»El bombo de España«

Am Tresen mit Manolo

Seit 1982 taucht er alle vier Jahre wieder auf: Manolo, der spanische Überfan mit Baskenmütze und Trommel. Und wer es noch nicht weiß: Manolo kommt aus der Stadt des heutigen Champions-League-Gegners Valencia. Jörn Lange erinnert sich ein einen unvergessenen Besuch. »El bombo de España«

2010 verlegte ich meinen Wohnsitz für einige Wochen ins spanische Valencia. Natürlich durfte ein Besuch im altehrwürdigen Mestalla-Stadion nicht fehlen. Das Spiel gegen Real Madrid erfüllte alle Erwartungen. Doch das eigentliche Highlight sollte erst nach dem Spiel folgen.

Nach Ende der Partie wollte ich den »Spieltag« bei einem Bierchen ausklingen lassen und folgte einer kleinen Gruppe Fans, die eine Kneipe in unmittelbarer Stadionnähe ansteuerte. An der Fassade begrüßte mich bereits eine Trommel von imposantem Ausmaß mit der Aufschrift: »El bombo de España – Manolo«. Er hat also ein Zuhause. Ich betrat die eher mäßig gefüllte Kneipe und staunte nicht schlecht: die Decke lückenlos bepflastert mit Fanschals unterschiedlichster Vereine, eine überaus beachtliche Zahl an Trommeln, die Wände voller handbeschrifteter Bilder und in jedem Winkel des Raumes ein Fernseher – selbstverständlich auch ein separater für den Wirt selbst. Der vielleicht größte, zumindest aber wohl bekannteste Fußballfan der Welt, hat sich hier einen Garten Eden des Fußballs erschaffen. Hinter dem Tresen: »El bombo de España« höchstselbst.

Manolo bestellte extra für uns die Spiele der Premier League

Ich besuchte diesen »heiligen Ort« in den folgenden Wochen immer wieder. Einmal kam ich mit einigen befreundeten Engländern in der Hoffnung eine Premier League-Partie sehen zu können. Leider liefen lediglich die Spiele der Primera Division, doch der Hausherr sah uns unsere Enttäuschung anscheinend sofort an, nahm Kontakt zu uns auf und entschwand daraufhin ans Telefon. Er orderte kurzerhand den entsprechenden Pay-per-View Kanal. Als Zeichen der Dankbarkeit tranken wir reichlich, bezahlten letztlich aber nur rund zehn Euro. Manolo, der große Fußballkommunikator hatte unsere Herzen spielerisch gewonnen.

Wenn Valencia Auswärtsspiele bestreitet, kann man in aller Seelenruhe das Spiel am Fernseher verfolgen. Mit stattlich gekleideten Herren älteren Semesters, die ihre Anzüge aus den 70ern spazieren tragen. Tapas essend, Bier trinkend, rauchend und altersweise vor sich hinschimpfend. Spielt Valencia jedoch zuhause, sucht man die »alte Garde« vergebens. Dann verwandelt sich Manolos Bar zu einer Art Wallfahrtsort für sämtliche Anhänger der Gästemannschaft. Manolo ist in erster Linie Fan des Fußballsports an sich, in zweiter Linie der zwölfte Mann der spanischen Nationalmannschaft und somit eine Art Nationalheiligtum. Die Menschen stehen – kein Witz – Schlange, um einmal ein Wort mit ihm zu wechseln, ihm die Hand zu schütteln oder ein Foto zu machen. Gerade bei den hübschen Spanierinnen (»guapa!«) lässt sich der alte Charmeur nicht zweimal bitten.

Auf den Spuren eines Fußballverrückten

Wer sich die Zeit nimmt das handgemachte Fußballmuseum genauer unter die Lupe zu nehmen, entdeckt neben den Bildern des Hausherren mit Größen aus Sport, Show und Politk auch Sonderbares. So erhielt der Chef-Trommler für seine repräsentativen Dienste u.a. bereits eine Art Ritterschlag vom spanischen König. Ob es jemals einen englische Fußballfan mit einer ähnlichen Auszeichnung geben wird, darf bezweifelt werden. Einen vergleichsweise schrägen Eindruck hinterlässt die deutsche »Prominenz«. So ist tatsächlich der einzige deutsche Spieler, mit dem Manolo posiert, Hansi Müller, darüber hinaus kann man eine Autogrammkarte mit persönlicher Widmung von den Jakob-Sisters bewundern. Bildunterschrift: »very famous german showact« – passenderweise gegenüber des Toilettenausgangs positioniert.

Im März kam dann tatsächlich »mein Verein«, der SV Werder Bremen, zum Europa-League-Schlager in die Stadt. Ich orderte per Post einen Wimpel und übergab ihn Manolo vor Spielbeginn. So kam auch ich zu meinen Foto. Meine Freundin wurde natürlich mit aufs Bild beordert und zusätzlich noch mit Fan-Accessoires umgarnt. Es entwickelte sich ein lebhafter Dialog zwischen den beiden und ich sah die Dame meines Herzens in den dunklen Augen des Flirt-Altmeisters versinken. Ich konnte es ihr nicht verdenken. Dieser Mann lebt seinen Traum. Er schaut Fußball und redet darüber, er schenkt Bier aus und trinkt selbst genüsslich mit. Und vor allen Dingen: er bringt mit seiner Trommel Menschen auf der ganzen Welt fast um den Verstand. Die Leute lieben Manolo.

Ich hingegen musste mich derweil mit einem Handschlag zufrieden geben. Sei es drum. Zum Abschied rief er mir quer durch den ganzen Laden »Adios Amigo« hinterher. Irgendwie auch ein Ritterschlag.

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