Ein Zeugwart packt aus

»Manchmal bin ich wie ein Beichtstuhl«

Klopps Tränen, Schürrles Luftgitarre und Lieblingsunterhosen - seit 25 Jahren erlebt Walter Notter besondere Geschichten bei Mainz 05. Ein Interview mit der Zeugwartlegende.

Bannick/Mainz 05

Walter Notter, wer besitzt in Mainz eigentlich die meisten Schuhe?
(Lacht.) Die meisten hatte unser ehemaliger Spieler Aristide Bancé. Der nahm alleine zehn Paar Schuhe mit, wenn wir zum Auswärtsspiel fuhren. Da brauchte ich eine Kiste nur für Aristide.

Fußballer sind häufig abergläubisch. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
Michael Müller ging vor dem Spiel immer bis zu Ausgangstür, kam dann wieder zurück, um seine Hacken am Türrahmen auszuklopfen. Und Christian Hock musste immer in der gleichen Unterhose spielen. Wenn was schief ging, wurde es auf die Unterhose geschoben.

Haben Sie die Hose mal vergessen?
Nein, zum Glück nicht. Bei einem Heimspiel in der Zweiten Liga gegen Bayer Uerdingen hat der Kollege aus Uerdingen mal den kompletten Trikotsatz für sein Team vergessen. Da habe ich ihm mit unseren Auswärtstrikots ausgeholfen. Ich klebte die Namen mit Tape ab, dann konnten sie wenigstens antreten.

Müssen Sie oft improvisieren?
Man muss schon starke Nerven haben. Zu einem Spiel 2006 in Dortmund sollte ich alle drei Trikotsätze mitbringen, um sie vor Ort mit den Farben des BVB-Trikots zu vergleichen. Wir standen in der Schiedsrichterkabine und diskutierten mit den Verantwortlichen und dem Fernsehen. Es war ein Drama, bei dem ich fast durchgedreht bin. Erst zehn Minuten vor Spielbeginn entschied der Schiedsrichter, dass wir in schwarzen Trikots mit goldenen Hosen auflaufen würden. Mit den Farben ist es immer so eine Sache. Rot gegen grün geht nicht, weil Farbenblinde den Unterschied im Fernsehen nicht erkennen können. Wenn wir in Bremen spielen, bekommen wir heute schon im Vorfeld vom Verband den Hinweis, dass wir nicht in rot spielen können.

Sie sind seit 1989 Zeugwart in Mainz. Wie hat sich das Geschäft im Laufe der Zeit geändert?
Die Entwicklung ist wahnsinnig. Der Bruchweg war ein ganz einfaches Stadion, in dem die Spieler und die Zuschauer sich mit Handschlag begrüßt haben, das hatte Flair. Auf dem Weg zum Spiel lief die Mannschaft noch mitten durch die Zuschauer. Damals fuhr ich mit zwei oder drei Kisten zum Auswärtsspiel, die Spieler nahmen ihre Trainingsanzüge und Schuhe selbst mit. Heute ist das eine logistische Herausforderung, ich packe mindestens 15 Kisten pro Spieltag.

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