21.01.2013

Elf des Spieltags (18)

Nur die Liebe zählt

Diego und Dieter verstehen sich blendend, Juanan tunnelt seinen Torhüter per Kopfball und Mame Diouf schießt ein Traumtor – doch keinen interessiert es. Die Elf des Spieltags.

Text:
Benjamin Kuhlhoff und Andreas Bock
Bild:
Imago

Tim Wiese
Kaum zu glauben, aber das Jahr 2013 startete für Tim Wiese wie ein wohlig warmer Fiebertraum: Denn im ersten Spiel der Rückrunde blieb der viel geschundene Keeper ohne Gegentor. Glückwunsch! Da seine Kollegen allerdings auch nicht viel zustande brachten, muss das Projekt »Champions League« allerdings noch etwas vertagt werden.
 
Lewis Holtby
Vor seinem ersten Auftritt in der Arena auf Schalke nach der Bekanntgabe seines Weggangs hatte man mit allem gerechnet – nur nicht damit: Lewis Holtby steigerte beim Zirkusspiel gegen Hannover seinen Markwert deutlich, bereitete zwei Tore vor, schoss das entscheidende 5:3 und wurde bei seiner Auswechslung kurz vor dem Ende mit freundlichen Applaus verabschiedet. Und auch nach dem Spiel machte Holtby alles richtig. Erst ließ er tief in die eigene Anatomie blicken (»Ich werde mich nicht verpissen, ohne mir den Arsch aufzureißen«) und zeigte dann auch noch, was für einen kreuzbraven Bengel die Bundesliga da verlieren wird, als er zu Protokoll gab: »Ich möchte niemanden anlügen. Wenn ich jetzt etwas sage, was nicht stimmt, dann kriege ich Haue von Mama.« So viel Ehrlichkeit wird der Liga wohl bald fehlen.

Mario Mandzukic
Auch wenn Uli Hoeneß es schon jetzt nicht mehr hören kann: Ab sofort beginnt beim FC Bayern das große Vorspielen für Pep Guardiola. Die Spieler wissen: Der »Wunder-Trainer« (»Bild«) sitzt irgendwo in New York und seziert jeden Schritt. Am ersten Tag des Bewerbungsmarathons machte vor allem Mario Mandzukic dabei eine außerordentlich gute Figur. Sein Doppelpack bescherte dem FC Bayern ein 2:0 gegen Greuther Fürth und Guardiola eine Floskel, die er bei seiner Ankunft im Sommer circa siebzehntausenddreihundertzwanzig Mal gehört haben wird: »Am Ende zählen die drei...« Ach, sparen wir uns das.
 
Stefan Kießling
Kürzlich durfte Stefan Kießling in der »Bild« erzählen, dass er eigentlich Koch werden wollte. Doch »als er die Arbeitszeiten erfuhr, gab er den Job auf«. Dann schon lieber Fußballprofi – lange ausschlafen, dicke Autos und coole Unterarm-Tattoos. Und mehr noch: Im Kalenderjahr 2012 war Kießling der beste Torjäger der Bundesliga. 2013 macht er da einfach weiter. Gegen Frankfurt schoss er ein Tor und bereitete einen Treffer vor. Und das alles, weil Pyrotechnik aufs Spielfeld flog und das Spiel für sieben Minuten unterbrochen werden musste. Kießling: »Das hat uns gut getan.« Das Schönste an diesem Samstagnachmittag war allerdings, dass Jogi Löw im Stadion weitle. Darf Kießling jetzt also wieder für Deutschland ran? Kießling: »Es zählt nur, dass ich meine Leistu...« Ach, sparen wir uns auch das.
 
Mario Götze
Wer kann diesem kleinen Wusel schon böse sein? Im Spiel gegen Werder Bremen zerlegte Götze mit seinem kongenialen Partner Marco Reus erst den Gegner, kratzte dann aber etwas am eigenen Image. Zum wiederholten Mal versuchte sich Götze an einer Imitation des Klassikers »Die Hand Gottes«. Auch diesmal scheiterte er grandios. Man könnte das jetzt unsportlich nennen, aber das ist im allgemeinen BVB-Hype unter Strafe verboten. Deswegen nennen wir es, hm, ja wie denn nun? Frech? Spitzbübisch? Ungeschickt? Nein, wir nennen es jugendlichen Leichtsinn! Und heute Abend geht es ohne warme Milch ins Bett, lieber Mario.

Nuri Sahin
Nach seinem Comeback jubelte Sahin: »Die Sprechchöre, der Empfang, das ist ja alles andere als selbstverständlich, da hatte ich schon Gänsehaut.« Vor seinem Comeback sagte er: »Ich kenne sämtliche Abläufe und weiß etwa, wo Schmelzer und Piszczek hinlaufen.« Leider nützte das nichts, denn der verlorene Sohn durfte nur sechs Minuten spielen. Er ist trotzdem »entspannt«. Willkommen zurück in der Wellnessoase »Tropical Dortmund«.

 
 
 
 
 
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