Eine Begegnung mit Hermann Gerland

Frühstück mit Tiger

Erste Reihe im Triplejahr, Hermann Gerland war dabei. Und erzählen will er davon auch. Für unsere aktuelle Ausgabe 11FREUNDE #140 trafen wir den Westfalen praktischerweise in Berlin. Doch wo steckt er bloß?

Michael Sieber
Heft: #
140

Vielleicht sollte man sich nicht in Cafés verabreden, die zwei Eingänge und drei separate Räume haben. Und schon gar nicht mit Hermann Gerland. »Ich bin schon da, ich bin immer pünktlich«, knurrt er bedrohlich, als wir ihn fünf Minuten nach der verabredeten Zeit im anderen Raum finden. Unpünktlichkeit findet er genauso wenig akzeptabel wie lasche Zweikämpfe und schlampige Pässe. Das hat er Generationen von Nachwuchsleuten beim FC Bayern beigebracht, von Markus Babbel bis Bastian Schweinsteiger, den er übrigens »Basti« nennt. In der letzten Saison war aber Schluss mit der Doppelbelastung als Coach der U23-Mannschaft und Assistent von Jupp Heynckes. Also hat er die beste Saison in der Geschichte des FC Bayern von der Trainerbank begleitet und – dazu später mehr – auch mitgestaltet.

Man kommt aus dem Feiern nicht mehr raus

Jetzt sind die Tage, in denen er aus dem Feiern gar nicht mehr rauskommt. Sonntag war die letzte Jubelfeier der Triple-Saison und Montag der erste freie Tag, an dem er in seine Heimatstadt Bochum gefahren ist. Mit über 30 »alten Kollegen« hat er abends zusammengesessen, eine Galerie Bochumer Fußballlegenden von Gerd Wiesemes bis »Ata« Lameck. »Herrlich war das«, sagt Gerland, sie haben in seinen 59. Geburtstag gefeiert. Am nächsten Tag ging es dann zu seinen Töchtern nach Berlin, zur nächsten Feier. Deshalb treffen wir uns auch in Zehlendorf.
»Früher fand ich, dass Bochum die schönste Stadt der Welt ist, aber da kannte ich auch nichts anderes«, sagt Gerland. Jetzt findet er, dass Nürnberg schöner ist, wo er Trainer war, natürlich auch München und Berlin ebenfalls. Aber zugleich ist er immer noch seiner Heimatstadt verbunden und immer noch dem VfL Bochum. »Was machen die da nur«, sagt er und hat wieder diesen knurrenden Unterton. Bitte noch einen Latte Macchiato und wieder mit Süßstoff. Seit vor ein paar Jahren Diabetes diagnostiziert wurde, ist der »Tiger« sparsam mit Süßem.

Übrigens fällt Hermann Gerland natürlich in die Kategorie »echter Typ«, aber leider führt das manchmal zu Missverständnissen. Weil er altmodisch heimatverbunden ist, weil er bärbeißig Spieler anraunzt, weil er überhaupt nicht stromlinienförmig ist, unterschätzt ihnen so manch einer als herrlich kauzig aber nicht weiter ernst zu nehmen. Totaler Blödsinn! Wenn man sich im Umfeld der Mannschaft umhört, nimmt er nicht nur bei der täglichen Arbeit auf dem Platz eine wichtige Rolle ein, sondern auch als Vermittler zwischen Team und Trainerstab, aber auch zum Präsidium des Klubs.

»Ich konnte mich auf den Alten verlassen«

Auch im Interview merkt man durch all die Bärbeißigkeit hindurch, dass Gerland ein sensibler Beobachter mit viel Empathie ist. Er ist nicht zuletzt gekommen, um Jupp Heynckes zu loben, »weil der das so phantastisch gemacht hat«. Er wirft sich schützend vor Lahm und Schweinsteiger, die vor dem Triple so oft als unvollendet kritisiert worden waren. Da hört man auch raus, wie sehr die Jungs darunter gelitten haben, die er fußballerisch großgezogen hat.  Ein Vorhaben für die neue Zeit unter Guardiola hat er schon am ersten Mittwoch im Juni gefasst, wo der Neue noch fern ist: »Ich wünsche mir, dass Guardiola, wenn sich eines Tages unsere Wege wieder trennen, sagt: ›Ich konnte mich auf den Alten verlassen.‹« Wir würden mal sagen: Es dürften keine Zweifel bestehen, dass das hinhaut.

HINWEIS: Das komplette Interview mit Herman Gerland findet sich in der aktuellen 11FREUNDE #140

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