Einer wie keiner: »Toskana-Pumuckl« Gigi Buffon

Gianluigi Buffon, Italiens Fixstern

Wenn Deutschland am Mittwoch gegen Italien spielt, hofft die »Squadra Azzurra« vor allem auf eine überragende Leistung von Torwart Gianluigi Buffon. Der Leichtfuß aus der Toskana ist längst die einzige Säule im Land des Weltmeisters von 2006. Einer wie keiner: »Toskana-Pumuckl« Gigi Buffonimago

Marco Storari ist ein guter Torwart. Er stand lange beim ACR Messina im Kasten, arbeitete vertretungsweise beim AC Mailand, Sampdoria Genua und dem AC Florenz. In den letzten Monaten stand er für die verletzte Nummer eins bei Juventus Turin im Tor. Er machte seine Sache gut, phasenweise sogar sehr gut. Etwas als er Juve mit tollen Paraden zu einem 2:1-Sieg gegen den AC Mailand verhalf. Aber wahrscheinlich erklärte Juves Trainer Luigi Delneri eher aus Höflichkeit, dass es »für jeden schwer wäre Marco Storari wieder abzulösen.« Denn was er wohl eigentlich meinte war: Für jeden, außer für Gianluigi Buffon.

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Irgendwie wirkt die ganze Karriere des Gianluigi Buffon wie eine Entdeckung der Leichtigkeit. Was anderen unglaublich schwer fiel, erreichte Buffon scheinbar mühelos. Mit 17 debütierte er beim AC Parma in der Serie A, mit 19 war er Stammtorwart. Im selben Alter gab er sein Debüt bei der italienischen Nationalmannschaft. Das war 1997 und fast unerhört früh, in einem Land, das Torwart-Urgestein Dino Zoff 1982 noch mit 40 Jahren zum Weltmeister werden ließ. Mit 23 wechselte Buffon für über 54 Millionen Euro zum italienischen Rekordmeister Juventus Turin. Spätestens da hatte sich der junge Auswahltorwart zur unangefochtenen Nummer eins in Italien aufgeschwungen.

Gigi Buffon: Der Kumpel im grünen Trikot

Und immer wirkte Gigi Buffon, geboren am 28. Januar 1978 in Carrara, wie ein 1,90 großer Toskana-Pumuckl – ein flapsiger Freigeist, der sich von keinem was sagen lässt und irgendwie mit allem durchkommt. Sein Trainer beim AC Parma, Nevio Scala, wollte den stets Aufständischen 1995 mit Geldstrafen in die richtige Bahn zwingen. Buffon gab sich unbeeindruckt lässig: »Er soll mir die Rechnung schicken, wenn ich groß bin.« »Er ist wirklich ein Kumpeltyp, einer, mit dem man immer Spaß haben kann,« sagt auch Ex-Bayern-Profi Hasan Salihamidzic, der seit 2007 zusammen mit Buffon bei Juventus Turin spielt. Der »Welttorhüter des Jahrzehnts« ein spaßiger Kumpeltyp? »Ich war positiv überrascht von ihm. Normalerweise sind Torhüter Einzelgänger, nah am Wahnsinn und ein bisschen verrückt. Gigi ist anders,« sagt Salihamidzic. Buffon passt nicht in das deutsche Klischee eines Weltklassetorwarts, der hierzulande im Idealfall ein Abziehbild von Oliver Kahn sein muss: Bekloppt, besessen, egozentrisch. Die Ära Oliver Kahn hat ihre Spuren in Deutschland hinterlassen. Aber auch in Italien eckte der Toskaner Buffon wegen seiner lässigen Haltung schon öfter an. Mit dem eher traditionalistisch angehauchten alten Herrn des Torwartspiels, Dino Zoff, geriet er schon so manches Mal in einen Konflikt. Weil Buffon es einmal wagte, ein grünes Torwarttrikot anzuziehen, ätzte Zoff, sein Nachfolger sähe darin aus, »als ob er zum Strandurlaub fahren will.« Natürlich trug Buffon das Trikot weiter.  

Aber Buffon hat in den letzten Jahren auch eine andere Seite von sich gezeigt: Die des verantwortungsvollen Führungsspielers. Als Juves Trainer Ciro Ferrara 2010 wegen andauernder Erfolglosigkeit seiner Mannschaft entlassen wurde, nahm Buffon vor allem sich und seine Mitspieler in die Pflicht: »Wir Spieler sind verantwortlich für den Trainerwechsel. Ich kann mich nur bei Ferrara entschuldigen. Er hat den Preis für uns alle bezahlt.« Seine Fähigkeit zur öffentlichen Selbstkritik unterscheidet Buffon von vielen seiner Kollegen. Eine Eigenschaft, die auch Hasan Salihamidzic schätzt »Das macht ihn für mich zu einer besonderen Person.« Und nun hat die Fußballnation Italien ihrem »Gigi Nazionale«  eine weitere Rolle zugeschoben: Sie haben ihn als Retter auserkoren.

Italiens Fixstern

»Er ist natürlich ein besonderer Spieler für Italien, wie jeder WM-Sieger von 2006,« sagt Salihamidzic zu Buffons Rolle bei der »Squaddra Azzura«. Neben dem stets apathisch dreinblickenden Mittelfeldregisseur Andrea Pirlo und »Pitbull« Danielle de Rossi, ist Buffon der einzige Spieler, der in den Planungen des neuen Nationaltrainers Cesare Prandelli noch eine entscheidende Rolle spielt. Und nur Buffon ist unverzichtbar. Obwohl er ein halbes Jahr lang an einem Bandscheibenvorfall laborierte, stand nie zur Debatte, dass Prandelli ihn für das Länderspiel gegen Deutschland nicht nominieren würde. In einer Mannschaft, die sich nach der WM-Katastrophe von 2010 – als Italien ohne den verletzten Buffon in der Vorrunde rausflog – erst noch finden muss, ist der Welttorwart von 2003, 2004, 2006 und 2007 ein heller Fixstern. Denn anders, als Pirlo und de Rossi ist Buffon einer, der das Zeug zum Führungsspieler hat. »Gigi ist ein Mensch, der sich sofort vor den Rest der Mannschaft stellt, wenn es nicht gut läuft,« bestätigt Salihamidzic.

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Doch für Buffon geht es auch um den persönlichen Erfolg. Nach sechs Monaten Verletzungspause will er zeigen, dass er selbst mit 33 Jahren noch zur absoluten Weltspitze zählt. Mit Leichtigkeit. Selbstverständlich. Auch Hasan Salihamidzic kann sich nicht vorstellen, das sein Freund und Mannschaftskollege nur nach Dortmund fährt um Spielpraxis zu sammeln: »Die wissen, wie schön es ist, im Westfalenstadion zu gewinnen.« 2006 gewann Italien hier das WM-Halbfinale gegen Gastgeber Deutschland ohne ein Gegentor zu kassieren. Im Tor: Gigi Buffon. Wer sonst?

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