Eine Ode an den UEFA-Cup

Schattenspiele im Streiflicht

Dröge, glanzlos, unlukrativ. Das Image des Uefa-Cups ist so schlecht wie der europäische Fußballverband reich. Eine Ode auf den spannendsten Wettbewerb im internationalen Fußball. Eine Ode an den UEFA-Cupimago

Was hat dieser Pokalwettbewerb nicht schon für Schmähungen erfahren. Seit Franz Beckenbauer den Uefa-Pokal zum »Cup der Verlierer« degradierte, folgte ein Abgesang auf den nächsten. Die offen zur Schau getragene Unlust des Trainers von St. Etienne auf die Achtelfinalpartie gegen Werder Bremen nahm das Nachrichtenmagazin Focus gleich zum Anlass, über die »Witzveranstaltung Uefa-Cup« zu berichten.

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Die Imageprobleme des Pokals, der aus Schalkern einst »Eurofighter« machte und die Leverkusener 1988 zur finalen Aufholjagd gegen Barcelona anspornte, werden immer wieder durch die gleichen Argumente befeuert: zu wenig Glamour, zu viele Spiele, zu wenig Spannung. Ab kommender Saison soll der neue Name »Uefa-Europa-League« zu einem »gesteigerten Marktwert« des Wettbewerbs gegenüber der Champions League führen.

Der Mythos der Unberechenbarkeit

Doch der Uefa-Cup braucht weder einen neuen Namen noch ein neues Image. Er hat sich längst zum erfrischenden Kontrastprogramm zur Champions League etabliert. Während die versammelte Riege internationaler Stars ihre Klubs in der Königsklasse zu so erfolgreichen wie vorhersehbaren Ergebnissen führen, sterben die Favoriten im Uefa-Pokal ein ums andere Mal. Im Schatten des Rampenlichts hält sich der Mythos der Unberechenbarkeit des Fußball-Geschäfts.

Mit den Glasgow Rangers, Espanyol Barcelona, dem FC Middlesbrough und ZSKA Moskau haben es in den vergangenen Jahren gleich vier Mannschaften ins Finale geschafft, die keines der großen Wettbüros mit bescheidenen Quoten versehen hatte. Die Champions-League bot dagegen so viele Überraschungen wie ein 0:0 zwischen dem AC Mailand und Juventus Turin.

Damit ist der Uefa-Cup nicht nur anarchistischer Ergebnislieferant, sondern auch Hauptinstitution fußballerischer Breitenbildung. Wie sonst hätten Fußballfans weltweit von den Torjägerqualitäten Massimo Maccarones oder Raúl Tamudos erfahren sollen. In einschlägigen Online-Enzyklopädien haben somit auch solche Spieler die Chance auf den Zusatzeintrag »Europapokalheld«.

Vermeintliche Underdogs auf Augenhöhe

Wenn man so will, ist der Uefa-Cup ein Relikt der alten Fußballwelt, in der Stadien nicht wie Ufos aussahen, und Leistungsschwankungen alltäglich waren. Die als Wunder gefeierten Rückspiele in Getafe (Bayern München) und Mailand (Werder Bremen) sind Ausdruck solcher Formverirrungen – Ausdruck eines Wettbewerbs, der nicht halb so langweilig wie sein Ruf ist.

Auch in dieser Saison beweist er sein Potential. Bereits nach der ersten Runde verabschiedeten sich Klubs wie der FC Everton, SSC Neapel und Borussia Dortmund von ihren Europapokal-Träumen. Auch der FC Sevilla und der AC Mailand schieden vorzeitig aus. Und das nicht etwa, weil diese Teams den Uefa-Cup so stiefmütterlich behandeln wie St, Etienne, sondern weil ihnen vermeintliche Underdogs auf Augenhöhe begegneten.

Die Einschaltquote der Achtelfinalpartie zwischen Galatasaray Istanbul und dem Hamburger SV bescherte dem ZDF mit einem Marktanteil von 18 Prozent die meistgesehene Sendung des Donnerstags. Und auch die ausgelosten Viertelfinalbegegnungen versprechen ausreichend Aufmerksamkeit, um die Schattenspiele mit mehr als nur Streiflicht zu versehen.

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