Erinnerungen an Walter Frosch

»Trainer, keine Sorge, wir steigen auf«

Am vergangenen Wochenende verstarb Walter Frosch. Er wurde durch seine Spielweise und sein Auftreten zu einer Legende. Hier erinnern sich drei Weggefährten an die gemeinsame Zeit mit ihm, an Schaschlik und gute Kneipen.

imago

Buttje Rosenfeld
Mitspieler auf St. Pauli, heute Redakteur bei der »Hamburger Morgenpost«

»Walter Frosch war schon eine imposante Erscheinung, gerade für die jüngeren Spieler. Sein markantes Gesicht drückte diese Unerschütterlichkeit aus, die ihn gerade auf dem Platz in den Zweikämpfen auszeichnete. Dabei hat er gar nicht mal so viel gewogen, vielleicht 70 Kilo, eine eher hagere Figur. Doch durch seinen Kampf hatten alle Gegenspieler gehörig Angst vor ihm. Er hat Vollgas gegegen – im Training wie im Spiel. Dabei war es kein Geheimnis, dass er nicht gerade sportlich lebte. Eigentlich sah man ihn ständig mit Zigarette und auch beim Thema Essen hielt er sich nicht zurück. Wenn wir zwei Mal am Tag Training hatten, dann ging er schon mal mittags zum »Schaschlik-Schorsch« und gönnte sich eine dicke Portion mit Zwiebeln. Die Ernährungsberater der heutigen Profis würden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

Walter hat sich nie beklagt, selbst als er schwer krank war. In Deutschland werde sowieso immer zu viel ›rumgequakt‹, hat er gesagt. Dabei gehe es den Leuten doch hier so gut. Er war ein Kämpfer, auch in dieser schwierigen Zeit. ›Macht euch um mich keine Sorgen‹, war sein Spruch. Und das war keine Koketterie. Ich kenne wirklich niemanden, der Walter Frosch nicht gemocht hat – und bin wirklich dankbar, dass ich ihn gekannt habe.«

Diethelm Ferner
Trainer von Walter Frosch beim FC St. Pauli

»Einen Spieler wie Walter Frosch wünscht man sich natürlich auf dem Platz. Er war immer bereit, alles zu geben. Walter hat schon ordentlich mitgemischt, war aber nicht brutal oder unfair. Außerdem hat er auch seine Mannschaftskameraden immer mitgezogen, manchmal auch mit etwas deftigen Worten.

Natürlich wusste ich, dass er sich nicht wie ein Sportler ernährt hat und auch nicht gerade so lebte. Ich habe mit ihm darüber gesprochen, ihn auch zu einem längeren Gespräch zu mir nach Hause eingeladen. Doch ich habe ihn nicht kontrolliert, er wusste, was er tat. Und solange er alles auf dem Platz gegeben hat, war das in Ordnung. Was ihn vor allem auszeichnete, war sein Optimismus. Ich erinnere mich noch, wie wir zu Saisonbeginn einen sehr holprigen Start hatten. Walter Frosch kam zu mir und sagte: ›Trainer, keine Sorge, wir steigen auf, ganz sicher.‹ So kam es. Er war ein echter Kämpfertyp, auch in den Jahren seiner Krankheit. Ich hatte und habe großen Respekt vor ihm.«

Dietmar Demuth
Mitspieler von Walter Frosch auf St. Pauli

»Schon in seinen ersten Tagen auf St. Pauli trat er sehr selbstbewusst auf. Einige kamen mit seiner geraden, direkten Art nicht zurecht. Mir kam das gelegen, weil ich so etwas schätze. Doch richtig böse konnte ihm sowieso keiner sein, weil er immer freundlich, nett und optimistisch war. Man kannte ihn gar nicht ohne gute Laune. So hat er gerade innerhalb der Mannschaft alle mitgezogen.

Im Training war er aber schon mal eine faule Socke. Es war ein richtiges Rätsel, woher er die Kraft für die neunzig Minuten am Spieltag nahm. Doch da war er wie verwandelt, lief wie verrückt, ein echter Grasfresser. Entscheidend war bei ihm wirklich aufm Platz - auch wenn er abends sehr viel unterwegs war. Wir sind oft zusammen um die Häuser gezogen. Doch wenn ich gesagt habe: ›Lass mal langsam nach Hause‹, dann hat er noch irgendwo ein Licht einer Kneipe gesehen und ist weiter gezogen. Von all diesen Abenden gibt es legendäre Geschichten, doch die sind wirklich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.«


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