Ein unbekannter Waliser steht auf der Liste für »Europas Fußballer des Jahres«

Big Les

Es ist der schönste Streich des Jahres: Weil ein walisischer Journalist seinen Namen auf die Liste der 32 potentiellen »Europas Fußballer der Jahres« hievte, darf sich der weitestgehend unbekannte Leslie Davies nun mit Lionel Messi und Cristiano Ronaldo messen.

Privat

Die schönste Geschichte gleich vorweg: Am Montagabend durfte sich Leslie Davies, Teilzeit-Fußballer im Dienste von Bangor City und Sicherheitsexperte der Firma ISC (Motto: »Solutions in metal«), gemeinsam mit Gattin Nicola über die Geburt seiner Tochter Lucie Haf freuen. Die zweitschönste Geschichte gleich hinterher: Kaum lag das schreiende Bündel Mensch im Arm des 27-jährigen Walisers, klingelte sein Telefon. Am anderen Ende: Ein Reporter der »BBC«. »Glückwunsch«, hörte Davies den Anrufer sagen, und machte sich schon ernste Gedanken über Informationslücken auf der Geburtenstation im Krankenhaus von Bangor, als der Mann von der »BBC« fortfuhr: »Mr. Davies, sie stehen auf der Kandidatenliste für die Wahl zu ›Europas Fußballer des Jahres‹!«

Es ist der Streich des Jahres. Leslie Davies, ein außerhalb von Wales nahezu unbekannter Stürmer des außerhalb von Großbritannien nahezu unbekannten Klubs Bangor City, steht zur Wahl für den besten Fußballer Europas. Neben Lionel Messi, neben Cristiano Ronaldo, neben Mesut Özil. Neben der Crème de la Crème des internationalen Fußballs. Als dürfte das hässliche Entlein aus der Provinz zur Wahl der »Miss World« antreten. Es ist die ewig schöne Geschichte von David gegen Goliath.

»Damit hätte ich einer Million Jahre nicht gerechnet!«

Dass Davies, von seinen Fans in Bangor aufgrund seiner eindrucksvollen Statur (1,96 Meter, 107 Kilo) »Big Les« oder »The Truck« genannt, überhaupt auf der 32-köpfigen Kandidatenliste zu finden ist, hat er einem Landsmann zu verdanken. 53 Nationen stellen je einen Journalisten, der dann fünf Fußballer nennen muss, die wiederum mit Punkten (1 bis 5) bewertet werden. Der walisische Vertreter, Dave Jones von der »Daily Post«, gab seine fünf Punkte an Leslie Davies. Das reichte zur Nominierung. Davies selbst sagte der »BBC« am Montagabend: »Ich hätte in einer Million Jahre nicht damit gerechnet, in einer Liste mit Xavi, Messi oder van Persie aufzutauchen.« Frisch gebackener dreifacher Vater und offiziell einer der 32 besten Fußballer Europas - »mein Leben könnte nicht besser sein!«

Über Nacht ist aus dem unbekannten Angreifer eine landesweite Berühmtheit geworden. Zwar kennt sich Bangors Toptorschütze der vergangenen Saison (16 Tore in 31 Spielen) mit Preisverleihungen aus – seine Fans haben ihn erst jüngst zum besten Spieler der Jahres gekürt – doch wird diese Nominierung ganz andere Dimensionen haben. Leslie Davies ist das perfekte Sommerpausen-Thema. Nicht nur, aber vor allem auf der Insel, wo sie bis zum Start der Olympischen Spiele (27. Juli) ebenfalls sehr dankbar über jede Form der sportlichen Ablenkung sind.

Nähere Informationen über »Big Les« waren bis Montagabend noch sehr spärlich im Internet verteilt. Hektisch wurde ein englischsprachiger Wikipedia-Eintrag erstellt, am 16. Juli um 18:53 Uhr ging er online. In Deutschland reagierte die Community etwas später: seit Dienstag, 9.03 Uhr, kann man sich bei Wikipedia auch auf deutsch über Leslie Davies informieren. Sein kurzzeitiges Engagement bei Sheffield United taucht da noch nicht mal auf.

»Les ist eine Naturgewalt im Strafraum«

Inzwischen hat sich auch der verantwortliche Journalist zu Wort gemeldet. Auf der Homepage seiner eigenen Zeitung nahm Dave Jones Stellung zu seiner Nominierung. Ein Spaß? Wohl kaum. »Ich meine das sehr ernst. Les ist eine Naturgewalt im Strafraum und einer der besten Spieler der walisischen Liga und wäre sicherlich auch in größeren Ligen eine Gefahr für jeden Gegner. Also habe ich mich für folgende fünf Spieler entschieden: Messi, Ronaldo, Iniesta, Joe Hart – und Les Davies.« Es ist nicht das erste Mal, dass Jones auf bislang unbekannte Talente aus seiner Heimat aufmerksam macht. Schon 2011 nominierte der Reporter neben den Topfavoriten Messi und Ronaldo einen gewissen Michael Johnston, Verteidiger und Teamkollege von Davies beim dreifachen walisischen Meister Bangor City. Jones' Begründung: »Woche für Woche sehe ich die walisische Liga und Johnston ist nun einmal einer der besten Verteidiger, die ich kenne.«

Johnston schaffte es damals nicht auf die abschließende Liste der 32 Kandidaten. »Big Les« aber ist dabei. Am 30. August wird in Monaco der beste Fußballer Europas gekürt. Topfavorit ist erneut Vorjahressieger Lionel Messi. Und Davies? Der sagt: »Ich bin nur ein ganz normaler Arbeiter und Familienvater, der gerne Fußball spielt.« Und jetzt für ein kleines Sommermärchen gesorgt hat.

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