Ergänzung zum Bundesliga-Sonderheft (10)

Verein sucht Profil

Der SC Paderborn ist eher graue Maus, als strahlende Diva. In einem Punkt sind die Westfalen jedoch Spitzenreiter: Die 103-jährige Vereinsgeschichte ist durchzogen von Abspaltungen, Fusionen und Namensänderungen. Ergänzung zum Bundesliga-Sonderheft (10)
Heft#105 Sonderheft 2010/11
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105
Fußball wird in Paderborn schon sehr lange gespielt. Egal, ob die Vereine zwischenzeitlich Preußen, SV 1913, VfB, VfJ 08, 1. FC, SV 07 Neuhaus, TuS Sennelager oder TuS Schloß Neuhaus hießen, mit der letzten großen Fusion zur TuS Paderborn-Neuhaus wurde 1985 der Grundstein zur endgültigen Paderborner Bündelung der Kräfte gelegt. Seit 1997 schließlich hat sich auch am Namen SC Paderborn 07 nichts mehr geändert. Die zahlreichen Umbenennungen und Zusammenschlüsse in der Vergangenheit warfen den Club immer wieder hinsichtlich einer Profilschärfe zurück.

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Andreas Korsch, einer der beiden Fanbeauftragten des SCP, räumt ein, dass die Fusion Mitte der 80er Jahre und die letzte Umbenennung einige Altfans gekostet haben mag, die jüngere Entwicklung gehe allerdings in die richtige Richtung: »Vor zehn Jahren wurdest du noch ausgelacht, wenn du mit einem SCP-Trikot durch die Stadt gelaufen bist. Das ist mittlerweile anders.« Die Identifikation mit dem SC Paderborn nehme ständig zu, sagt Korsch, der aktuell von 40 Fanclubs Kenntnis hat. Verbiesterte Schloß Neuhaus-Nostalgiker befinden sich nicht darunter, auch der »TuS-Club« bekennt sich ganz zum SCP.

Paragon – fast wie Paderborn

Doch einfach wird es den Anhängern immer noch nicht gemacht, nach dem von zähen Rechtsstreits verzögerten Umzug 2008 vom Hermann-Löns-Stadion in die paragon arena, musste die Heimspielstätte in der letzten Saison bereits wieder in Energieteam Arena umbenannt werden. Andreas Korsch sieht darin kein Problem: »Mit Paragon konnte sich jeder anfreunden, das war so abstrakt, das klang nicht nach Werbung sondern eher nach Paderborn. Und Energieteam ist ja auch positiv, das passt zum offensiven Spielsystem der Mannschaft.«

Für Trainer André Schubert spielen die Umbenennungen sowohl des Vereins als auch des Stadions keine Rolle mehr. Das sei doch alles lange her, meint der Mann, der seit Frühjahr 2009 die sportlichen Geschicke des SC Paderborn lenkt. Schubert, in Doppelfunktion sportlicher Leiter und Cheftrainer, steht für die jüngste positive Entwicklung nach vereinsintern unruhigen Jahren zwischen 2005 und 2009. Zu Beginn seiner Tätigkeit vollendete er die sofortige Rückkehr in die zweite Bundesliga, um sich dort mit frischen Offensivfußball im oberen Drittel überraschend festzusetzen. Das zögerliche öffentliche Interesse wundert ihn nicht sonderlich, wenngleich es ihn schon ein wenig stört: »Natürlich wollen wir Aufmerksamkeit, dafür spielen wir schließlich Fußball. Aber Vereine wie Fortuna Düsseldorf stehen in der öffentlichen Wahrnehmung durch ihre Tradition anders da.«

Das junge Team ist entwicklungsfähig

Finanziell gehört der SC Paderborn 07 laut Schubert zum unteren Drittel der Liga, woraus sich für ihn schon zwangsläufig ableitet, den Blick zunächst nach unten zu richten, unabhängig von der Vorjahresplatzierung. Der Vizepräsident Martin Hornberger will den zweifelhaften Ruf einer Fahrstuhlmannschaft vermeiden und liegt mit seinem Coach auf einer Linie. Platz 12 oder 13 gibt Schubert beschieden als Primärziel aus, fügt aber auch an, dass er das Team »nicht nach oben bremsen« werde. Auf die voraussichtliche Absenz des Torgaranten der Vorsaison, Mahir Saglik, angesprochen, reagiert der Trainer genervt. »Ich garantiere, dass wir auch ohne Mahir weiterhin Fußball spielen und die Mannschaft nicht vom Spielbetrieb abmelden werden.« Das noch junge Team sei entwicklungsfähig, befindet Schubert, denn bei aller Offensivkraft hat er in der Vorsaison Mängel in Spiel gegen den Ball ausgemacht. Daran soll ebenso gearbeitet werden wie an der Torgefahr von Spielern wie Enis Alushi. Der Mittelfeldakteur bewies mit sieben Assists sein Talent als Vorlagengeber, nun darf er seine Torausbeute von bislang drei Treffern steigern. Technisch versierten Fußball mit Herz fordert der Coach von seinen Spielern und hofft, dass sie von Verletzungen verschont bleiben. Denn der Kader ist relativ knapp besetzt und der ohnehin schmale Etat wurde zur Konsolidierung des Vereins weiter gekürzt.

Aller begrenzten Mittel zum Trotz sind alle Verantwortlichen im Verein davon überzeugt, dass in Paderborn dauerhaft Zweitligafußball gespielt werden kann. André Schubert verweist auf St. Pauli und räumt ein, dass ihm der Kiezclub sympathisch sei und als Vorbild diene. Die Wertschätzung erhält er von deren Trainer Holger Stanislawski zurück: »Stani hat mir gesagt, der SCP würde ihn an die Entwicklung beim FC St. Pauli erinnern.« Und solche Worte entschädigen immer für eine zögerliche öffentliche Wahrnehmung.

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