Erinnerungen an Brasiliens Legende Garrincha

Mané ist nicht tot

Am 28. Oktober 1933 kam Manoel Francisco dos Santos zur Welt. Als Garrincha verzauberte er die Welt und starb viel zu früh. Was wäre, wenn er heute noch leben würde?

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Garrincha ist nicht tot. Er hat sich nicht tot gesoffen. Mit nur 49 Jahren. Als sich keine Sau mehr für ihn interessierte. Garrincha lebt. Das muss man sich mal vorstellen.

Ganz Brasilien würde heute versuchen, Garrincha zu beglückwünschen. Das Parlament würde kurz innehalten und als Zeichen der Anerkennung 1000 Zaunkönige aufsteigen lassen. Pelé käme vorbei, um seinem alten Weggefährten den Finalball zu schenken, den er nach dem Endspiel der WM 1962 heimlich aus der Schiedsrichterkabine geklaut hatte. Er würde ihn Garrincha zuwerfen, und der würde dann Pelé austanzen. Pelé würde lachen, auf dem Weg in die Leere.

Im ganzen Land würden die Menschen mit sonderbar verrenkten Hüften Haken schlagen und sich dabei kaputtlachen. Mit ihren Smartphones würden sie Bilder von den gewagtesten Trockendribblings machen und sie Garrincha zuschicken. Der würde sich die Videos in Ruhe anschauen und vor Freude auf sein verkürztes Bein trommeln.

Ein Glückwunsch von Stan Libuda

In Schweden und Chile würden Denkmäler entweiht werden, die einen 1,69 Meter großen Mann zeigen, der einen kleinen goldenen Pokal in die Höhe hält. Als Ehrengäste wären die Kinder geladen, die Garrincha bei seinen jeweiligen Weltmeisterschaften hier gezeugt hatte. Mindestens einer von seinen Söhnen wäre ebenfalls ein großer Star geworden, schließlich kann die Natur nicht gewollt haben, dass sich solche Fußballgene einfach in Luft auflösen.

Selbst die deutschen Zeitungen wären voll mit Garrincha. In der Zeit: Ein Interview mit Günter Netzer über seine erste Begegnung mit dem brasilianischen Tausendsassa (»Er schenkte mir seine Schuhe – sie sind bis heute mein wertvollster Besitz!«) Für die »Süddeutsche Zeitung« würde Franz Beckenbauer einen Gastbeitrag verfassen. Titel: »Hacke, Spitze, eins, zwei, drei: Ozapft is, Garrincha!« Und auf www.11freunde.de stünde ein langes Interview mit Stan Libuda über sein großes Vorbild aus Brasilien. Stan Libuda wäre dann nämlich auch nicht tot.

Und Garrincha? Der hätte ein schönes Haus in seinem Heimatdorf Pau Grande und säße in diesem Moment auf seiner Veranda mit einem Ball zwischen den Füßen. Gleich neben seinem Haus stünde der »Garrincha«-Sportplatz, eine Anlage, auf der 0:0-Spiele und grobschlächtige Zerstörer verboten wären. Garrincha würde sich zur Feier des Tages einen O-Saft einschenken und seinen Ball 80 Mal mit der rechten Hacke hochhalten.

Das muss man sich mal vorstellen.

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