Ein Wochenende Fußball – die schönsten Storys und Fotos!

»120 Schweine nach Beirut!«

Für unsere aktuelle Ausgabe haben wir die schönsten Fan-Geschichten eines Wochenendes zusammengetragen. Doch wir konnten nicht alle der verrückten Geschichten veröffentlichen, einen Teil davon haben wir hier. Vorhang auf für Menschen mit Verkehrspylonen auf dem Kopf und »120 Schweine nach Beirut«.

11FREUNDE+Einsendungen

Samstag, 27. Oktober 2012 

7:00 Uhr. Berlin, Treptower Park. (SV Babelsberg)
Rettungssanitäter Thomas beendet in Berlin seinen Nachtdienst. Andere würden nun Schlaf nachholen, er macht sich mit seinem Freund Marco mit dem Auto auf den Weg nach Erfurt, wo der SV Babelsberg spielt. Anstoß ist um 14 Uhr – genug Zeit für die beiden, die über 300 Kilometer Fahrstrecke rechtzeitig hinter sich zu lassen und dann Drittligafußball zu sehen. Eigentlich.

7:11 Uhr. Duisburg. (MSV Duisburg)
Jörg, Tim und Ken treffen sich am Auto. Der MSV-Schal wird auf der Heckablage drapiert, die größtenteils flüssige Verpflegung verstaut. Es geht an einen Ort, an dem sie noch nie waren, von dem aber Augenzeugen berichten, dass es ihn wirklich gibt: Sandhausen. »Wo liegt das?« – »Wahrscheinlich irgendwo am Meer.«

10:00 Uhr. Köln-Nippes. (Schalke 04)
Tobias steigt in den Zug in Richtung Schalker Arena. Der Referendar für Mathematik hat eine harte Woche hinter sich. Er war mit seinem S04 Mittwoch in London, schlief am Flughafen, kam am Donnerstag um 11 Uhr in Köln an, um dann die sechste Stunde an einem Gymnasium zu leiten. Tobias mag zwar noch kein Lehrer sein, doch den Plan-B für Pädagogen kennt auch er: »Heute macht ihr mal Gruppenarbeit, ich verteile Arbeitsblätter«. In Düsseldorf kommt nicht nur eine fleischgewordene Douglas-Filiale ins Abteil, sondern auch Peter aus Würzburg. »Hast du ein NRW-Ticket? Kannst du mich mit drauf nehmen?«, fragt er und schiebt nach: »Ich bin Nürnberg-Fan.« In Windeseile hat Peter einen Sitzplatz, ein Bier und ein Ticket. Fanfreundschaften sind dicker als Wasser.

10:15 Uhr. Rasthof-Klöckern. Babelsberger auf dem Weg nach Erfurt. (SV Babelsberg)
Am Rasthof gönnt sich Thomas nach seinem Nachtdienst das erste Feierabendbier, die Vorfreude auf das Spiel wird allerdings getrübt: Mitten im Oktober fällt Schnee. Spätestens am Hermsdorfer Kreuz schauen sich Thomas und sein Freund Marco nur noch ungläubig an: Alles ist weiß, die dritte Spur nicht mehr befahrbar. Kurz vor Jena kommt die Nachricht, dass das Spiel ausfalle. »Das darf doch nicht wahr sein, den Platz schaufel ich persönlich frei«, ruft Thomas. Doch dann verwirft er den Kampf mit Frau Holle, steigt in Jena in den Zug und fährt zurück nach Berlin. Marco allerdings zieht die Reise nach Erfurt durch.

11:17 Uhr. Sandhausen. (MSV Duisburg)
Die Duisburger sind nach 316 Kilometern über die A3, A16 und A5 mit kurzem Stopp am Parkplatz Idstein durch Regen, Schnee und Sonne in Sandhausen angekommen. Auf dem Weg zum Stadion begrüßt sie ein Schild: »Waldweg gesperrt für Motorradfahrzeuge, Gespanne und Reiter.« Sandhausen legt den Roten Teppich aus.

11:30 Uhr. Industriegebiet Sinsheim. (1899 Hoffenheim)
Treffen sich zwei Yetis, sagt der eine: »Ich habe gerade einen Hoffenheim-Fan getroffen. Sagt der andere: »Ach, gibts die wirklich?« Ja, Anhänger der TSG sind Hohn und Spott gewöhnt, doch nun stehen tatsächlich 58 Fans vor dem Bus, der sie zum Auswärtsspiel nach Mainz bringt. »Diesmal haben die Fans uns die Tickets aus den Händen gerissen«, erzählt Organisator Michael. Und das obwohl Tim Wiese heute wieder im Tor stehen wird.

12:00 Uhr. Offenbach, »Schluck-specht«. (Kickers Offenbach)
Lukas und sein Kumpel Markus sind Offenbacher Jungs, obwohl sie 130 Kilometer zum Bieberer Berg fahren müssen. Samt Vater und zwei weiteren Freunden reist Markus zum Spiel gegen Chemnitz. Nach der Ankunft besucht der Tross die Kneipe »Schluck-specht«, was nicht gerade nach burgeoisem Kulturcafé klingt. Dabei hatten Lukas und Markus schon am Abend zuvor bei einem Fußballfilmabend nicht ins Glas gespuckt. Trockenes Fazit: »Markus ging vor Filmende rumpelvoll nach Hause.«

12:30 Uhr. Steigerwaldstadion, Erfurt. (SV Babelsberg)
Babelsberg-Fan Marco wirft einen Blick ins leere Stadion. Statt 5.000 Zuschauern sind hier nur drei Bierverkäufer im Schneetreiben anzutreffen. Er meint: »Den Platz hätte Thomas freigeschaufelt bekommen.« Seine gewagte These, Erfurt wolle sich wohl schonen, können die etwas hilflosen Anwesenden nicht bestätigen. Aber – und das ist wichtiger – sie dementieren auch nicht.

14:00 Uhr. Köln, Sportpark Höhenberg. (Mönchengladbach)
Zum Glück haben Fußballfans vielschichtige Interessen: Niko besucht das Spiel Viktoria Köln gegen RW Essen. Damit nicht genug, kurz danach geht es nach Linz am Rhein. Auf dem Sportplatz Kaiserberg empfängt der Letzte der Rheinland-Liga VfB Linz den FC Blau-Weiß Karbach.

14:27 Uhr. Mainz, Stadion. (Hoffenheim)
Verbrüderungsszenen vor dem Stadion von Mainzer und Hoffenheimer Anhängern gesetzteren Alters – ob die jüngeren Mainzer auch so offen wären, ist nicht bekannt. Insgesamt tausend Hoffenheimer sind mit dabei, Michael hat seine Bustruppe sicher zum Spiel gebracht. Zwischen zwei Fans spielt sich folgender Dialog ab: »Heute Abend Ballermann-Party in Sinsheim?« - »Nein, die ist erst nächste Woche.« - »Verdammt.« Es kann nicht alles klappen.

14:40 Uhr. Vor der Schalker Arena. (Schalke 04)
Tobias, der Referendar aus Köln, stimmt immer wieder ein Lied von Mike Krüger an. Schließlich hatte sich ein Schalker gehobenen Alters vor dem Emirates Stadion in London dadurch hervorgetan, dass er alle drei Strophen von »Ich fahr 120 Schweine nach Beirut« mit einer Inbrunst sang, als verkünde er das Evangelium. Und jetzt alle: »Mein Bruder ist Beamter, der hats gut – doch ich fahr 120 Schweine nach Beirut«.

17:21 Uhr. Mainz, Stadion. Auswärtsblock Hoffenheim. (Hoffenheim)
Nach der 0:3-Niederlage sind die Hoffenheimer gefrustet. Einige Fans fordern: »Babbel in die Muppetshow.« Doch auf einmal springt ein junger Fan hervor, strahlt, brüllt, schwingt jubelnd die Arme, als hätte sein Team gerade das 5:0 geschossen. In den Händen hält er ein Souvenir: »Ich hab das Danny-Williams-Trikot gefangen!«

17:30 Uhr. Mainz. Rückfahrt nach Sinsheim. (Hoffenheim)
Die Hoffenheimer machen sich schnell auf den Heimweg. Michael erklärt: »Als Hoffenheimer wirst du eigentlich von 75 Prozent der Fans gehasst.« Vor allem die Fans, die mit dem Zug anreisen, müssen schnell zum Bahnhof. »Man sollte nicht das Risiko eingehen, auf andere Fangruppen zu treffen.«

19:20 Uhr. Gelsenkirchen, Fankneipe »Auf Schalke«. (Schalke 04)
Die befreundeten Schalker und Nürnberger feiern zusammen, die Stimmung kocht zu Fanliedern, Wendler oder White Stripes. Für manche ist die Party aber beendet, bevor sie angefangen hat. Der Türsteher weist resolut einen wippenden Jüngling an der Tür ab, weil »du hier immer Ärger machst«. Die Höchsstrafe aber ist, dass direkt daneben ein Fan umstandslos die Tür passieren kann, der eine vermutlich geklaute Verkehrspylone auf dem Kopf trägt.

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