauf habe man reagieren müssen. Man hängte die Fahnen der Bornheimer ab. Kippte nun die Stimmung? Nein, im Gegenteil.

Der FSV ist stolz auf Eintracht Frankfurt

Der FSV reagierte mit einer Presseerklärung. Überschrift: »Der FSV will Ruhe«. Man sei stolz mit der Eintracht ein Frankfurter Verein in der ersten Liga zu haben und stehe weiterhin zur gemeinsamen Beflaggung. Aus, Amen, der Streit war beigelegt. Wenn am fünften Spieltag der zweiten Bundesliga Frankfurt auf Frankfurt trifft, dann wird das kaum entschädigen können für die fehlenden Derbys in Hamburg und Berlin. Eintracht gegen FSV. Ein Spiel unter Motto: »Wir kennen keinen Klassenhass, wir trinken all aus einem Fass.« Na dann: Prost.

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