20.08.2013

Erst verschmäht, jetzt gefeiert: Wolfsburgs Stefan Kutschke

Der Fünf-Minuten-Mann

Stefan Kutschke hatte keine Chance. Der Angreifer kam im Sommer nach fünf Jahren Regionalliga vollkommen überraschend nach Wolfsburg. Ein typischer Magath. Doch der ist gar nicht mehr da. Am Wochenende debütierte Kutschke trotzdem in der Bundesliga – und traf.

Text:
John Hennig
Bild:
Imago

Sein Bundesliga-Debüt war eigentlich nur eine Randnotiz. Auch wenn Stefan Kutschke am Ende bei seinem Kurzeinsatz sogar noch zum 4:0-Endstand gegen Schalke 04 traf. Die entscheidende, richtungsweisende Wolfsburger Personalie war Luiz Gustavo. Der brasilianische Nationalspieler entfachte Aufbruchsstimmung beim Deutschen Meister von 2009. Stefan Kutschke wird kaum über die Zukunft des Wolfsburger Fußballs entscheiden. »Es sollte eine Belohnung sein«, sagte Dieter Hecking über den Angreifer, »der nur ganz große Außenseiterchancen in unserem Kader hat, aber der sich durch seine total positive Ausstrahlung Respekt verschafft hat.« Wenn man die Geschichte von Kutschke nicht kennt, klingt das wie eine Verhöhnung der Schalker. Aber seine fünf Minuten sind tatsächlich eine beachtliche Leistung. 

Einer dieser typischen Magath-Transfers

Selten hatte ein Spieler so schlechte Voraussetzungen wie der Angreifer im Sommer. Zwar hatte Kutschke im Juni gerade das ambitionierte Millionenprojekt RB Leipzig mit zwei verwandelten Elfmetern in der Relegation in die dritte Liga geschossen, doch Dieter Hecking und Klaus Allofs wussten nicht so recht, was sie mit dem hünenhaften Stürmer anfangen sollten. Er war auf den ersten Blick einer dieser typischen Versuchs-Transfers aus der Ära Felix Magath.

Die neuen Verantwortlichen in Wolfsburg wollten aufräumen, den eh schon unüberschaubaren Kader ausdünnen, ihm ein eigenes Gesicht geben und dann den Angriff auf die Europapokalplätze starten. Was sollten sie da mit einem 24-jährigen Viertliga-Stürmer anfangen? Der in der Regionalliga in fünf Jahren 35 Treffer in 130 Spielen erzielt hatte. Und der in Zeiten, in denen in Deutschland sogar Peniel Mlapa oder Pierre-Michel Lasogga als Sturmhoffnungen durchgehen, bis auf ein Jahr in der A-Jugend von Dynamo Dresden nie wirklich in einem Nachwuchsleistungszentrum gelandet ist, sondern beim damaligen Landesligisten FV Dresden 06 Laubegast.

Hecking: »Er ist ein talentierter Spieler«

Selten hat sich dann auch ein Manager so von einem Spieler distanziert wie Klaus Allofs von Stefan Kutschke: »Wir halten uns an Absprachen, die in der Vergangenheit getroffen wurden«, sagte Allofs bei der Vorstellung wie ein Ehrenmann, »wir werden sehen, wie Stefan Kutschke in unsere Planungen passt. Nichtsdestotrotz ist Stefan Kutschke ein Spieler, der durchaus interessant für uns ist.« Es wirkte, als wollte Allofs durch das Wiederholen des Namens immerhin dafür sorgen, ihn selbst nicht zu vergessen. Dieter Hecking schob noch freundlich hinterher:  »Er ist ein talentierter Spieler, der in der Regionalliga bereits auf sich aufmerksam gemacht hat.«

Der Weg dorthin zurück schien nur logisch. Selbst Magath hatte Kutschke zunächst für die zweite Mannschaft in der Regionalliga eingeplant. Im Sommer 2011. Damals spielte er beim ambitionierten Viertligisten RB Leipzig und wurde allein schon deshalb beobachtet, weil das Leipziger Millionenprojekt der Wolfsburger Millionentruppe in der ersten Runde des DFB-Pokals zugelost wurde. In Wolfsburg erinnern sich die Scouts an einen körperlich groß gewachsenen, kopfballstarken, defensiv hervorragend arbeitenden Stürmer. Einer, der dem damaligen Wolfsburger Stürmer Mario Mandzukic ähnelte. Kutschke war noch 22 Jahre jung und hätte problemlos als Perspektivspieler durchgehen können. Doch nach dem DFB-Pokal-Spiel war der Name erst einmal nur im gigantischen Magathschen Notizbuch gelandet.

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