Elf des Spieltags (20)

Die Stunde der Debütanten

Michel Bastos, Christina Graf, Srdan Lakic – am Wochenende brillierten die Bundesligadebütanten. Selbst der vermeintliche Fliegenfänger Heurelho Gomes wurde in Sinsheim schon nach einer Stunde wie eine Vereinslegende gefeiert. Wahnsinn! Wie auch der Rest der Elf des 20. Spieltags.

Heurelho Gomes
Die TSG Hoffenheim hat turbulente Wochen hinter sich. Zunächst hatte Trainer Marco Kurz verkündet, dass Tim Wiese wieder Stammtorhüter sei. Nach zwei Spielen war diese Aussage aber wieder hinfällig, denn Wiese wurde »zum eigenen Schutz« aus dem Kader gestrichen. Gleichzeitig verpflichtete die TSG den dritten Keeper von Tottenham Hotspur: Heurelho Gomes. Der Spott folgte auf dem Fuße, denn bei Youtube kursiert ein Clip mit dem Namen »The Best of Heurelho Gomes«. Das Video verbreitete sich in Windeseile. Das Dumme: Es handelt sich dabei um ein Pleiten-Pech-Pannen-Best-of. Im Spiel gegen den SC Freiburg spottete Gomes mit guten Paraden und Reflexen zurück und spätestens nach 60 Minuten war klar: die TSG-Fans haben einen neuen Publikumsliebling. Hat jemand behauptet, das Fußballgeschäft sei langlebig?

Levin Öztunali
0:2 gegen Frankfurt verloren und dann auch noch dieses: Levin Öztunali, Kenner wissen: der Enkel von Uwe Seeler, wechselt zu Bayer Leverkusen. Was für ein bescheidenes Wochenende für den Hamburger SV. Gut, »Özi« ist zwar erst 16 Jahre alt und könnte der darbenden HSV-Offensive deshalb ohnehin noch nicht helfen, aber dass ausgerechnet ein hochbegabter Nachkömmling des ewigen »Uns Uwe« den Bundesliga-Evergreen verlässt, um fortan in Leverkusen zu kicken, zeigt, wie es aktuell um die Hamburger steht. »Beim HSV reagiert man viel zu oft zu spät!«, moserte auch Uwe himself und meinte damit die verpassten Verhandlungen mit seinem Enkel. Er hätte auch die Leistung der Profiabteilung meinen können.

Stefan Reinartz
Der Leverkusener Stefan Reinartz ist definitiv kein Typ für viele Tore. Bis Sonntagabend hatte er in 147 Profispielen sieben Mal getroffen. Doch im Topspiel gegen den amtierenden Deutschen Meister schoss er gleich zwei Tore – und verlor trotzdem. Schade, denn Reinartz ist ein grundsympathischer Typ, der in Interviews nicht über »von Spiel zu Spiel denken« spricht, sondern sich gerne mal Gedanken über »Altruismus« oder produktive Freizeitgestaltung macht.

Christina Graf
»Wir suchen deine Stimme« hieß im vergangenen Jahr nicht die siebenundzwanzigste Popsternchen-Show, sondern eine Casting-Sendung von Sky, bei der der Bezahlsender die erste deutsche Fußballkommentatorin suchte. Am Ende regnete es Lametta und Marcel Reif überreichte den Siegerpokal an Christina Graf. Sonntag war es schließlich soweit. Graf durfte die Kracherpartie Jahn Regensburg kommentieren und tat unaufgeregt und solide. Die »Welt« fand das so toll, dass sie Grafs Debüt sogar tickerte. Das liest sich dann so: »›Ganz trocken von Sandro Wagner‹, sagt Graf. Und auch ihre Stimme hebt sich nur ganz nuanciert.«

Robert Lewandowski
Kein Zweifel: Robert Lewandowski ist momentan der modernste Stürmer der Bundesliga. Er stopft Löcher, er gewinnt Zweikämpfe, er spielt Spielmacher-Pässe und schießt Tore. Und wenn er einen guten Tag erwischt, dann darf man all diese Qualitäten in nur einem Spiel bewundern. Wie am Sonntag beim sensationellen 3:2 gegen Bayer Leverkusen. War das ein Genuss.

Srdan Lakic
Achtung, Seniorenheim-Metapher: Wie Phönix aus der Asche kehrte Srdan Lakic auf die Bundesligabühne zurück. Nach seinem Weggang aus Kaiserslautern wirkte der Stürmer wie das menschgewordene Abstellgleis, in Wolfsburg machte er 18 Spiele (0 Tore), in Hoffenheim lief er sechsmal auf (0 Tore). Der Neuanfang in Frankfurt ist mehr als geglückt. Zwei Tore in bester Strafraumstürmertradition. Oder – Achtung, Seniorenheim-Metapher Teil 2! – Srdan Lakic bombte wie weiland Gerd Müller.

Mario Mandzukic
Früher war es doch so: Wenn sich die Bayern für einen zwar talentierten, aber doch nicht unbedingt in Weltklasseform befindlichen Stürmer entschieden, trug der meist Namen wie Adolfo Valencia, Ruggiero Rizzitelli oder Emil Kostadinov, spielte mehr schlecht als recht und war dann auch schon bald vergessen. Mit Mario Mandzukic ist das anders. Der kam vor der Saison vom VfL Wolfsburg und man wird ihm nicht zu nahe treten, wenn man behauptet, dass er damals ungefähr auf Kostadinov-Niveau vermutet wurde. Nach zwei weiteren Toren gegen Mainz 05 führt Mandzukic nun die Torschützenliste der Bundesliga an. Mit 14 Treffern. Das sind schon zwei mehr, als Ruggiero Rizzitelli in 45 Spielen gelangen. Mandzukics Leistungen sind umso erstaunlicher, da auf der Bayern-Bank mit Claudio Pizarro und Mario Gomez zwei waschechte Torjäger sitzen. Dem Kroaten macht das offenbar nichts aus. Wie wohl Adolfo Valencia reagiert hätte?

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