England: Viertligist Bradford City im Ligapokal-Finale

»Der beste Trip meines Lebens«

Bradford City steht im Finale des englischen Ligapokals, der Viertligist warf nach Arsenal nun auch Aston Villa raus. Ein modernes Fußball-Märchen mit einem ehemaligen Regaleinräumer und einer Reise nach Las Vegas.

Es passiert nicht oft, dass sich die Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle eines Klubs so entschuldigen: »Tut mir leid, aber ich bin noch etwas mitgenommen von gestern Abend.« Doch bei Bradford City haben sie derzeit allen Grund, verkatert zu sein. Die Mannschaft aus der vierten englischen Liga schaltete im Halbfinale des englischen Ligapokals den Premier-League-Klub Aston Villa aus und steht damit im Finale.

Eine derartige Sensation hat der Wettbewerb seit 51 Jahren nicht mehr gesehen, damals schaffte der AFC Rochdale als Viertligist den Sprung ins Endspiel. Bradford ist sogar der einzige Verein in der Geschichte, der als Viertligist im ehrwürdigen Wembley zum Finale auflaufen wird. Glenn Baldwin, langjähriger Fan, erlangt erst am Mittag nach dem Spiel seine Stimme wieder und überschlägt sich dann: »Unglaublich, das ist etwas für die Geschichtsbücher. Die Leute drehen durch. Das ist magisch« Über 10.000 Ticketanfragen für das Finale am 24. Februar sollen bereits beim Verein eingegangen sein.

»Wir ließen uns volllaufen«

Zum Halbfinal-Rückspiel bei Aston Villa waren bereits über 6500 Fans angereist. Sie feierten nach der 1:2-Niederlage, die nach dem 3:1-Sieg daheim zum Finaleinzug reichte, ausgiebig, wie Baldwin erzählt: »Die meisten waren mit Bussen angereist. Direkt in der Stadionumgebung wollten wir nicht feiern, um keinen Ärger zu bekommen. Deswegen haben wir uns etwas außerhalb von Birmingham in den Pubs volllaufen lassen.« Einer der Klassiker unter den City-Chants fand neue Bedeutung: »This is the best trip I have ever been on.« Das ist der beste Trip meines Lebens. Eigentlich als ironischer Kommentar auf die Reisen zu unterklassigen Gegnern erfunden, könnte derzeit wohl kein anderes Lied den Gemütszustand in Bradford besser beschreiben.

Auch Spieler und Trainer quiekten vor Glück. »Diese Jungs werden einen Ehrenplatz in den Geschichtsbüchern des Klubs einnehmen. Man sollte Logen im Stadion nach ihnen benennen«, sagte Phil Parkinson, der Trainer von Bradford, und Kapitän Gary Jones, der im Spiel den wichtigen Ausgleich vorbereitet hatte, liefen Tränen über die Wangen: »Mir fehlen die Worte. Schaut euch unsere Fans an. Ein Viertligist, der drei Premier-League-Teams schlägt – das ist ein unglaublicher Traum.«

Gerüstet für die Europa League

In der Tat hatte Bradford nicht nur Aston Villa eliminiert, sondern zuvor Arsenal und Wigan aus der höchsten Spielklasse sowie Watford aus der zweiten Liga. Im Finale wird ein weiteres Team von oben warten: Swansea oder Chelsea. Sollte Bradford auch in Wembley triumphieren, qualifiziert sich die Mannschaft für die Europa League. Und mit den Trips durch Europa will man es nicht bewenden lassen, einheimische Medien berichten, der Verein habe für jeden Spieler als Prämie für die Finalteilnahme eine Reise nach Las Vegas ausgelobt.

Wohl keiner pesonifizierte die Geschichte des Underdogs so gut wie Bradfords Torschütze vom Dienstagabend: James Hanson. Er hatte vor ein paar Jahren noch sein Geld damit verdient, die Regale im Supermarkt einzuräumen. Bei seiner Verpflichtung von einem Amateurverein legte Bradford gerade einmal 7500 Pfund auf den Tisch. Geld, das schon bald mancher Fan in Bradford locker im Geldbeutel haben könnte: Vor dem Start des Wettbewerbs gaben die Buchmacher Bradford eine Chance von 1500 zu 1 auf den Titelgewinn. Einige Fans sollen sich darauf eingelassen haben.

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