Ersatztorhüter und die große Elfer-Bühne

Die Auftragskiller

Louis van Gaals Torwartrochade vor dem Elfmeterschießen gegen Costa Rica war ein WM-Novum. Im DFB-Pokal gab es das indes schon - mit gemischtem Erfolg.

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Der Dank kam spät, aber er kam. »Vielleicht hat das jetzt geholfen. Danke, Hans Meyer«, schmunzelte Nürnbergs Ex-Trainer Gertjan Verbeek nach dem 2:1 gegen Braunschweig in der Rückrunde der vergangenen Saison. Ein verrücktes Spiel, Platzverweise, Tore und mit drei verschossenen Elfmetern in einer Partie ein neuer Bundesligarekord. An diesem Tag war die fränkische Welt in Ordnung. Raphael Schäfer, der Torwart der Nürnberger, hatte mit zwei parierten Elfmetern nicht nur den so wichtigen Sieg im Abstiegskampf festgehalten, er schien nach langen Jahren auch endlich eine Wunde geschlossen zu haben, »einen Knacks«, wie er es nach dem Spiel nannte.

Den Knacks, den Schäfer mit seiner Glanzleistung nun endlich ausgebügelt hatte, den hatte er sich sieben Jahre zuvor geholt, als ihn der damalige Nürnberger Trainer Hans Meyer in der 119. Minute des DFB-Pokal-Viertelfinals gegen Hannover ausgewechselt und den vermeintlichen Strafstoßkiller Daniel Klewer pünktlich zum Elfmeterschießen ins Tor gestellt hatte. Klewer kam zu diesem Zeitpunkt gerade auf überschaubare 16 Bundesligaspiele, Schäfer war Kapitän und Führungsspieler.

»Bei Hans Meyer weiß man nie«

Aber der Ersatzmann hatte in der vorangegangenen Runde gegen Unterhaching für den verletzten Schäfer gespielt und sich im Elfmeterschießen mit vier gehaltenen Schüssen quasi im Alleingang um den Einzug in die nächste Runde verdient gemacht. Klewer hielt auch als Einwechselspieler zwei Elfmeter, Nürnberg stand im Halbfinale und wurde später DFB-Pokalsieger. Schäfer, der Verlierer unter Siegern, einer, den man »wieder aufbauen« müsse, so Manager Martin Bader, gratulierte dem Konkurrenten eher flüchtig, der Knacks blieb, sieben Jahre lang.

»Bei Hans Meyer weiß man nie«, sagte Klewer nach dem erfolgreichen Elfmeterschießen. Ein Satz, der auch auf den aus einem ähnlichen Holz geschnitzten Louis van Gaal passen würde. Meyer meinte, die Einwechslung sei nicht abgesprochen sondern eher eine Eingebung gewesen. Eine Eingebung, die indes auch hätte nach hinten losgehen können. »Hätte er die beiden Elfmeter nicht gehalten, wäre es ein gefundenes Fressen gewesen«, sagte der Trainer damals. Auch Louis van Gaal war sich seiner heiklen Torwartrochade am Samstag bewusst: »Wenn es schiefgegangen wäre, hätten mich alle für verrückt erklärt.«

Eine Slapsticknummer für die Geschichtsbücher

Wie es ist, wenn ein solches Manöver schiefgeht, weiß Jasmin Fejzic am besten. 2012 erinnerte sich Fürths Trainer Mike Büskens wohl an Meyers Kniff und wechselte im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Dortmund in der 118. Minute für Stammkeeper Max Grün Ersatzmann Fejzic ein, in den Augen des Jungcoaches eine »Vollrakete beim Elfmeter«. Eine Vollrakete, die zwei Minuten zu früh ins Spiel kam, wie sich herausstellte.

In der 120. Minute prallte ein Schuss von Ilkay Gündogan an den linken Pfosten, von da an den Rücken Fejzics und anschließend ins Tor. Aus einem taktisch-psychologischen Manöver war eine Slapsticknummer für das Geschichtsbuch des DFB-Pokals geworden. »Ich könnte nur noch heulen. Mehr Pech kann man nicht haben«, haderte Fejsic nach dem Spiel, das sein Karrieretiefpunkt gewesen sein dürfte, auch wenn ihn beim unglücklichen Gegentreffer keine Schuld traf.

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