Endlich: Der Libero ist zurück!

Nummer 5 lebt

Der 1. FC Nürnberg macht aus der Not eine Tugend und möchte offenbar den Libero reaktivieren. Alex Raack, im Herzen stets letzter Mann geblieben, findet das fantastisch.

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An Heiligabend stieg ich mal wieder hinauf in eine Welt, in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Ich meine den Dachboden meines Elternhauses im wunderschönen 300-Seelen-Dorf Bostel nahe Celle nahe Hannover nahe Hamburg. Dort lagern seit Jahrzehnten mehr oder weniger wertvolle Schätze der Raackschen Familienhistorie. Zum Beispiel die alte Dampfeisenbahn meines Bruders. Kostüme meiner Mutter, die sie bei ihren Kurzzeitjobs als Hostess auf der Cebit tragen musste und die heute der Knüller auf jeder Bad-Taste-Party wären. Und während ich so unter der Dachschräge in Erinnerungen schwelgte, stieß ich auf den Inhalt eines alten Umzugkartons. Videos, jede Menge VHS-Kasetten. Darauf: Stundenlange Aufnahmen mit der damals schweineteuren Kamera meines Vaters von 1986 bis Mitte der Neunziger. Ich hatte einen echten Schatz gehoben.

Matthäus! Thon! Beiersdorfer!

Weihnachten 2013 verbrachte Familie Raack also damit, sich den Inhalt der heißgeliebten Feuerzangenbowle und besagter Familienvideos einzuverleiben. Eine unschlagbar gute Kombination. Wir bestaunten meine Schwester beim Voltigieren, die erstaunliche Frisur meines Bruders im Jahr 1989, sämtliche zur Schau getragenen Klamotten meiner Eltern – und meine Auftritte auf dem Fußballplatz.

Ich bin Libero. Gewesen. Aber eigentlich immer noch. Zumindest im Herzen oder bei meinem unregelmäßigen Auftritten auf Berlins Bolzplätzen. Gelernt habe ich das auf dem stets hervorragend gepflegten Rasenteppich beim ruhmreichen SV Garßen im Nachbardorf. Denn als mich meine Eltern 1988 erstmals im Verein anmeldeten, war der Libero in Deutschland noch so verbreitet wie Koksnasen in einem beliebigen Berliner Elektro-Club der Gegenwart. Die Liberos hießen Lothar Matthäus, Matthias Herget, Rune Bratseth, Didi Beiersdorfer oder Olaf Thon. Die Liberos waren wer. In meiner Erinnerung war ich vom ersten Tag an Libero. Freier Mann, letzter Mann. Bei der Position ist es eben wie mit der Liebe zu einem Verein: Du suchst dir die Position nicht aus. Die Position sucht dich aus. Ging mir jedenfalls so.

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