Eine Utopie: Eine Bundesliga nur aus Werksklubs

Die Liga des Grauens

Das Duell Wolfsburg gegen Ingolstadt ist der Realität gewordene Traum einer Marketingabteilung eines Autoherstellers. Und Anlass genug sich zu fragen: Wie könnte die Liga der Zukunft aussehen? 

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Neulich hatten wir einen Albtraum. Wir befanden uns im Jahr 2015, es war Juni und die Relegationsspiele zwischen erster und zweiter Liga waren gerade vorbei. Die Spiele waren spannend verlaufen, aber am Ende war es tatsächlich passiert: Der stolze Hamburger SV, der »Dino« der Bundesliga ... diesmal hatte es ihn tatsächlich erwischt. Menschen weinten. Die Uhr im Stadion, die stets die Zeit der Ligazugehörigkeit in Jahren, Tagen, Stunden, Minuten und Sekunden angezeigt hatte, sie wurde abgeschaltet. Und das HSV-Maskottchen, dieser putzige kleine Dinosaurier, zog für immer sein Kostüm aus. Fortan würde eine schnöde Makrele den Verein repräsentieren – und statt des ewigen Hamburger SV der 1. FC Heidenheim in der Bundesliga spielen.

Wer war jetzt der »größte Underdog der Liga«?

Das war aber nicht das einzige Drama, was die Fans in Deutschland bewegte. Mit dem HSV mussten auch Werder Bremen und der VfB Stuttgart den Gang in die zweite Liga antreten. Aufgestiegen waren neben Heidenheim noch der FC Ingolstadt und RB Leipzig. Anfang August gründeten diese drei Klubs mit der TSG Hoffenheim, dem SC Paderborn und dem VfL Wolfsburg die Interessengemeinschaft »Künftige Traditionsklubs auf der Suche nach Charisma«. Bayer Leverkusen war ebenfalls angefragt, ließ allerdings ausrichten, Sportchef Rudi Völler allein verfüge über mehr Glamour als der ganze Rest des armseligen Haufens. Außerdem kam es in der neuen Gruppierung bald zum offenen Streit. Ursache war die Frage, wer sich »größter Underdog der Liga« nennen dürfe. Heidenheim verwies auf das mickrigste Stadion, Ingolstadt auf den miesesten Zuschauerschnitt, Paderborn auf die schauerlichsten Trainingsbedingungen. Die Verhandlungen in einer Tiefgarage in Sandhausen (dessen örtlicher SV sich um die Aufnahme in die Interessengemeinschaft im Falle des Aufstiegs 2016 bewarb) wurden nach zwei Tagen ergebnislos abgebrochen.

Zumal mittlerweile andere Fußballschlagzeilen die Öffentlichkeit beherrschten. Beim Spiel gegen Heidenheim (7:0) war die Allianz Arena erstmals seit Jahren bei einem Bundesligaspiel des FC Bayern nicht ausverkauft. Für großes Aufsehen sorgte zudem die Ankündigung des ehemaligen FCB-Präsidenten Uli Hoeneß, sich nach der Entlassung aus der Justizvollzugsanstalt Landsberg in der zweiten Liga zu engagieren: »Dort schlägt heute das Herz des Fußballs. Ich interessiere mich nicht mehr für Geld.«

Biathlon statt Paderborn

Hoeneß hatte, wie so oft im Leben, sein Ohr am Puls der Zeit. Bald schockierten Bilder von verlassenen Fußballkneipen am Samstagnachmittag die Republik. An einem Spieltag mit den Begegnungen Ingolstadt gegen Wolfsburg, Leipzig gegen Paderborn und Augsburg gegen Heidenheim ließ die ARD gar die Sportschau ausfallen und übertrug Biathlon.

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