Erinnerungen an Meppens Zweitligajahre

Irgendwo bei Holland

Im Jahr 1987 Jahren stieg der SV Meppen in die zweite Liga auf, hielt sich wider Erwarten elf Jahre dort und wurde zum Synonym für die aufmüpfige Fußballprovinz.

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Die erste Kugel erwischte die Meppener nach 18 Minuten, und der Schütze war ein Zeitreisender aus einer großen Vergangenheit. Dieter Müller hieß der Mann, der zum 1:0 für Kickers Offenbach traf. Jener Dieter Müller, der einst fünf Tore in einem einzigen Bundesligaspiel geschossen und für Deutschland an der EM 1976 teilgenommen hatte. Mittlerweile war er 33 Jahre alt und zu seinen Offenbacher Wurzeln zurückgekehrt. Sein Treffer eröffnete ein Schützenfest bei Blitz und Donner, an dessen Ende die heimischen Kickers mit 3:0 gegen den SV Meppen gewonnen hatten – es hätte auch doppelt so hoch ausgehen können. Oben auf der Tribüne saß Gerd van Zoest, der Meppener Sportdirektor oder Fußballobmann, wie das damals hieß, und gruselte sich. Später sagte er zu seiner Frau: »Christel, diese Klasse ist zu hoch für uns!«

Noch einige Monate zuvor hatte wenig darauf hingedeutet, dass der SV Meppen überhaupt in die Verlegenheit geraten würde, in einem Zweitligaspiel unter die Räder zu kommen. Der Verein aus dem Emsland war über Jahre ein ehrenwerter Oberligist, nicht mehr und nicht weniger. Auffällig geworden war er allenfalls durch spektakuläre Freundschaftsspiele gegen Ajax Amsterdam, Arsenal oder den FC Barcelona, dessen neuer argentinischer Superstar Diego Maradona 1982 seinen ersten Auftritt auf europäischem Boden in Meppen absolvierte. Doch daran, irgendwann selbst in den Profifußball befördert zu werden, hat in dem 30 000-Einwohner-Nest niemand geglaubt.

»Alles passte zusammen«

Deshalb hielt sich die Aufregung zunächst in Grenzen, als der SV Meppen im Frühjahr 1987 die Meisterschaft in der Oberliga Nord feierte und an der Aufstiegsrunde zur zweiten Bundesliga teilnehmen durfte. Fünf Mannschaften traten in einer Doppelrunde gegeneinander an, von denen zwei am Ende nach oben kommen würden. Ein Blick auf das Teilnehmerfeld zeigte den Meppenern, dass ein Aufstiegsplatz praktisch à priori vergeben war: Hertha BSC, das klang ja fast wie ein Name, den Gerd van Zoest mal für eines seiner berühmten Freundschaftsspiele buchen könnte! Von den übrigen Klubs wurden die beiden Westvertreter Remscheid und Erkenschwick allgemein stärker eingeschätzt, einzig Arminia Hannover, das der SV Meppen in der regulären Saison bereits hinter sich gelassen hatte, galt auf alle Fälle als schlagbar.

Die Meppener gingen die Sache realistisch an: Die Aufstiegsrunde sollte in erster Linie Geld bringen. Anderthalb Jahrzehnte zuvor hatte ein Präsidium das solide emsländische Wirtschaften vorübergehend aus den Augen verloren, die letzten Schulden aus jener Zeit sollten mit den Einnahmen aus den Aufstiegsspielen beglichen werden. Wenn sich die Elf überdies sportlich achtbar aus der Affäre ziehen würde: umso besser.

Die Mannschaft, die im Mai 1987 die Aufgabe in Angriff nahm, war eine erweiterte Regionalauswahl. Von 22 Spielern im Kader kamen 19 aus der näheren Umgebung. Nach dem finanziellen Beinahe-Crash hatte der Klub auf den eigenen Nachwuchs gesetzt. Trainer Rainer Persike, seit vier Jahren im Amt, hatte zuvor lange die A-Jugend gecoacht und kannte viele der aktuellen Leistungsträger bereits als Teenager, etwa Torjäger Martin van der Pütten, Staubsauger Reinhold Tattermusch oder den technisch versierten Innenverteidiger Eckhard Vorholt. »Die Mannschaft hatte sich über Jahre gefunden, das passte alles zusammen«, sagt Persike heute. Dennoch war das Meppener Team noch ein sehr junges. Jemand wie Regisseur Josef Menke, der Emsland-Netzer, war mit seinen gerade mal 27 Jahren bereits der Zweitälteste.

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