03.09.2007

Englisch ist Einstellungssache

True Love Never Die(s)

Wenn deutsche Fußballer und Trainer englisch reden, kommt meist Unsägliches raus. Für Tattoos gilt das gleiche: Die Effenbergs etwa ließen sich grammatikalisch falsch beschriften. Grund genug für Arnd Zeigler, sich mal so richtig aufzuregen.

Text:
Arnd Zeigler
Bild:
Imago
ach, »Fußball, das Spiel der Welt«, wie man so sagt, ist schon eine tolle Sache. Und DDR-Barde Frank Schöbel sang es so ähnlich: »Ja ja, der Fußball ist rund wie die Welt!« Fußball sei sogar eine »Weltsprache«, behaupten manche. Diese salbungsvollen Worte lassen uns dann am lautesten nicken, wenn wir im Urlaub in ... sagen wir mal Oklahoma, plötzlich einen Einheimischen in einem Energie-Cottbus-Trikot sehen. Zack, Gesprächsstoff für sechs Stunden ist garantiert. Wunderbar.



Andersrum wird es dagegen problematisch. Wenn wir Deutschen uns dem Fußball polyglott nähern wollen, misslingt dies stets. Und damit meine ich gar nicht einmal Lothar Matthäus, über dessen Englisch in den launigen Fußball-Kolumnen dieser Welt schon hinreichend schenkelgeklopft wurde. Na gut, oder zitieren wir ihn wenigstens ganz kurz, damit die liebe Seele Ruhe hat: »I hope we have a little bit lucky and can win next year the championship title.«

»You don’t can win!«

Berti Vogts machte in Schottland ähnliche Erfahrungen wie Lothar in den USA. Nämlich die, dass die Leute dort nicht deutsch sprechen, sondern in einer hinterlistigen, miesen, schwierigen, exotischen Randgruppensprache: Englisch. Dass Berti in Schottland auf seinen ersten Pressekonferenzen regelmäßig schwärmerisch zum Ausdruck brachte »I love the art of Scottish football«, war gar nicht schlimm. Er meinte zwar nicht die Kunst, sondern wirklich die Art, aber die Schotten fühlten sich sicher gebauchpinselt, weil ihren Fußball zuvor durch mehrere Jahrhunderte hindurch noch niemand jemals mit dem Wort »Kunst« in einem Satz genannt hatte.

Problematischer ist da schon, dass Berti Vogts im Endstadium seiner Tätigkeit bei den Bravehearts konstatierte: »Only with passion and only with aggressive play you don’t can win!« (wörtlich!) Kurz darauf wurde er entlassen. Nun ist er Nationaltrainer Nigerias. Und voraussichtlich ringt er zur Stunde um die Aneignung der nigerianischen Sprachen.
Garstig werden unzureichende Sprachkenntnisse, wenn man sich in falschem Englisch ein Tattoo stechen lässt wie Stefan Effenberg, der sich mit Ex-Gespielin Claudia Strunz den hübschen Satz »TRUE LOVE NEVER DIE!« hat stechen lassen. Der Stecher, und damit ist ausnahmsweise mal nicht Effe selbst gemeint, vergaß somit am Ende ein »s« – niemandem fiel es auf. Bestürzend ist, dass – wie wir heute wissen – auch »wahre Liebe« sehr wohl ab und an mal stirb(t), sobald nämlich nebenan eine willige, blonde Nachbarin wohnt, die auf den dümmlichen Kosenamen »Trinka« hört, sich vor nichts ekelt und deshalb furchtlos mit Effe in die Kiste steigt. Ob sie beim Liebesspiel über das fehlerhafte Tattoo gelacht hat oder auch wieder zu blöde ist, um den Fehler zu bemerken, ist nicht überliefert. Überliefert ist aber ein wunderschöner Satz seiner Ex Claudia Strunz: »Unsere Trennung ist momentan endgültig!«

Momentan endgültig dürfte auch Schalkes Christian Pander sämtlichen Respekt im englischen Sprachraum verloren haben. Pander hat sich zu einer Musikerkarriere entschlossen und als Rapper einige Tracks aufgenommen, die textlich erstaunlich gut gelungen waren ... wenn Pander Grundschüler wäre. So jedoch klingen sie eher wie die konsequente Fortsetzung der längst verdrängten Rapperkarriere von Daily-Soap-Knallcharge »Oli P.« (heute 59) mit anderen Mitteln. Reime wie: »Meine Familie war nicht arm, aber auch nicht reich – Trotzdem wuchs ich mit Liebe auf, und es hat mir gereicht« hätte mein Deutschlehrer mir damals mit Schmackes um die Ohren gehauen. Aber gut, es waren halt andere Zeiten. Viel niederschmetternder noch als Panders Musik und Texte ist ohnehin das Pseudonym geraten, das Pander sich gewählt hat: Er nennt sich »Funky Pee«. Yo man. Denn »Pee« bedeutet nun mal, ich kann es nicht ändern, auf Englisch … Pisse.


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